Schöne Ausstellungen, spannende Aufführungen, interessante Kunstschaffende und noch mehr

„Schnee Schaufeln“: Christian Hörler in der Kunsthalle Ziegelhütte

Er ist einer der wirklich spannenden jüngeren Künstler hier in der Ostschweiz – und schon lange kein Unbekannter mehr: Die Rede ist von Christian Hörler. Nun realisiert der in Wald lebende Kunstschaffende eine sich über drei Stockwerke ziehende Ausstellung. Zu sehen sind die zwei- und dreidimensionalen Arbeiten unter dem Titel „Schnee Schaufeln“ ab 27. November in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell. 

Tatsächlich sollte man die verschiedenen Werke jedoch nicht als „Einzelteile“ verstehen. Vielmehr, so informieren die Veranstalter „(..realisiert Hörler) einen vielteiligen raumbezogenen, plastischen, malerischen und zeichnerischen Werk-Weg“.

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Zu sehen in der Ziegelhütte…

Gegenwärtige Kunsttechniken, althergebrachtes Handwerk, persönliche Eindrücke und existentielle Überlegungen vereint Hörler innerhalb der Ausstellung in einem vielschichtigen Spannungsfeld. Detaillierte Informationen zum Schaffen Christian Hörlers mit zahlreichen Bildern und Texten liefert seine Website

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Hörler beim Einrichten einer Ausstellung im Frühling 2015

Hingehen, würde ich meinen! Zum Beispiel an die Vernissage am 26. November um 17 h. Oder während der regulären Öffnungszeiten. Die Ausstellung läuft übrigens bis zum 19. März 2017.

Hier die  Daten:

November – März
Di – Sa: 14 – 17 Uhr
So: 11 – 17 Uhr

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell
Tel +41 71 788 18 60
Fax +41 71 788 18 61
info@kunsthalleziegelhuette.ch

 

Bilder:
http://www.christianhoerler.ch/ (C) Fabien Diem  am 23.11.2016
http://www.nextex.ch/rueckschau/articles/kit.html am 23.11.2016

Kunst im Kleinformat: Künstler Postkarten

Seit 2011 gibt es Richtung Weihnachtszeit bei Gais (AR) einen besonderen Kunst-Anlass: Dann öffnet das Bahnstellen-Häuschen Strahlholz seine Türen für eine Miniatur-Ausstellung. Gezeigt und zum kleinen Preis verkauft werden Kunstwerke im Postkartenformat. Diesmal wirken über 40 Künstler_innen mit. Am 19. und 20. November ist es soweit. Hingehen lohnt! Hier die Details…
In diesem Jahr wirds im Strahlholz international: Künstler_innen aus der Region, aber auch solche aus der gesamten Schweiz, aus Polen, England, Frankreich und Finnland geben sich ein Stelldichein. Und sie verkaufen ihre Originale, Künstler Postkarten, in der wohl kleinsten „Ausstellungshalle“ der Welt.
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Priska Oeler

Die Organisatoren Harlis Hadjidj Schweizer, Birgit Widmer und Hans Schweizer freuen sich besonders, dass neben bekannten Kunstschaffenden auch weniger prominente mitwirken. Ausserdem sind 2016 einige Kunststudenten vertreten. Man darf also auf die Entdeckung von Nachwuchstalenten gespannt sein. Wer in der Vergangenheit mit von der Partie war sowie Pressestimmen finden sich übrigens auf der offiziellen Website: Künstler Postkarten
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Salome Schmuki

 

Ich für meinen Teil freue mich riesig, dass es nun wieder bald soweit ist. Letztes Jahr konnte ich ein paar wunderbare Stücke ergattern. Mal schauen, ob ich auch dieses Jahr was mit nach Hause trage….

Wann & Wo

Wochenende 19. /20. November 2016 jeweils 13 bis 18 Uhr
Haltestelle Strahlholz ( AB Strecke Bühler – Gais )
Telefonische Infos : 071 793 10 62

Performance: Ein Plädoyer für das Jetzt

SCHON und NOCH scheinen auf den ersten Blick zwei harmlose Wörtchen zu sein. Das ändert sich allerdings, wenn man sie durch die Augen der Tänzerin und Choreografin Nelly Bütikofer betrachtet. Sie hat die beiden Zeitbegriffe nämlich unter deren diskriminierenden und beschränkenden Aspekten unter die Lupe genommen: „Das kannst du SCHON“? „Das tust du NOCH!“ und daraus ein überraschendes Performance-Projekt geformt. Es heisst „Ein Plädoyer für das Jetzt – Live is what happens to you while you are making other plans“ und ist zu sehen in Rappi und St.Gallen. Hier geht’s zu den Details.

