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huber.huber, Zürich (ZH)/Münsterlingen (TG)

Wer sind huber.huber: Markus und Reto Huber (*1975 Münsterlingen) arbeiten seit dem Abschluss ihrer Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich 2005 zusammen unter dem Namen huber.huber. Sie haben in den letzten Jahren vor allem mit Collagen und Zeichnungen, aber auch mit skulpturalen Arbeiten und Installationen auf sich aufmerksam gemacht.

huber.hubers vielschichtiges und konzeptuelles Werk wurde in Einzelausstellungen in verschiedenen Galerien und einer Reihe von Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. 2008 widmete das Kunsthaus Glarus huber.huber mit „Vor der Vergangenheit“ die erste umfängliche institutionelle Einzelausstellung. 2009 folgte eine weitere grosse Einzelausstellung mit dem Titel „I cani non hanno anima “ im Kantonalen Kunstmuseum Lugano. Es folgten unter anderen 2013 die Einzelausstellungen „Fade to Black“ in der Kunsthalle Schaffhausen / Vebikus, 2014 „Land of Plenty“ im Museum Bärengasse, Zürich. 2015 zeigte das Aargauer Kunsthaus die Solo-Ausstellung „Und plötzlich ging die Sonne unter“.

Ihre Werke sind in zahlreichen bedeutenden Sammlungen vertreten.

Airflow (2017) Voile-Vorhänge bedruckt, Ventilator, 4,10 m 3,4 m Installationsansicht Helvetia Art Foyer, Basel

zu „Airflow“

„Zwei durchscheinende Vorhänge mit aufgedruckten Schmetterlingsflügeln bewegen sich sanft im Wind eines kleinen Ventilators. Schmetterlinge tauchen im Werk von huber.huber immer wieder auf. Schmetterlinge heisst im Griechischen Psyche und ist damit das selbe Wort wie jenes für die menschliche Seele. Das zarte Insekt gilt auch als Symbol des Wandels und zusammen mit der Naturgewalt Wind tritt natürlich das Phänomen des  Schmetterlingeffektes in den Raum. Wie eng vernetzt sind Ereignisse und Interaktionen in dieser Welt? Können unbedeutende Kleinigkeiten ganze Kontinente beeinflussen? Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen (Edward :n. Lorenz)“?
(Text: Nathalie Loch anlässlich der Ausstellung  „Save Our Soules“)

Und mehr über huber.huber findet sich auch in SIKART, Lexikon zu Kunst in der Schweiz oder bei artfacts

www.huberhuber.com

 

 

 

Last Call – „The Pond Room“

Eine Kunstschau etwas abseits vom eigentlichen Ostschweizer Ausstellungsgeschehen – aber unglaublich empfehlenswert: Hans Op de Beecks „The Pond Room“ im Kunstraum Dornbirn, direkt hinter der österreichischen Grenze. Zu sehen gibt es eine installative Traumwelt mit einem mystischen Teich als Herzstück mittendrin. Noch eine Woche: Die Finnisage ist am 10.September! Last call…. sozusagen.

In der alten Monatgehalle, die als Ausstellungsraum agiert, empfängt den Besucher ein grosser, rechteckig angelegter Teich. Seerosen sitzen darauf. Bäumchen und Kieswege sind darum arrangiert. Idyllisch. Fast unwirklich schön. Dass hier wirklich vieles unwirklich ist, wird einem spätestens dann klar, wenn man den Finger ins schimmernde Teichwasser stecken will und dabei merkt, dass das nichts anderes ist, als eine harte Kunststoffplatte.

Der Teich als Spiegel

Teiche faszinieren – aber sie ängstigen auch. Vordergründig ist der Teich eine glatte Oberfläche, in der man sich sehen kann. Hintergründig versinnbildlicht seine (unbekannte) Tiefe das Düstere der menschlichen Existenz und lässt fragen, ob es wohl gelingen mag, aus den eigenen (seelischen) Untiefen wieder aufzutauchen, wenn man erst einmal darin versunken ist. Ebenso gefährlich kann es aber auch sein, sich den Untiefen nicht zu stellen und nur an der Oberfläche herum zu dümpeln. Droht dann nicht seelische Verkümmerung?

