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Bárbara Nimke-Giger, Herisau (AR)

Wer Bárbara Nimke-Giger ist: Bárbara Nimke-Giger hat in Spanien das Goldschmiede-Handwerk mit Schwerpunkt zeitgenössischem Schmuck/Autoren-Schmuck erlernt. In den vergangenen Jahren hat sie an verschiedenen Ausstellungen teilgenommen. 2007 erhielt sie den Förderpreis des Sarganserlandes. 2016 realisierte mit fünf weiteren KünstlerInnen die Gruppenausstellung „Häutungen“ im Schloss Werdenberg. Die Künstlerin lebt und arbeitet momentan  in Herisau und St. Gallen.

 

Objekt aus Silber ( ca. 7 x 8 cm) – unten noch sichtbar: die Giesskanäle

 

Über ihr Schaffen

„Egal ob es eine gute oder eine schlechte Erinnerung ist – ich meine, einen Teil der Erinnerungen, sollte man auch loslassen können.“. (Bárbara Nimke-Giger)

Auch wenn Barbara Nimke offensichtlich „leichtfertig“ mit Erinnerungen umgeht, sind es doch gerade diese, die einen Grossteil ihres künstlerischen Schaffens prägen. Denn um das Erinnerungen-Zulassen sowie das Lebendig-Halten von Erlebnissen und Menschen, die längst aus dem eigenen Lebenskreis entschwunden sind, geht es der Künstlerin fast in jeder Arbeit. Dafür nutzt sie Textilien, die zart und vergänglich sind sowie langlebige Metalle. So vereint sie den Gedanken von Vergehen und Bestehen gleichermassen in ihren Werken.

Vergängliches Textil – zeitüberdauerndes Metall

Nach ersten künstlerischen Schritten in der Goldschmiederei kam Barbara Nimke zunächst wie durch Zufall ans Textile und befasste sich über längere Zeit mit Stickarbeiten. Aktuell kehrt Nimke in ihren Arbeiten vom Textilen zurück zum Metall, resp. bringt die Materialien auf ungewöhnliche Weise miteinander zusammen. Dafür wählt sie aus Stoffen, die für sie eine besondere Bedeutung haben, bestimmte Ausschnitte aus. Das kann ein altes Tischtuch ihrer Grossmutter sein oder eine Jacke, die sie im Urlaub gekauft hat. In einem aufwändigen Verfahren erschafft sie aus Ausschnitten und Fragmenten dieser Erinnerungsstücke Gussvorlagen. Zuletzt „giesst“ sie diese Textilien zu metallenen Medaillons, beispielsweise aus Tombak, Bronze,  Aluminium oder Silber.

 

 

„Geiler Block“ – Kunstspektakel in Trogen

Bigger, better, ELEPHANT – so könnte man die zweite Auflage des „Geilen Blocks“ wohl beschreiben. Nachdem Kunstfigur Leila Bock (alias Künstlerin Anita Zimmermann) bereits 2015 einen Haufen Kunstschaffender zusammengetrommelt hat, um in einem Abrisshaus im St. Galler Rotmonten-Quartier Kunst mal richtig krachen zu lassen, macht sie nun Trogen unsicher. Ab HEUTE, 9. Juni um 18.30h ist es wieder soweit. Hier weitere Details…
Leila Bock hat 30 KünstlerInnen von Berlin über Zürich bis nach Appenzell eingeladen, im leerstehenden ehemaligen Versandhaus Cornelia an 3 Wochenenden im Juni auszustellen. Freitag und Sonntag werden jeweils „Schnörkel-Texte“ vorgetragen.

Schnörkel-Texte

Für diese Texte hat Leila Bock hat ‚Freunde von Künstlern’ angefragt, einen Schnörkel-Text zu schreiben und dem Publikum vorzutragen. Über, wie es auf der Website heisst „ein Thema, das schon lange für eine Rede parat war, etwas Schönes, Wichtiges oder Unwichtiges, frei Erfundenes, wenn nicht sogar Unwahres, etwas Überflüssiges, so wie die Schnörkel der Fraktura-Schriften, unsinnig und unlogisch Schönes.“ Am Samstag hat es Musik an der Bar und am Sonntag gibt es Frühstück.