Nelly Bütikofer ist in klassischem Tanz ausgebildet. Sie arbeitet seit vielen Jahren als freischaffende Choreografin und Regisseurin. Dabei bewegt sie sich im Spannungsfeld von Tanz, Theater und Performance. Seit etlichen Jahren leitet sie überdies das Fasson Theater. Und vergangenes Jahr erhielt sie einen Werkbeitrag des Kanton St.Gallen. Im Anschluss daran hat sie sich ans Werk gemacht Gedanken, Fragen und persönlichen Erfahrungen zum NOCH und  SCHON nachzuspüren.

Entstanden ist daraus die Performance Ein Plädoyer für das Jetzt. Darin berichten Menschen verschiedener Generationen in Video-Interviews über etwas sehr Besonderes: Nämlich über ihre Erfahrungen mit dem Wörtchen NOCH. Diesem stellen sie ihr eigenes körperliches Empfinden den Reaktionen von Aussenstehenden entgegen. Kontrastierend dazu zeigen Kinder, ebenfalls auf Video, was sie SCHON alles können.

Transformierendes Spiel

Bütikofer erläutert das Projekt weiter: „Auf der Bühne reagieren Tänzerinnen, Schauspieler und Musiker auf diese Statements. Sie setzen sie in ihr Medium um, spinnen den Faden weiter. Sie transformieren durch ihr Spiel das in Bild und Ton Festgehaltene ins JETZT. So machen sie es zu einem unmittelbar sinnlichen Erleben. Das Biografische, Dokumentarische verschmilzt mit ihren Interaktionen und bildet die Folie, auf der das Geschehen im JETZT stattfindet.“

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Weitere Informationen zu Terminen, den mitwirkenden Künstlern und Inhalten liefert der Veranstaltungs-Flyer

Daten und Orte

Aufführungen in Rapperswil

PREMIERE: 26. November  2016, Alte Fabrik Rapperswil , 20 h

  1. Vorstellung: 27. November 2016, 15.30 h

Eine Zusammenarbeit mit der Alten Fabrik, Klaus-Gebert-Strasse 5, und dem Kunst(zeug)haus Rapperswil im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für die Ausstellung „Grosse Regionale“.

Aufführungen in St.Gallen

Am 1., 2., 3. und 4.Dezember 2016, jeweils 20 Uhr
im NEXTEX
, Blumenbergplatz 3, 9000 St. Gallen

Reservationen: fassontheater@bluemail.ch oder 076 382 64 62 (SMS!)

 

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Nelly Bütikofer – (c) Christian Glaus

Ausstellungsperle mit den Smaragden des Radschahs…

Mal sachter Farbauftrag, dann wirbelnder Pinselstrich. Mal heftiges Farbspiel, daneben fast monochrom anmutende Bildflächen. Ob in gegenständlichen Bildern oder fast abstrakten Kompositionen: Der St. Galler Felix Stickel zieht in der Ausstellung „Der Radschah, die Hände voller Smaragde“ alle Register seines malerischen Könnens. Nix wie hin!

Ich bin ja sowieso immer wieder begeistert, wie viele wirklich gute Maler und Zeichner sich hier in der Ostschweiz tummeln. Aber die neuen Werke, die Felix Stickel im Architektur Forum im Lagerhaus zeigt, sind tatsächlich eine besondere Ansammlung von „Sahnehäubchen“. Stickel arbeitet mit einem Einfallsreichtum und einer malerischen Vielfältigkeit, die schlichtweg umwerfend sind.

Fotos in seiner Ausstellung im Architektur Forum in der Lagerhalle St. Gallen und in seinem Atelier in der Reithalle.