 

Es erstaunt nicht, dass der Teich immer wieder als Spiegel gedeutet wird, der uns unser Innerstes offenbart. Man denke nur an den Mythos von Narziss. Darin verliebt sich der Knabe beim Blick ins Wasser in sein eigenes Spiegelbild und ertrinkt letztlich beim Versuch, dieses Bild beim Eintauchen in das Wasser zu erreichen. Er ist unfähig, zu erkennen, dass er nur sich selbst erblickt.

In gewissen Märchen dient der Teich als Heimat von Wassermännern und Nixen, wobei gerade letztere oft danach trachten, Menschen, die dem Gewässer zu nahe kommen, in dessen Untiefen herab zu ziehen. Eine Warnung für den neugierigen Homo sapiens, der sich Bereichen nähern möchte, von denen er besser die Finger liesse? Getreu dem Motto: „Wer die Gefahr sucht, wird darin umkommen.“?

Oder soll man Op de Beecks Teichlandschaft als ruhevollen „Place to be“ verstehen…ein Ort jenseits des Alltaglärms und einladend, der aufgepeitschten Seele etwas Ruhe zu gönnen?

Es ist reizvoll – aber keineswegs zwingend – sich auf solche Gedanken einzulassen, wenn man den „Pond Room“ in Augenschein nimmt.

Sein und Schein

Für mich persönlich steht jedenfalls fest: Beim Spiel mit der Symbolik des Teiches geht es um zwei Seiten der selben Medaille, nämlich um die beiden Aspekte unserer Existenz: Äusserlichkeit (oder sollte man sagen: Oberflächlichkeit?) des Körpers und Innerlichkeit sowie Tiefe der Seele. Es geht um Schein und Sein.

Um Sein und Schein geht es Op de Beeck übrigens  auch in seiner Videoarbeit „ Staging Silence (2)“ aus dem Jahr 2013, die in einem Schuppen in der Montagehalle gesondert präsentiert wird. In seiner Filmarbeit führt er dem Betrachter vor, wie aus Schokolade, PET-Flaschen und vielem mehr täuschend echte Landschaften erbaut und gleich wieder zerstört werden.

Mein Fazit: „The Pond Room“ ist rundum ein Ort, in dem die Sinne genarrt werden und Sein und Schein verschmelzen. Und der dazu einlädt viele, viele Gedankenspiele zuzulassen….WOW.

 

„Wir machen keine Kunst! Wir machen Probleme!“

Ein Gespräch mit Frank Riklin 

 „Ich komm‘ sofort – mach’s dir bequem – ich hole noch was – magst du einen Kaffee – Patrik musste wegen was Dringendem nach Zürich – er sagt sorry dafür – gleich bin ich da…“ Frank, die neun Minuten ältere Hälfte des konzept-künstlerischen Zwillingspaars Frank & Patrik Riklin fegt durchs „Atelier für Sonderaufgaben“. Dann schnappt er sich den Stuhl mir gegenüber und lächelt schelmisch. „Also, was willst du wissen?“ Oh, ne ganze Menge! Fangen wir einfach mal vorne an…

Frank, du und dein Bruder Patrik seid mittlerweile bekannt wie bunte Hunde. Man weiss viel über eure Projekte – vom „Kleinsten Gipfeltreffen der Welt“ bis zum „Null Stern Hotel“. Die Medien lieben euch. Was gibt es zu erzählen, das kaum jemand weiss? Unsere Anfänge sind vermutlich relativ unbekannt. Wir sind als die beiden Jüngsten in einer Familie mit sechs Kids aufgewachsen. Unsere Eltern liessen uns viel machen, ausprobieren…. Dass wir heute in der Konzeptkunst gelandet sind, hat ganz klar was mit unserer Kindheit zu tun.

Alltag Agentur Maurus Hofer

Frank & Patrik Riklin (®Marcus Gossolt)

In wie fern? Vom neunten bis zum 18. Lebensjahr haben wir im St. Galler Staatswald Strebel hinter dem Rosenberg verschiedene Hütten gebaut. Diese „Hüttenbauerei“ war quasi unsere erste „Sonderaufgabe“. Begonnen hat alles, unserem jungen Alter entsprechend, mit kleinen Ästen und einer Wärmedämmung aus Laub und zerknülltem Zeitungspapier. Mit 18 waren wir soweit, dass wir Fundamente in den Hang betonierten und Waldhütten bauten, eigentlichen waren es Häuser, in denen wir sogar wohnten. Bis uns die Baupolizei einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wir lebten da völlige Anarchie… und unsere Eltern haben uns das erlaubt.

