„Kreative Geister müssten mehr Anregung kriegen“

Im Gespräch mit dem Künstler Larry Peters.

„Wir haben hier für angehende Künstler einfach kein ausreichend inspirierendes Lernumfeld“, bedauert der Künstler Larry Peters bei einer Tasse Tee an einem sonnigen Montagmorgen. Peters selbst hat unter anderem am Royal College of Art seine Ausbildung absolviert und danach in England und der Schweiz während vieler Jahre Kunststudenten ausgebildet. Im Gespräch erzählt er über seinen Werdegang und erklärt, was er sich von St.Gallen als Ausbildungsstätte junger Künstler wünschen würde.

Bist du in einem künstlerischen Umfeld aufgewachsen? Und deshalb Künstler geworden? Eigentlich komme ich aus einem typischen Arbeitermilieu. Schon in der Primarschule entdeckten die Lehrer aber so etwas wie mein „künstlerisches Talent“ und empfahlen mir, dieses an einer weiterführenden Schule zu verfeinern und auszubauen. Ich kam so an eine renommierte Kunstschule, ein angesagter Künstler nahm mich unter seine Fittiche…ich habe dann an der Chelsea School of Art und am Royal College of Art  studiert. So ergab eines das andere (lacht).

Larry_Bild

 

Was hat dich dann in die Schweiz, genauer gesagt: nach St.Gallen geführt? Meine Frau hat mich hierher gebracht. Sie war Schweizerin. Ich bekam zwar nach dem Studium gleich eine Anstellung in Farnham (GB) – als Kunstlehrer. Aber nach ein paar Jahren wollte ich eine Luftveränderung. Wir haben dann entschieden, ins Heimatland meiner Frau zu gehen. Und ich bekam relativ schnell eine Anstellung an der hiesigen Kunstgewerbeschule.

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Larry Peters: „Man going east“ (2015)

Erlebst du St.Gallen als Nährboden für Künstler? Oh ja. Ich bin der Meinung, wir haben sehr viele gute Schüler und Studenten hier. St.Gallen hat sich in den letzten Jahren ausserdem extrem entwickelt. Ich sehe tolles Potenzial. Was leider fehlt sind die Werkstätten, die Orte. Damit meine ich, dass es andere Räumlichkeiten bräuchte, als traditionelle Schulzimmer, wo Kunst unterrichtet wird. Denn erst besondere Ort lassen richtig kreatives Denken zu. Der Mangel an solchen Orten ist auch ein Grund, weshalb viele angehende Künstler*innen Richtung Zürich verschwinden, wenn sie eine entsprechende Ausbildung haben wollen. Denn fähige Lehrkräfte haben wir hier!

Wovon träumst du, wenn es um den Ausbau des „Kunst-Ausbildung-Standorts St.Gallen“ geht? Mein Anliegen ist, dass die grossartigen Lehrkräfte, die es hier in der Stadt gibt, hier am Standort bleiben und unterrichten wollen, weil sie sich auch hier vom Arbeitsumfeld angesprochen fühlen. Ein Schritt dazu wäre, dass man neue Räume findet, beispielsweise im Zeughaus…In einem weiteren Schritt könnte man sich die Tradition St.Gallens in Bezug auf Textilien und Bücher zu Nutzen machen. Und beispielsweise versuchen, alle Künste in einem Hause zu vereinen: In einer „School of Fine Arts“. Ausserdem wäre es fantastisch, ein Austausch-Programm für Kunststudenten ins Leben zu rufen. Zum Beispiel mit Farnham in Grossbritannien – wo ich gute Beziehungen habe. Aber wie gesagt (schmunzelt): Das sind Träume von einer möglichen Zukunft für St.Gallen an Ausbildungsort für Künstler. Wer weiss, was davon noch Realität wird….

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Larry Peters: „Alles muss weg“ (2009)

Du hast nun erzählt,  was du dir für angehende Künstler wünschst. Aber auch du selbst bist Künstler. Wie sieht es mit deinen persönlichen Zielen aus? Eine grosse Sache gibt’s, die ich gerne umsetzen würde. Und zwar würde ich mein Lebenswerk noch gerne in irgendeiner Form „organisieren“, zum Beispiel als Buch. Oben in meinem Haus habe ich einen Raum, der voller Bilder ist. Da würde ich gerne alles irgendwie zusammenbringen. Ich will mein eigener Kurator sein und prüfen, wo ich stehe und was ich erreicht habe. Das wäre dann nichts weniger als das: Ein Bilanz-Ziehen meines künstlerischen Lebenswerkes.

‘someone once said
to somebody
does anyone
know anybody
who can tell
everyone
that everybody
is different to them
and to us’
– Larry Peters, 2016 –

 

Vielen Dank an Larry Peters für dieses Interview.

Wer noch andere Seiten von Larry Peters kennenlernen möchte, findet Infos über ihn in diesem Zeitungsbericht.

(Porträt Larry Peters: St. Galler Tagblatt, Reto Martin, 25. Nov. 2009)

 

 

2 Kommentare
  1. Daniel Stiefel
    Daniel Stiefel says:

    Ein kreativer Raum ist nicht unbedingt ein geografischer Ort. Er entsteht vielmehr aus der geistigen Verfassung einer Gemeinschaft und ihrem Bedürfnis nach kulturellem Ausdruck. Er bleibt eine Frage des Selbstverständnisses oder des Selbstunverständnisses der Bevölkerung und der für kulturelle Belange zuständigen Institutionen.
    Bei letzteren sehe ich schwerwiegende Defizite!

  2. Claudia Züllig
    Claudia Züllig says:

    In der Hoffnung, dass manche Träume Wirklichkeit werden ….Neue Räume, mehr Werkstätten für die Schule für Gestaltung wären toll. Deine Ansichten teile ich voll und ganz.

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