Felix Stickel in seiner Ausstellung im Architektur Forum (Bild: Florian Bachmann)

 

Ein Bild, das man vielleicht anfangs kaum bemerkt und dem man nur wenig Aufmerksamkeit schenken würde, ist in zartem Hellgelb gehalten, quadratisch, unaufdringlich. (Hiess es nicht „Zitronenbaum“…?) Bei näherem Hinsehen erkennt man allerdings, dass da keineswegs einfach ein bisschen Gelb auf einen Farbträger gepinselt wurde: Eine Landschaft wird deutlich, ein Baum. Je länger man davor steht, desto mehr Details zeichnen sich ab. Am Ende ging es mir so, dass ich dachte, in eine neblige Traumwelt abzutauchen… oder in eine Welt, die gerade in einem Sandsturm versinkt…

Geheimnisvoll und eindrücklich

Ein paar Schritte weiter links stösst man dann auf das Werk, welches dieser Ausstellung ihren Titel gab: „Der Radschah, die Hände voller Smaragde“. Hier springen dem Betrachter die Farben nur so ins Auge: sattes Grün, schimmerndes Blau, gedämpftes Gelb. Der Hintergrund selbst ist rostrot und zwei Gestalten scheinen die Bildmitte zu dominieren. Doch klare Gesichter, Hände? Fehlanzeige. Stickel präsentiert lediglich Konturen und verrät: „Eine der Inspirationsquellen für dieses Bild, war ein Foto. Darauf sind meine Grossmutter und ihre Bruder als Kinder beim Spielen zu sehen“. Und noch viel mehr steckt hinter diesem lust- und geheimnisvollen Titel. Wunderbare Worte dafür (und auch für die anderern Bilder dieser Ausstellung) findet Florian Vetsch in seinen vertieften Erläuterungen zu Stickel und seinem Werk. (Schön, dass man als Besucher den entsprechenden Text im Lagerhaus einsehen und mitnehmen kann.) Er schildert darin bildhaft, dass Stickel eben nicht nur hochkarätig in der künstlerischen Ausführung ist. Sondern wie umfassend und vielschichtig dessen Inspirationen sind und wie intensiv die Konzepterarbeitung im Vorfeld abläuft. Beeindruckend!

Ausstellungsdauer und Zeiten

Die Ausstellung läuft noch bis 30. Oktober im Architektur Forum Ostschweiz
Di – So, 14 – 17 h
Eintritt frei

„darüber hinausgewagt“ von 26 mutigen Autoren!

Buchvernissage am 6. November.

Ein Langzeit-Projekt der Kunstschaffenden Claudia Roemmel geht in die nächste Runde! Und zwar gibts jetzt ein Buch zum Film – und nicht umgekehrt! Roemmel hat zwischen 2009 und 2014 Kurzfilme gedreht. Vor kurzem nun hat sie daraus Standbilder ausgewählt und 26 Schreibende eingeladen, zu 26 dieser Standbilder („Videostills“ wie sie es nennt) neue Geschichten zu fabulieren und diese in Worte zu giessen. Die daraus entstandene Anthologie „darüber hinausgewagt“ wird  am 6. November in St. Gallen der Öffentlichkeit präsentiert.

„Was zuvor geschah…“

Im Laufe von rund vier Jahren hat die Filmemacherin, Tänzerin und Choreografin Claudia Roemmel 143 Menschen gefilmt. Und zwar bei deren jeweiligen persönlichen Wagnissen. Das war zwischen 2009 und 2014. Die entstandenen Videos hat Roemmel nun „weiterverarbeitet“. Nämlich, indem sie diese Filme auf Einzelbilder reduziert hat, „Filmstills“,  und 26 Schreibende darum bat, Texte über diese Bilder zu fabulieren.

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Verschiedene Autorinnen und Autoren aus der Region Bodensee haben sich daraufhin in unterschiedlichen Formaten, Sprachspagaten und Ideen ausgelassen. Entstanden sind ebenso unterschiedliche wie überraschende Gedichte, Erzählungen und Wortspielereien. Sie alle wurden zu „Ddarüber hinausgewagt» zusammengefasst. Roemmel selbst formuliert das so: „…prosaische Texte, die – der Inspiration folgend – Momentaufnahmen sprachlich entwickeln, auffächern und erweitern. Lustvoll und unerwartet.“

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Am 6. November wird das Buch offiziell vorgestellt. Dazu gibt es eine Buchvernissage und die Autoren präsentieren im Rahmen einer Lesung ihre Ideen. Hingehn! Hinhören! Und wo: Raum für Literatur, Hauptpost, St. Gallen – ab 11 h.

Weitere Informationen über dieses Projekt finden sich auf der Website des Verlags – Leseprobe inklusive!