Elf Jahre Hütten bauen ist eine lange Zeit. Was hat euch so daran gereizt? Der Antrieb war das Geheime: Das Bauen ohne zu fragen. Die Fantasie in die Wirklichkeit zu holen. Dieses Element hat uns später auch in die Kunst getrieben. Die Erfahrung, dass Ideen nicht nur auf dem Papier leben, sondern dreidimensional in die Welt gesetzt werden können, fasziniert uns nach wie vor.

Ihr habt dann nach der Schule beide getrennt eine Hochbauzeichnerlehre gemacht. Im Anschluss habt ihr an verschiedenen Orten Kunst studiert. Ja, wir mussten uns wohl als Zwillinge erst auseinander dividieren, bevor wir zusammenfinden konnten. Oft gab es starke Rivalitäten zwischen uns.

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EinBlick ins „Atelier für Sonderaufgaben“

Erinnerst du dich noch an…mmmh…nennen wir es mal: „Projekt X? Das erste wirklich gemeinsame Projekt eurer Laufbahn?  Aber ja. 1998 kam es zur ersten freien gemeinsamen Arbeit unter dem Titel „79 Schlafzimmer“. Da wollten wir eine gerade geborene Idee unmittelbar und innert drei Tagen umsetzen.

Was habt ihr gemacht? Wir klingelten bei 79 ausgewählten Menschen an der Haustür und baten darum,  dass sie ihr eigenes Schlafzimmer für zehn bis 30 Sekunden filmen. Dafür haben wir  unsere Kamera an der Haustür abgegeben,  liessen die Leute filmen, bekamen die Kamera zurück und gingen weiter. Fast alle haben mitgemacht. Durch diese Arbeit haben wir den Finger auf das Thema Voyeurismus gelegt – und den Voyeurismus schliesslich unterwandert.

Kurze Zwischenfrage: Warum gerade 79?  Weil man mit 79 Personen die Bevölkerungsverteilung der Stadt St.Gallen abbilden kann: Mit dieser Anzahl kann man repräsentativ aufzeigen, wie viele Reiche, Arme, Ausländer, Künstler usw… hier leben.

Okay, danke. Und wie ging es mit dem Projekt weiter?  Wir haben die Aufnahmen zu einem filmischen Ornament zusammengeschnitten und beschlossen, diese Filmarbeit genau ein einziges Mal zu zeigen. Und zwar im Lagerhaus hier in St.Gallen. Da gibt es ein Treppenhaus mit 79 Stufen. Auf jede Stufe klebten wir den Namen eines „Akteurs“. Am Treppenende war dann der Film zu sehen – allerdings ohne Hinweis, welches Schlafzimmer von welcher Person stammt. Die Zuschauer konnten nur spekulieren. Ihre Hoffnung zu erfahren, wie etwa das Schlafzimmer des Stadtpräsidenten aussieht oder ob ein Banker kreativer eingerichtet ist, als zum Beispiel ein Künstler, wurde nicht gestillt. Die Intimsphäre der Einzelnen blieb gewahrt.

Kunst ist nicht zum Selbstzweck da

Kann man den Film heute noch anschauen? Vom Film haben wir 79 Kopien angefertigt, die zum Kauf angeboten wurden. Allerdings sind alle zwischen zwei Metallplatten verschraubt. Man kann den Film folglich nicht anschauen, ausser, man zerstört das Werk. Aber auch dann gibt es nicht das zu sehen, was man sich erhofft. Denn auf dem verkauften Video sind nur Patrik und ich im Bett zu sehen. Wie gesagt: Der Film war dazu gemacht, nur ein EINZIGES Mal gezeigt zu werden… und dabei bleibt es.

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verschraubt: Nr. 65 der „79 Schlafzimmer“

Ihr habt schon damals keine halben Sachen gemacht! Wie sieht es jetzt, fast 20 Jahre später, mit euren künstlerischen Ansätzen aus? Wir sagen: Kunst braucht eine Funktion, die ein reales Verhältnis mit anderen Teilsystemen schafft. Unsere Kunst ist nicht zum Selbstzweck da. So betrachtet, machen wir keine Kunst, wir machen Probleme. Probleme sind für uns Zustände, Dinge offen zu legen. „Probleme“ sind verkleidete Möglichkeiten. Wir wollen nichts wegschieben, sondern mit dem Problem arbeiten. Da sind Überraschungen drin.

