Last Call – „The Pond Room“

Eine Kunstschau etwas abseits vom eigentlichen Ostschweizer Ausstellungsgeschehen – aber unglaublich empfehlenswert: Hans Op de Beecks „The Pond Room“ im Kunstraum Dornbirn, direkt hinter der österreichischen Grenze. Zu sehen gibt es eine installative Traumwelt mit einem mystischen Teich als Herzstück mittendrin. Noch eine Woche: Die Finnisage ist am 10.September! Last call…. sozusagen.

In der alten Monatgehalle, die als Ausstellungsraum agiert, empfängt den Besucher ein grosser, rechteckig angelegter Teich. Seerosen sitzen darauf. Bäumchen und Kieswege sind darum arrangiert. Idyllisch. Fast unwirklich schön. Dass hier wirklich vieles unwirklich ist, wird einem spätestens dann klar, wenn man den Finger ins schimmernde Teichwasser stecken will und dabei merkt, dass das nichts anderes ist, als eine harte Kunststoffplatte.

Der Teich als Spiegel

Teiche faszinieren – aber sie ängstigen auch. Vordergründig ist der Teich eine glatte Oberfläche, in der man sich sehen kann. Hintergründig versinnbildlicht seine (unbekannte) Tiefe das Düstere der menschlichen Existenz und lässt fragen, ob es wohl gelingen mag, aus den eigenen (seelischen) Untiefen wieder aufzutauchen, wenn man erst einmal darin versunken ist. Ebenso gefährlich kann es aber auch sein, sich den Untiefen nicht zu stellen und nur an der Oberfläche herum zu dümpeln. Droht dann nicht seelische Verkümmerung?

 

Es erstaunt nicht, dass der Teich immer wieder als Spiegel gedeutet wird, der uns unser Innerstes offenbart. Man denke nur an den Mythos von Narziss. Darin verliebt sich der Knabe beim Blick ins Wasser in sein eigenes Spiegelbild und ertrinkt letztlich beim Versuch, dieses Bild beim Eintauchen in das Wasser zu erreichen. Er ist unfähig, zu erkennen, dass er nur sich selbst erblickt.

In gewissen Märchen dient der Teich als Heimat von Wassermännern und Nixen, wobei gerade letztere oft danach trachten, Menschen, die dem Gewässer zu nahe kommen, in dessen Untiefen herab zu ziehen. Eine Warnung für den neugierigen Homo sapiens, der sich Bereichen nähern möchte, von denen er besser die Finger liesse? Getreu dem Motto: „Wer die Gefahr sucht, wird darin umkommen.“?

Oder soll man Op de Beecks Teichlandschaft als ruhevollen „Place to be“ verstehen…ein Ort jenseits des Alltaglärms und einladend, der aufgepeitschten Seele etwas Ruhe zu gönnen?

Es ist reizvoll – aber keineswegs zwingend – sich auf solche Gedanken einzulassen, wenn man den „Pond Room“ in Augenschein nimmt.

Sein und Schein

Für mich persönlich steht jedenfalls fest: Beim Spiel mit der Symbolik des Teiches geht es um zwei Seiten der selben Medaille, nämlich um die beiden Aspekte unserer Existenz: Äusserlichkeit (oder sollte man sagen: Oberflächlichkeit?) des Körpers und Innerlichkeit sowie Tiefe der Seele. Es geht um Schein und Sein.

Um Sein und Schein geht es Op de Beeck übrigens  auch in seiner Videoarbeit „ Staging Silence (2)“ aus dem Jahr 2013, die in einem Schuppen in der Montagehalle gesondert präsentiert wird. In seiner Filmarbeit führt er dem Betrachter vor, wie aus Schokolade, PET-Flaschen und vielem mehr täuschend echte Landschaften erbaut und gleich wieder zerstört werden.

Mein Fazit: „The Pond Room“ ist rundum ein Ort, in dem die Sinne genarrt werden und Sein und Schein verschmelzen. Und der dazu einlädt viele, viele Gedankenspiele zuzulassen….WOW.

 

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