Konzerte, die Gegenpol zum „Event“ismus sind

Ausgewiesene Könnerschaft, enge Beziehungen zu den von ihm engagierten Künstlern und Musik jenseits des Mainstreams – darauf setzt Richard Butz bei seinem Konzertformat „kleinaberfein“. Es ist eine Philosophie, mit der der Jazzexperte und Musikkritiker im Laufe von bald fünf Jahrzehnten an die 450 Konzerte organisiert hat. Und das nächste steht in den Startlöchern. Am 25. September ist der israelische Saxophonist Gilad Atzmon in St.Gallen zu Gast. Hier die Konzertdaten und einiges mehr…

Wenn Richard Butz nach Musikern für seine Konzertreihe „kleinaberfein“ Ausschau hält, dann kommt dabei am Schluss immer etwas Besonderes zustande. Wie etwa das Engagement des Saxophonisten Gilad Atzmond & The Orient House am 25.September. Erwarten darf der Besucher dann Weltmusik-Jazz, der orientalische Klänge, Modern Jazz und jüdische Kletzmer-Musik miteinander verbindet.

„Jazz ist aber nur das eine,“ sagt Richard Butz. “ Ich bin musikalisch in zwei Richtungen aufgestellt. Die eine ist ganz klar Jazz, aber in einer modernen Form. Dixieland beispielsweise mache ich nicht. Besonders liegt mir hingegen zeitgenössischer Jazz aus Südafrika am Herzen…. Bei der zweiten Richtung setze ich auf  „Weltmusik“ – world music. Und zwar aus drei Musikkulturen: Die eine ist klassische indische Musik. Da mache ich jedes Jahr ein Konzert. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf neuer finnischer Volksmusik. Finnland ist beim St. Galler Nordklang-Festival halt kaum drin. Da pflege ich das bevorzugt. Und als drittes bringe ich Musik aus Afrika und dem arabischen Raum. Aus diesen Interessen kommt dann ein sehr ausgewähltes Programm (zum Downloaden) zustande.“

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Musik, die ohne Elektronik auskommt (Foto: Peter Hummel)

Butz macht bewusst nur zehn Konzerte im Jahr, diese auf höchstem Niveau, mit reinster Überzeugung und vollem Einsatz. „Ich mache nur, was mir gefällt“, sagt er. „Und ich setzte mit meiner Konzertreihe ganz gewollt einen Gegenpunkt zu dem, was ich gerne „Event“ismus nenne. Ich bin nämlich skeptisch gegenüber Festivalformaten. Anstatt ein Festival aus dem Boden zu stampfen, ist es mir wichtiger, regelmässig kleinere Sachen, die dafür auf hohem Niveau, anzubieten.“

Hohes Niveau statt Festival-Hype

Diese Niveau erreicht der Konzertmann auch damit, dass er Musiker über eine längere Zeit immer wieder live hört, ihre Entwicklung verfolgt und dann gezielt für seine Anlässe auswählt. „Alle Künstler, die in den nächsten Monaten bei mir auftreten, kenne ich schon lange und sehr persönlich. “

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Zeit für persönlichen Austausch (Foto: Peter Hummel)

Nach Gilad Atzmon bringt Butz im Oktober den Posaunisten Samuel Blaser in die Ostschweiz. Im Dezember folgen noch die in Kamerun geborenen Musiker Lucas Niggli (Percussion) und Jan Galega Brönnimann (Saxophon). Gemeinsam treten diese dann mit dem Balafon-Musiker Aly Keita von der Elfenbeinküste auf und lassen Erinnerungen an Afrika aufleben..

Die nächsten Konzerte bei „kleinaberfein“

  • sonntag, 25. september, 17 uhr *gilad atzmon & the orient house
    gilad atzmon
  • sonntag, 30. oktober, 17 uhr
    samuel blaser trio
  • sonntag, 4. dezember, 17 uhr
    lucas niggli (drums und perkussion), jan galega brönnimann (saxofone),aly keita (balafon)

konzertort: centrum dkms, diözesane kirchenmusikschule, auf dem damm 17 / gallusplatz (eingang neben drogerie), 9000 st.gallen
türöffnung: jeweils 16.30 uhr
eintritt: chf 30.- / 25.- für schülerinnen und studierende / 15.- mit kulturlegi / * ausgenommen 25.9. (gilad atzmon & the orient house): chf 35.- / 30.- / 17.-
reservationen: bis konzerttag, 11 uhr, unter: kontakt@kleinaberfein.sg / am konzerttag, von 13.00 uhr bis 16.30 uhr, unter: 079 / 861 26 59 (bitte keine sms!)