Was passiert, solltet ihr doch mal an den Punkt kommen, wo ihr keine „Probleme“ mehr macht? Naja, dieser Tag liegt hoffentlich in weiter Ferne (schmunzelt). Bisher haben wir kein einziges Projekt, das nicht Konflikt und Reibung auslöst. Wenn es jemals so weit kommen sollte,  sind wir nicht mehr die Künstler, die wir sein wollen. Unser Anspruch ist, was zu bewegen. Wenn das nicht mehr so ist, sind wir nur Dienstleister, die tun, was andere wünschen.

 

Und zum SCHLUSS natüüürlich:

Vielen Dank an Frank und Patrik Riklin: Dafür, dass ihr das Gespräch trotz wichtiger „To dos“ in Züri nicht abgeblasen habt. Und dafür, dass sich deshalb einfach Frank die Zeit für mich genommen hat. Danke für all die spannenden Infos. Und für den Kaffee!

Hier gibts noch mehr: Atelier für Sonderaufgaben, Die Zukunft gehört den Artonomisten, SRF: Freigeister unter freiem Himmel oder in diesem Blick-Bericht

 

(Bilder: freundliche genehmigt durch Frank und Patrik Riklin)

Annina Thomann, St. Gallen (SG)

Wer Annina Thomann ist: Annina Thomann (*1987) studierte an der Hochschule der Künste Bern und der Universität Bern, zudem absolvierte sie im Rahmen des Erasmus-Austauschprogrammes ein Semester an der Rietveld Academy Amsterdam. Seit dem Schuljahr 2016/2017 unterrichtet sie im Vorkurs für Jugendliche an der GBS St.Gallen. Sie arbeitet im Vorstand der Visarte Ost und ist mitverantwortlich für das Programm des Kunstraum Nextex. Annina Thomann stellte bereits in zahlreichen Gruppenausstellungen aus, darunter bei den Kunstwegen 2017 in Pontresina, 2016 im Kulturort Weiertal, Winterthur, im Jahre 2014 beim Artfestival, Glasgow und den Maiblüten, Berneck SG sowie 2012 in der Galerie jonkergow kunstwerk in Amsterdam. 2016 erhielt Annina Thomann einen Werkbeitrag der Stadt St.Gallen.

Annina Thomann – Ausschnitt aus der Werkserie «to build»

 

Über die Werkserie «to build»

Aus stabil wird labil, aus genormt wird verformt. Für die Werkserie «to build» arbeitete die St.Galler Künstlerin Annina Thomann mit Industriekeramik. Sie verwendete standardisierte keramische Bausteine als Ausgangsstoff für materielle, formale und räumliche Experimente. Backsteine werden in der Industrie in grossen Mengen und immer gleichen Massen gefertigt. In Ziegeleien wird aufbereiteter Ton in die richtige Form gepresst, in der richtigen Länge zurecht geschnitten, getrocknet und anschliessend gebrannt. In diesen hochtechnologischen Herstellungsprozess greift Annina Thomann ein. Sie lässt andere Abschnittsgrössen zu und setzt die weichen Rohlinge unterschiedlichen Krafteinwirkungen aus. Die unterschiedlich langen Quader werden zerteilt, fallen gelassen, geworfen, gedrückt und gequetscht. Durch die Krafteinwirkung biegen sich die Backsteine und wölben sich. Sie sacken zusammen und sind in sich verdreht. Das ursprünglich glatt verarbeitete Material reisst ein. Mitunter entstehen einzelne grosse Risse, die den Stein beinahe zu spalten scheinen. An anderen Stellen gibt es viele feine Risse in gleicher Richtung. Was in der Industrie als Fehler und somit als Ausschuss deklariert werden muss, sorgt in der künstlerischen Arbeit Annina Thomanns für Dynamik und neue Ansichten eines alltäglichen Materials. So zeigen sich entlang der Fabrikations-bedingten Rillen nun Faltungen. Ihr sanfter Schwung kontrastiert mit der ehemaligen Blockform des Backsteines.