„botanico“ (Stefan Rohner)

Mit von der Partie sind übrigens unter anderem Andrea Vogel, Stefan Rohner, Christian Hörler und viele mehr…
Hier findet sich der Info-Flyer von Geiler_Block_2017 zum Downloads.

Helene Mäder, Gossau (SG)

Wer Helene Mäder ist: Helene Mäder wurde 1953 in St. Gallen geboren. Im Jahr 1971 absolvierte sie eine Ausbildung zur Textildesignerin. In den folgenden Jahren bildetet sich umfänglich in den bildenden Künsten weiter. 2004 erhielt die das Romstipendium des Kantons St.Gallen, 2005 wurde sie Mitglied des Berufsverbands visueller Künstler visarte.

In ihren Arbeiten befasst sie sich malerisch und skulptural mit dem Menschen. Seinem Wesen auf der Spur zu sein, stets auf der Suche nach seinen Befindlichkeiten, Gefühlen, Verletzlich- und Vergänglichkeiten, darum geht es ihr. Die Künstlerin lebt in Gossau und arbeitet in ihrem Atelier in Flawil.

Helene Mäder -„Tanz auf dem Vulkan“

Helene Mäder über Helene Mäder

“ Zeichnen ist für mich etwas Intimes, Verletzliches aber auch Lustvolles. Gedanken werden freigesetzt, treiben mich zum Spielen und Tanzen auf dem Papier an. Meine Malerei ist eine Schichtenmalerei – Ge-Schichten. Stets hinterfragend wird die Farbe auf unterschiedliche Malgründe aufgetragen, immer nach einer Ordnung strebend. Dialogisch verbinde ich Zeichnung ,Malerei, Struktur, Farbflächen, Geschriebenes und Verwischtes. Manchmal überwiegt die Zeichnung, manchmal das malerische Element, doch sie sind nicht voneinander zu trennen.

Skulpturell zu arbeiten bedeutet für mich, nah dran zu sein. Meine Gedanken werden durch meine Hände  suchend, spürend, stets hinterfragend dem Gegenüber modellierend auf-und abgetragen. Meine Malerei steht im Dialog mit der Skulptur.

Für die Arbeit „Tanz auf dem Vulkan“ wählte ich recycliertes, schweres Papier. Es ist verletzlich und erträgt doch viel. Es steht für mich als Sinnbild der Erde. Der Mensch fühlt sich im Vordergrund, die Erde ist ihm unterworfen, welch Irrtum! Mit weisser Farbe übermale ich intuitiv das beige Papier, eine Art von Neuanfang. Danach schreibe ich meine Gedanken hin, zeichne über das ganze Blatt, übermale das eine oder andere, kratze weg, lasse offen, überdenke alles, übermale, etc. Mit meinem Tun, Gedanken und Gesten bin ich ganz nah am Leben dran, Schicht um Schicht.“

Mehr zu Helene Mäder findet man hier im Internet

Kunst und ihre Preisgestaltung

Es passiert mir regelmässig, dass ich über die Preise staune, die – etwa auf Vernissagen – für Kunst verlangt werden. Gerade, wenn der ausstellende Künstler noch relativ unbekannt ist. Dann kann ich oft kaum nachvollziehen, wie diese Preise eigentlich zustande kommen. Was mir aber auch klar ist: Sogar die Künstler sind oft unsicher und fragen sich: „Welchen Preis darf ich eigentlich für meine Kunst verlangen?“ Denn anders als in der Wirtschaft, wo bei ähnlichen Produkten zum Beispiel Material- und Planungskosten verglichen werden können, ist das bei Kunst nicht möglich. Um für mich mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich nach Informationen über die Preisgestaltung für Kunst gesucht. Was ich gefunden habe und was mir davon spannend scheint, fasse ich hier zusammen. Etwas für Künstler, die sich unsicher mit ihren Preisen fühlen. Und für Käufer, die sich keinen Reim auf die Preisgestaltung machen können…