 

(Bildrechte: Richard Butz)

Lebst du noch oder likest du nur?

Show „Sister App“ kommt in die Ostschweiz!

Was hab‘ ich gelacht, als ich im April das berühmt-berüchtigte und zu Recht legendäre Kleinkunst-Duo Hutzenlaub & Stäubli erleben durfte. Da waren die beiden nämlich mit ihrem Programm „Sister App“ in St.Gallen zu Gast. Für alle, die damals die Gelegenheit verpasst haben, gibt es nun – hipp hipp hurra – eine neue Chance. Im September finden in Frauenfeld und Herisau nochmals zwei Aufführungen statt. 

Mit ihrem aktuellen Programm ziehen die beiden Damen gnadenlos und spritzig unseren allzu digitalisierten Alltag durch den Kakao. Da wird gesungen, mit Sprache gespielt und die Möglichkeiten der Multimedia ausgereizt. Und jeder kriegt sein Fett weg. Der Blogger, der Twitterer und auch der liebe „FB-Freund“.

Nach der Show steht man da und fragt sich, ob man wirklich auch dazu gehört- zu all denen, die fleissig liken, posten, sharen sowie ihr Heil im Digitalen suchen.. und die analoge Welt dabei links liegen lassen. Ja, ich hab‘ gelacht. Und wie! Und mir danach vorgenommen, „es“ ab sofort doch anders zu machen.

Zu Hutzenlaub & Stäubli

Im echten Leben heissen die zwei Comedians übrigens Fritz Bisenz und Jasmin Clamor und stehen seit 20 Jahren zusammen auf der Bühne. Als Duo formierten sich Hutzenlaub & Stäubli aber erst nach ihrer gemeinsamen Zeit im erfolgreichen Frauen Comedy-Quartett Acapickels. Heute sorgt als dritter im Bunde Marino Bernasconi für multi-instrumentale Unterstützung.

Die nächsten Tourdaten

(zwei nah, zwei ferner…)

  • 17. September, 20 Uhr: Casino Frauenfeld
  • 24. September, 20 Uhr: Casino Herisau
  • 30. September, 20 Uhr: Kurtheater Baden
  • 10. Dezember, 20:15 Uhr: Konzertsaal Solothurn

 

Engländerbau Vaduz: Himmelsrichtungen und Erinnerungen

 Vier Himmelsrichtungen, vier Länder und vier in der Ostschweiz aktive Kunstschaffende: Das sind die Zutaten der Ausstellung „Souvenir“, die vom 12.08. – 09.10.2016 im Kunstraum Engländerbau in Vaduz zu sehen ist. Peter Dew, Yoko Mroczek, Harlis Schweizer-Hadjidj und Birgit Widmer zeigen, wie es in der offiziellen Mitteilung heisst, „Malerei, Mixed Media, Zeichnung, Skulptur“ .
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Die vier aus so unterschiedlichen Ländern wie Finnland, Algerien/Frankreich, England und Japan stammenden Kunstschaffenden, inszenieren ihr Leben, das mehrsprachig und zwischen verschieden Kulturen stattfindet rund um das Bild vom Kompass.
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Im Informationstext von Rayelle Niemann, welche selbst Kuratorin ist und zwischen Kairo und Zürich lebt, lautet der zentrale Gedanke zur Ausstellung so:
„Die Souvenirs, die Peter Dew, Yoko Mroczek, Harlis Schweizer-Hadjidj und Birgit Widmer entlang ihrer Lebenswege sammeln, haben wenig mit dem zu tun, was einen touristisch definierten Gegenstand bestimmt. Weder sind es in Massen billig produzierte Gegenstände, noch haben sie mit einem stereotypen Beweis einer unternommenen Reise zu tun. Vielmehr zeugen die im Raum platzierten Objekte, Zeichnungen und Malereien von Auseinandersetzungen, die das Handeln, Denken und Wahrnehmen der KünstlerInnen beeinflussen. Ihre Reisen sind einerseits mit verschiedenen konkreten Orten verknüpft, andererseits erzählen sie von inneren Reisen, die Entfernung/Entfremdung und Annäherung widerspiegeln. Die ausgestellten Arbeiten geben uns Einblicke in persönliche Sammlungen, generiert aus Erinnerungen. Dieser Ansatz der Kunstschaffenden ermöglicht es, Erfahrungen mit den BesucherInnen zu teilen und formuliert darüberhinaus Anknüpfungspunkte an historisch definierte und der Tradition verpflichtete Verbindungen.“
Die Ausstellung wird begleitet von einem vielfältigen Rahmenprogramm. Am 30. August um 19 h findet zum Beispiel ein Chrash-Kurs verschiedender Sprachen statt! Details dazu und zu den anderen Angeboten gibts HIER.