Zerfall als Teil des Formungsprozesses

Nicht nur die äussere Form der Backsteine erfährt Transformationen. Annina Thomann lenkt den Blick auch auf das Innenleben der Backsteine. Aus rechteckigen Löchern werden im Zerteilungsprozess dreieckige Schächte oder langgezogene Rechtecke. Insbesondere bei den kleineren Backsteinen zeigen sich verzerrte Öffnungen. Sie erlauben neue Durchblicke und einen unterschiedlichen Lichteinfall. Der Zufall ist selbstverständlicher Bestandteil dieser Formungsprozesse. Er wird nicht nur zugelassen, sondern bewusst integriert. Dennoch bleibt die ursprüngliche Gestalt des Massenproduktes immer ein Teil der neuen Körper und neuen Binnenformen. Die neuen Formen sind Variationen über ein Thema, das Konstanten wie Farbe, Materialität und Umfang festschreibt, aber ungeahnte Modifikationen der Gestalt zulässt.

«to build» ist nicht nur eine Arbeit über das Verformungspotential der normierten Backsteine, sondern auch über Architektur und Konstruktion.

(Text: Kristin Schmidt – anlässlich der Verleihung des Werkbeitrags 2016 an Annina Thomann)

Zusätzliche Infos zur Künstlerin Annina Thomann und ihrer Arbeit finden sich in diesem Tagblatt-Bericht!

Über Mauern und Menschen – Glaser/Kunz in der Kunsthalle Wil

Vor rund einer Woche kroch eine Mauer durch die Wiler Innenstadt. Initiiert wurde die Aktion vom Künstlerduo Magdalena Kunz und Daniel Glaser. Ab 8. April behandeln die beiden nämlich das Thema «Mauer» in einer Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel  in der Kunsthalle Wil. Ihre Mauer-Performance am 25. März lieferte quasi den Prolog dazu.

Zwei Meter hoch – acht Meter lang. In diesem Format zog sich die «Wandernde Mauer» einen Samstag hinweg durch die obere Bahnhofstrasse in Wil. Das «Wandern» war möglich, da eine Gruppe von Bauleuten die Mauer vorne auf- und hinten abbaute und so die zahlreichen Backsteine in Bewegung brachte.

Haben Menschen eine Meinung zu «Mauer»?

Parallel zur Bauaktion gingen die Künstler selbst auf die Passanten zu. Mit Mikro und Kamera bewaffnet wollten sie die Meinung der Menschen einfangen, was sie von dieser Mauer halten, welche Ideen ihnen dazu in den Kopf kämen. In Zeiten von Trump, Erdogan, anhaltenden Flüchtlingsströmen und Brexit eine heisse Sachen. Haben Menschen, wenn man sie überraschend auf der Strasse abfängt, etwas zum Thema «Mauer» zu sagen?

 

Ausschnitte der Befragung werden in Form einer Video-Arbeit vom 9. April bis 21. Mai in der Kunsthalle Wil zu sehen sein. Ausserdem werden Glaser/Kunz eine ihrer ungewöhnlichen und geradezu fantastischen kinematographisch animierten Figuren-Konstellationen in Wil zeigen.

Hinsehen lohnt sich!

„Performance“ (2009) – Kinematografische Skulptur von Glaser/Kunz

Und wer’s nicht aushält, bis zum 9. April zu warten, kann vorab bereits im Thurgau Glaser/Kunz bestaunen. Dort präsentiert die Kartause Ittingen noch bis zum 6. August unter dem Titel «Ich ist ein anderer» eine Reihe der «Kinematografischen Skulpturen» dieses spannenden Künstler-Duos.

Mehr zur Mauer-Performance auch hier: Tagblatt, 26. März 2017

 

 

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung Magdalena Kunz & Daniel Glaser)

Kultur im «Lat­tich» – Gratis Location für Kurz-Projekte

«Lat­tich» geht in Runde zwei!!! Bereits im Spät­som­mer 2016 wurde unter diesem  Titel das Gü­ter­bahn­hofare­al mit SBB-Halle im Herzen St.Gallens für eine kulturelle Zwischennutzung geöffnet. Aus­stel­lun­gen, Film­aben­de und vieles mehr gaben sich dort ein Stelldichein. Und die Resonanz der kulturinteressierten Öffentlichkeit war immens. Deshalb geht’s weiter mit «Lat­tich». Von Mai bis Oktober 2017 wird die auf dem Areal liegende Lagerhalle sogar für spezifische kulturelle Projekte teilweise gratis vergeben! Interessierte können sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier bewerben. Und zwar an halle@lattich.ch

„Wir bieten Platz für renommiertes Kunstschaffen, innovative Formen und überraschende Experimente“, erklärt Ann Katrin Cooper, welche gemeinsam mit Tobias Spori für das Geschehen in der Halle zuständig ist. Beide zielen auf ein Programm ab, das den darstellenden Künsten wie Sprech- und Musiktheater, Tanz und Performance ebenso gerecht wird, wie den bildenden Künsten und der Literatur. Mit der Sparte „Jungblut“ ist ein Programm von und für junge Menschen vorgesehen.

Im «Lat­tich» sind Künstler aller Sparten gesucht

Jeden Monat soll zudem der Raum an fünf Tagen Kunst- und Kulturschaffenden für ein spezifisches Projekt gratis zur Verfügung stehen. Kreativ-Täter mit Bezug zum Kanton St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden oder zum Thurgau hat, sind herzlich eingeladen, sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier zu bewerben.

Parallel zur Bespielung der SBB-Lagerhalle durch Kunst- und Kulturschaffende wird aber auch die Aussenfläche erneut belebt – unter anderem mit einem Spielort für Kinder, einem kleinem Gastronomie-Angebot und einem Gardening-Projekt.

Was Lattich ist und worum es geht… dazu finden sich hier weitere Eindrücke:

Klick drauf! Film Lattich

 

Oder im aktuellen Tagblatt-Bericht sowie im SAITEN-Magazin

 

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

Gabriela Falkner, Co-Präsidentin Verein «Lattich», 078  910 74 71, info@lattich.ch
Marcus Gossolt, Co-Präsident Verein «Lattich», 071 534 38 55, info@lattich.ch
Ann Katrin Cooper, Kuratorin der Halle, 078 866 29 33, halle@lattich.ch

 

Kunst verkaufen? Ein Vertrag vermeidet Stress!

Gratulation! Sie haben ein Werk erschaffen und einen Käufer dafür an Land gezogen. Das ist eine super Bestätigung der eigenen künstlerischen Leistung – und der Geldbeutel freut sich auch. Oder aber: Sie haben Kunst gekauft, die Sie begeistert! Auch dann: Glückwunsch! So oder so: Manchmal gestaltet sich ein Verkauf nicht ganz so simpel, wie es scheint. Hier ein paar Tipps und ein Mustervertrag.

Oft wechselt Kunst den Besitzer, indem der Macher dem Käufer ein Werk überreicht, Geld erhält und eine Quittung dafür ausstellt. Soweit, so gut. Doch was passiert, wenn der Käufer die Arbeit irgendwann weiterverkaufen möchte oder der Künstler sie für eine Ausstellung gerne nochmals nutzen würde? Ein Kaufvertrag, der diese Inhalte berücksichtigt und eine klare Vorgehensweise definiert, vermeidet für beide Seiten viel Stress und Ärger.

Was ein Vertrag definieren sollte

  1. Vertragsparteien: Wer verkauft an wen?
  2. Vertragsgegenstand: Was wird verkauft: Bild, Fotografie, Kleinplastik…?
  3. Vergütung: Wie hoch ist der Kaufpreis? Wird er am Stück oder in Raten bezahlt?
  4. Rechte & Pflichten der Vertragsparteien: Wie sind Ausstellungen, allfälliger Weiterverkauf oder Vernichtung des Werkes geregelt?

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Sind diese vier Punkte geregelt, ist man schon auf einem guten Weg.  Vertragsvorlagen aus Deutschland, z.T. leider kostenpflichtig, finden sich hier:

Infos zur Vertragsgestaltung fuer Deutschland

Leider, leider habe ich nichts vergleichbares für die Schweiz gefunden.