Öffnungszeiten

Mo-So 13-17 Uhr, Di 13-20 Uhr
Geschlossen : 10.10.- 24.10.2016
Der Eintritt ist frei

Kunstraum Engländerbau, Im Städtle 37, FL-9490 Vaduz

Schmuck mit Schnabel

Perlen waren gestern – Schnäbel sind heute. Dies denkt man zumindest bei einigen Exponaten in der aktuellen Ausstellung im St.Galler Textilmuseum. Unter dem Titel „Body Jewels“ zeigen die Macher dort Stücke, die völlig anders sind, als man allgemein von Schmuck erwartet. „Vom zierenden Blickfang zum autonomen Objekt“, heisst es auf der Website des Hauses.  Das kommt von frech und unbequem bis völlig sperrig daher. Gerade deswegen ist diese Ausstellung ein „Must-See“. Nicht nur für Schmuck-Liebhaber… 

Schmuck, Mode… oder Kunst? Beim Spazieren durch die Räume von „Body Jewels“ kommt der Betrachter ziemlich ins Schleudern, wenn er sich auf derartige Begriffe festlegen soll. Und eigentlich ist dies auch unwichtig. Denn vielmehr zählt, die Vielfalt zu erkennen, die Schmuck-Kunst heute zu bieten hat. Um den Besuchern den Zugang zu dieser Vielfalt zu erleichtern, wurde die Ausstellung in Themengebiete untergliedert: Lines, Craft, Animals, Menagerie und Stories. Die so ausgestellten Stücke reichen von filigranen metallischen Objekten, über Stücke im Tierfell-Look bis hin zu Textilarbeiten.

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Kleid mit Schnäbeln

Mal grafisch – mal gruslig

Mich haben besonders die Lines und die Animals fasziniert. Die einen punkten bei mir durch grafische Klarheit, die anderen faszinieren durch ihre Grenzüberschreitung, die bis hin zum schaurig-wohligen Ekelgefühl gehen kann. Und beide würden ihrem Träger oder ihrer Trägerin viel abverlangen. Denn wer bewegt sich schon gerne in einem Gerüst aus Stäben – und seien diese noch so filigran. Oder wer wählt eine Abendrobe, aus deren Rockteil Schnäbel stossen? Eigentlich will Schmuck doch getragen werden, um angenehm zu sein und den, der ihn trägt, zu verschönern….sollte man meinen. Mit den meisten Stücken, die „Body Jewels“ präsentiert, scheinen hingegen andere Ziele verfolgt zu werden.

Schmuck wird autonom

Die Kunst- und Schmuckhistorikerin Monica Gaspar wundert sich nicht über ungewöhnliche Formen oder Materialien. Sie erklärt die Entwicklung dorthin sehr nachvollziehbar: „Seit den 60er Jahren gehören die Niederlande und die Schweiz zu einer internationalen Bewegung, die sich mit der sozialen und ökonomischen Funktion von Schmuck kritisch auseinandergesetzt hat. Die Abkehr von Edelmetallen und Zuwendung zu alternativen Materialien wie auch dem Textil, den konzeptionellen Ansatz, und die Hinterfragung von geschlechter-spezifischen Typologien, führten zu autonomen künstlerischen Positionen, zum sogenannten zeitgenössischen Schmuck.“

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Stabbroschen und Nadelbroschen

Und die Züricher Autorin, Antoinette Riklin-Schelbert, selbst Goldschmiedin und Expertin für Schweizer Schmuckkunst formuliert, wie diese Entwicklung weiterging: „In den 80er Jahren sprengt Schmuck alle Grenzen und wird autonom. Im konventionellen Sinn wird er immer weniger tragbar. Er weitet sich aus, erobert den Raum und wird durch die Körperbewegung zur Performance oder zum Theater. Einzig der Bezug zum Körper bleibt gewahrt. Die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk, von Kleid und Schmuck sind verwischt. Die Objekte entziehen sich jeder Zuordnung.”