Für all jene, die eher im kleinen Umfang verkaufen, steht hier ein Mustervertrag zur Verfügung (ohne Gewähr auf Vollständigkeit – ich bin keine Juristin – und einfach zur Info…)

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Grundsätzlich ist meine Empfehlung: Wer regelmässig und ohne eine unterstützende Galerie im Hintergrund seine Werke verkauft, sollte sich in Sachen Vertragsgestaltung an den Fachstellen beraten lassen. Z.B. beim  Berufsverband Visarte oder allenfalls auch beim Bundesamt für Kultur.

Teresa Peverelli, St.Gallen (SG)

Wer Teresa Peverelli ist: Geboren 1951. Lebt und arbeitet in St.Gallen. 1968 bis 1986 Tätigkeit in verschiedenen gestalterischen Bereichen. 1986 bis 1991 Studium Kunst und Vermittlung an der Höhere Schule für Gestaltung in Zürich, heute (HdKZ). Verschiedene Gruppen- und Einzelausstellungen, kulturelle Projekte und Mitarbeit in der Kunsthalle St.Gallen und im Projektraum exex (heute Nextex), visarte.ost St.Gallen.

Liebt das Arbeiten im zwei und dreidimensionalen Bereich. Geniesst nach 22 Jahren erfüllter Unterrichtstätgkeit eine neugewonnene Freiheit. Weitere Informationen!

 

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P l a n k t o n — πλαγκτόν „das Umherirrende“ – Rauminstallation auf 280 m2 . Installiert an der Zürcherstrasse 45, 9013 St.Gallen vom 9. bis 25. 9.2016

 

Das berichtet Teresa Peverelli über P l a n k t o n  

P l a n k t o n  war eine raumbezogene, installative Arbeit, die an Ort und Stelle realisiert wurde.

Im Sommer 2013 war eine gemeinsame Ausstellung mit Mirjam Kradolfer geplant. Während der Vorarbeit daran entstanden erste farbige Gebilde als Nebenprodukte von Materialexperimenten. Doch schon bald bevölkerten immer mehr kleine plastische Gebilde mein Atelier.

Die ersten Gebilde schienen eher Pflanzen ähnlich. Grün und farbig. Zuweilen konnte man meinen, dass sich da jetzt Ein- und Mehrzeller formierten. Ich befestigte diese unter der Decke, die sich rasch mit dieser Art „Plankton-Kolonie“ füllte. Das Wachsen meiner Kolonie wurde durch den Umzug in ein neues Atelier unterbrochen. Nun mussten sich meine Bakterien, meine Kieselalgen, meine Krebschen, meine Insektchen und Manteltierlarven in dunkle Schachteln quetschen lassen. Mein Plankton wartete auf eine neue Strömung im Weltmeer. Diese sollte es an eine sonnige Korallenbank tragen, um dort richtig zu erblühen und sich zu vermehren.

Der 280 m2 Lagerraum der Architekten Gähler Flühler in St.Gallen war nun im Sommer 2016 der ideale Ort. Hier konnte sich meine Kolonie niederlassen und erblühen. Es entstand eine grosse, kleinteilige Installation aus meinen bestehenden plastischen Gebilden. Diese kombinierte ich mit neuen Gebrauchsmaterialien wie Plastikfolien, Leim, Acrylfarben, Draht und Gips.

Gleichzeitig verlief eine Art paralleler Prozess: Nämlich R e c y c l i n g

In einem parallel laufenden Prozess entwickeln sich im Atelier stetig neue Objekte: aus alten, gehorteten Dingen und Werken. Ich schaue zurück und bringe Vergangenes in neue Zusammenhänge. Und ich stopfe und versenke Dinge in neue Hüllen. Für zukünftige Nachbarschaften in imaginierten, noch zu findenden Räumen.

…und die Entwicklung geht weiter und weiter und…“

Mystisches im neuen Nextex

Winterlich, vielleicht auch übersinnlich und auf alle Fälle ganz dem Übergang geweiht wird es demnächst im Ausstellungsraum Nextex. Mit der Ausstellung „Raunächte“ läutet die etablierte St.Galler Ausstellungsplattform das Jahresende ein – und zugleich auch einen Neuanfang. Denn Nextex ist gezügelt: Vom Blumenbergplatz an die Frongartenstrasse 9. Man darf neugierig sein…also nix wie hin zur Vernissage: am 15.12. ab 19 h!

Der Name Raunacht leitet sich einerseits von «Rau» ab, wird anderseits aber auch oft auf den Rauch, das Räuchern bezogen, das in den Nächten um den Jahreswechsel herum gepflegt wird, um die Dämonen zu vertreiben. Es ist eine Zeit des Übergangs. Voller Rituale, Symbolik und übersinnlichen Kräften. Man  überdenkt die Existenz, legt Altes ab und erwartet Neues – oft hoffnungsvoll.
Die Künstler Stefan Inauen, Kasia Maksymowicz und Michael Zellweger beschäftigen sich in der aktuellen Ausstellung – so verrät der Flyer – eigenwillig und in unterschiedlicher Art und Weise mit Existenz und Lebenssystemen.

Klingt allemal spannend und überraschend. Mal schauen, was man dann konkret an der Vernissage zu Gesicht bekommt und wie die Verbindung zwischen den gezeigten Arbeiten und dem Thema „Raunächte“ gelingt.

Hier schon mal ein paar Impressionen – sozusagen durchs Schlüsselloch gelinst…

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Wer nun wissen will, von welchem der mitwirkenden Künstler welche Arbeit ist… tja: der muss schon selber in die Ausstellung gehen, um die Auflösung zu erhalten.

Wie immer haben sich die Nextex-ler auch wieder ein ansprechendes Rahmenprogramm ausgedacht, welches jeweils donnerstags während der Ausstellungsphase läuft.

Hier die Raunächte-Daten vom 15.12.2016 bis 27.01.2017

Nextex, Frongartenstrasse 9, 9000 St. Gallen

Do · 15. Dezember 19 Uhr
Eröffnung an der Frongartenstrasse 9
Kristin Schmidt lädt ein zum Künstlergespräch
Do · 22. Dezember 19 Uhr
Definitiv Nacht!
Über Bücher und Graphik, worin die Sonne zum letzten Mal untergeht.
Textur und Projektion von Rainer Stöckli
Do · 5. Januar  19 Uhr
Neujahrsapéro
Do · 12. Januar 19 Uhr
Desire machines
mit Vasily Shmyrev und Kasia Maksymowicz
Do · 19. Januar 19 Uhr
Ausräuchern
Im alten und neuen Nextex wird ein- und ausgeraucht.
Fr · 27. Januar 19 Uhr
Finissage
Lesung mit Tim Krohn

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Die Ausstellung ist jeweils geöffnet
Di & Do – 13 – 16 h
Do 19 – 22 h

„Schnee Schaufeln“: Christian Hörler in der Kunsthalle Ziegelhütte

Er ist einer der wirklich spannenden jüngeren Künstler hier in der Ostschweiz – und schon lange kein Unbekannter mehr: Die Rede ist von Christian Hörler. Nun realisiert der in Wald lebende Kunstschaffende eine sich über drei Stockwerke ziehende Ausstellung. Zu sehen sind die zwei- und dreidimensionalen Arbeiten unter dem Titel „Schnee Schaufeln“ ab 27. November in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell. 

Tatsächlich sollte man die verschiedenen Werke jedoch nicht als „Einzelteile“ verstehen. Vielmehr, so informieren die Veranstalter „(..realisiert Hörler) einen vielteiligen raumbezogenen, plastischen, malerischen und zeichnerischen Werk-Weg“.

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Zu sehen in der Ziegelhütte…

Gegenwärtige Kunsttechniken, althergebrachtes Handwerk, persönliche Eindrücke und existentielle Überlegungen vereint Hörler innerhalb der Ausstellung in einem vielschichtigen Spannungsfeld. Detaillierte Informationen zum Schaffen Christian Hörlers mit zahlreichen Bildern und Texten liefert seine Website

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Hörler beim Einrichten einer Ausstellung im Frühling 2015

Hingehen, würde ich meinen! Zum Beispiel an die Vernissage am 26. November um 17 h. Oder während der regulären Öffnungszeiten. Die Ausstellung läuft übrigens bis zum 19. März 2017.

Hier die  Daten:

November – März
Di – Sa: 14 – 17 Uhr
So: 11 – 17 Uhr

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell
Tel +41 71 788 18 60
Fax +41 71 788 18 61
info@kunsthalleziegelhuette.ch

 

Bilder:
http://www.christianhoerler.ch/ (C) Fabien Diem  am 23.11.2016
http://www.nextex.ch/rueckschau/articles/kit.html am 23.11.2016