Diese Entwicklungen und Trends arbeiten die Ausstellungs-Macher wunderbar heraus. Zielführend ist hier zum einen die stimmige Aufsplittung in die fünf Themenbereiche. Als Besucher erhält man „Mainstreams“ präsentiert. Zugleich wird man allmählich von gut erträglichen Schmuckstücken, wie „Stabbroschen“, zu den schwerer „verdaulichen“ Exponaten (wie die mit Tieroptik) herangeführt. Ausserdem ist die Vielfalt an Ausstellungsobjekten einen Beifall wert. Diese werden mal als Einzelstück, mal in Gruppen nach Form oder Motiv inszeniert.

Mein Fazit

Ich hatte – ehrlich gestanden – kaum eine Idee, was „Body Jewels“ wohl bieten würde. Umso grösser war meine Überraschung. Denn für mich war’s ein echtes Abenteuer. Fast so etwas wie eine kleine Reise in eine neue Art der Kunst-Betrachtung, auch in Sachen „skulpturales Schaffen“. Dergestaltes gibt’s leider nicht oft zu sehen – aber immerhin noch bis 9. Oktober in der Vadianstrasse in St.Gallen.

Weitere Informationen zum Textilmuseum

Hier gehts zu den Öffnungszeiten und Preisen sowie zu Anfahrt-und Lageplan

Meinen herzlichen Dank an Monica Gaspar. Sie hat mir Auszüge aus Ihrer Vernissage-Ansprache zu „Body Jewels“ zur Verfügung gestellt.
Und danke auch an das Textilmuseum St.Gallen, welches die Bilder zur Verfügung stellte.

 

 

 

Kritik am Konsum wird genüsslich konsumiert….

Kunst kritisiert Missstände, z.B. skrupellosen Konsum. Oder würde sich immerhin sehr gut in dieser Rolle gefallen. Aber stimmt das eigentlich? Oder ist Kunst nicht selbst ein reines Konsum-Produkt, das man misstrauisch beäugen müsste – und nicht ehrfurchtsvoll bestaunen??? Eine Cross-Media-Aktion in Wil mit dem vielsagenden Titel „Shopping“ scheint nun noch bis 13. August dieser Frage nachzugehen. Und dieser „etwas andere“ Text tut das auch. Denn die Kunstgeschichte trägt das Thema „Konsum“ ja schon Jahrhunderte mit sich herum.

Shopping steht für die Möglichkeit, etwas zu konsumieren. Wo keine Ware vorhanden ist oder finanzielle Mittel fehlen, kann man nicht konsumieren, kann man nicht shoppen. Doch konsumiert hat der Mensch schon immer gerne und machte dieses auch in Kunstwerken sichtbar. Ein gutes, recht frühes Beispiel sind die niederländischen Barockstillleben um 1600: Werke mit üppig gedeckten Tafeln, exotischen Früchten und vielem mehr.

Stilleben

Pieter Claesz. (1597/8-1660)

Die Auftraggeber dieser Werke waren reich. Sie liebten es, das auch doppelt zu zeigen. Einmal im Abhalten von Festgelagen – oder auch durch deren Inszenierung in einem Kunstwerk. So wurde gelebter Luxus für die Nachwelt fixiert. Konsum, Luxus, Wohlstand, Kunst  waren damals Dinge, die jeder gerne haben wollte. Sie waren selten, damit erstrebenswert und wer konnte, stellte sie stolz zur Schau.

Stolz geht – Scham kommt

Im Laufe der Zeit jedoch veränderte sich diese Haltung. Der Gedanke an Luxus erhielt einen schalen Beigeschmack. Mit einem Mal waren noch andere Begriffe im Raum: Überfluss, Prasserei, Gier, Ausbeutung… Diese Entwicklung beeinflusste auch die Kunst. Sie gab ihr eine neue Richtung, einen veränderten Ansatz.

Eines meiner Lieblingsbeispiele dazu kommt aus dem Jahr 1917 und ist vom französischen Künstler Marcel Duchamp. Sein berühmtes Readymade „Fontain“ ist nämlich nix weiter, als ein handelsübliches Urinal. Dieses signiert er und erklärt es zum Kunstobjekt.

Urinal

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Duchamp#/media/File:Fontaine-Duchamp.jpg

Mancher mag einwenden: „Das war praktisch zur Hochblüte von Dada“.  Aber das ist eigentlich egal. Was mir wichtig ist: Duchamp stösst die an Edles und Bedeutsames gewohnte Kunst-Elite vor den Kopf. Er deklariert ein völlig banales und eher mit „Ekel“ konnotiertes Objekt als Kunst – einfach  gekauft in einem Sanitärgeschäft: Objekt „geshoppt“ und zur Kunst erhoben. Darf man das?

Shoppen ohne Hirn

Die Idee, Kunst und Konsum kritisch miteinander zusammen zu bringen, war jedenfalls nicht mehr tot zu kriegen. Einen Höhepunkt erreicht 1961 der Künstler Claes Oldenburg. Damals eröffnet er in seinem Atelier in New Yorks Lower East Side einen Laden, The Store: Verkaufsort und Produktionsstätte zugleich. Zu kaufen gab es alles,  was man im Alltag brauchte und was auch die Läden der Nachbarschaft anboten. Von Nahrungsmitteln bis zum Schuh. Mit einem Unterschied: Oldenburgs „Produkte“, egal ob Torte oder Kravatte, waren zu nichts zu gebrauchen. Jedes einzelne Stück bestand aus dem gleichen Material: mit Gips überzogenem Musselin und war farbig bemalt.

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Claes Oldenburg – „Meats“

Oldenburgs warf damit Kunst-Konsum und Wirklichkeits-Konsum auf einen Haufen und hielt den Store-Besuchern einen Spiegel ihres Kaufverhaltens vor. Shoppen ohne Sinn und Verstand? Shoppen als Selbstzweck?

Heute, rund 50 Jahre später, sind wir – nicht nur in Sachen Kunst – an dem Punkt angelangt, dass wir das Wort „Konsum“ fast mit Abscheu verwenden. Unsere neuen Lieblingsworte sind solche wie Fair-Trade, Nachhaltigkeit und „biologisch“. Der Kulturphilosoph Boris Groys hat dazu einen schönen Satz formuliert: „Nichts wird in der Konsumgesellschaft so gerne konsumiert wie die Kritik am Konsum.“

Die Kunst tut auf alle Fälle ihr bestes, mitzuziehen: Verbrauchte Güter, Abfälle, Schrott usw. werden für Kunstobjekte verwendet. So versucht Kunst, sich KRITISCH mit Konsum in unserer Welt auseinanderzusetzen. Aber steht Kunst, egal in welcher Form, nicht selber für den Willen zum Konsum, den Wunsch nach Luxus? Das scheint zumindest so, wirft man einmal einen Blick auf die grossen internationalen Kunstmessen.

Griff an die eigene Nase

Zum Schluss fasse ich mir auch an die eigene Nase. Ich gestehe, dass ich trotz meines Unbehagens gegenüber ungezügeltem Konsum, Kunst und Konsum gerne in einem „Aufwasch“ geniesse. Etwa dann, wenn ich ein ermatteter Museumsbesucher bin. Nach den intellektuellen Herausforderungen, die mir die Kunst abverlangt, suche auch ich gerne Linderung beim Shopping im Museumsshop. Hier gibt es – nach dem Kontakt mit der musealen Geisterwelt des Unantastbaren, Unverkäuflichen und für mich ohnehin Unbezahlbaren  – durch den realen Kaufvorgang endlich wieder eine Rückkehr ins wahre Leben. Hier kann ich alles anfassen, shoppen und mit nach Hause nehmen.

Mein Fazit

Gerade, weil Kunst und Konsum so ein spannendes und schwieriges Verhältnis zueinander haben, finde ich das „Shopping“-Projekt in Wil reizvoll. Denn wie die Kunstgeschichte zeigt: Es gab immer Kunstschaffende, die etwas  Anregendes und Intelligentes aus diesem Verhältnis ziehen konnten.

In diesem Sinne: Auf nach Wil und sich eine eigene Meinung bilden! Die „Produkte“ betrachten, die von neun Kunstschaffenden im Rahmen von „Shopping“ realisiert wurden: James Stephen Wright, Martina Mächler, Lucy Biloschitski, Catherine Xu und die beiden Künstlerkollektive Nina Emge/Samuel Koch sowie Fridolin Schoch/Edmée Laurin/ Domingo Chaves .

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(c) Arthur Junior- Impression von „Shopping“

Mal sehen, wie sie im Rahmen ihrer „Shopping“-Tour Kunst und Konsum gemanaget haben….

Hier gibt’s den Ausstellungsführer, genaue Daten zum Projekt und eine Besprechung dazu im Tagblatt