Viele machen Preise nach reinem Bauchgefühl. Das ist aber heikel. Denn schnell kann das Bauchgefühl eine Bauchlandung nach sich ziehen. Weil:

Gedanke (1): Grundsätzlich kann man sagen: Sobald ein Preis einmal festgelegt wurde, kann er, verständlicherweise, eigentlich immer nur nach oben korrigiert werden. Eine Absenkung lässt sich fast nie stimmig begründen. Denn womit will man einem Käufer auch erklären, dass ein Werk über Jahre hinweg nicht nur NICHT im Wert gestiegen ist, sondern sogar an Wert verloren hat. Na?

Gedanke (2): Dem Käufer, dem sowas passiert, geht zu Recht das Vertrauen verloren und er wird sich hintergangen fühlen. Denn immerhin hat er einst viel Geld für ein Werk hingeblättert. Und nun erkennt er, dass der gezahlte Betrag wohl nicht der Marktsituation entsprochen hat. Der verkaufende Künstler steht im schlimmsten Fall als Betrüger da.

Kunst in Schubladen gesperrt

Vor etlichen Jahren schon hat die Branche erkannt, wie schwierig es ist, halbwegs nachvollziehbare Preise für Kunst festzulegen. Aus der Not dieser Erkenntnis heraus, wurde gehandelt. Ein „Kunstkompass“ als weltweites Bewertungssystem wurde ins Leben gerufen. Der Kompass sollte durch Punkte-Verteilen nun dabei helfen, Künstler_inn_en zu klassifizieren und so deren Marktwert exakt zu bestimmen. Jährlich werden die 100 gewichtigsten Kunstschaffenden so ermittelt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse über Jahrzehnte hinweg in den Zeitschriften Capital und manager magazin. Seit April 2015 erscheint der Kompass neu beim Magazin Weltkunst.

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Das Prinzip ist einfach: Künstler_inn_en, die die meisten Punkte einheimsen, können so (zumindest theoretisch) auch die höchsten Preise am Markt verlangen. Berücksichtigt werden u.a. an welchen wichtigen Ausstellungen (documenta, Biennale usw.) ein Kunstschaffender teilgenommen hat. Auch die Mitwirkung an wichtigen Gruppenausstellungen fällt ins Gewicht oder ob es Rezensionen in bedeutenden Kunstmagazinen gab. Überdies zählt als Pluspunkt natürlich auch, ob Werke von einflussreichen Museen angekauft wurden – oder eben nicht…

Gedanke (3): Ich kann mich der allgemeinen Meinung nur anschliessen: Dieses System ist eine sinnvolle Sache, um die Marktsituation eines Künstlers zu bewerten. Tatsächlich ist ja der, der viel ausstellt und oft Eingang in die Medien findet, ein gefragter Mann oder eben eine gefragte Frau. Über die tatsächliche künstlerische Qualität, das Mass an Ästhetik oder auch den intellektuellen Gehalt einer Arbeit kann dieses System jedoch trotz aller Bemühungen keine Auskunft geben.

Wichtig: kritische Selbsteinschätzung

Gedanke (4): Trotzdem ist es gut, sich als Kunstschaffender mit diesem System zu befassen. Und mit den Gedanken, die dahinter stecken. Man bekommt so nämlich ein bisschen Gespür dafür, wie der Kunstmarkt tickt. Zudem kann man sich ein Bild davon machen, was mittel- und langfristig alles von einem erwartet wird.

Gedanke (5): Vielleicht ist dieses System überdies eine gute Sache für Leute, die noch wenig Erfahrung damit haben, Preise für ihre Werke zu definieren. Denn auch wenn Händler und Galeristen gute Ratgeber sein könne, ist es nie schlecht, ernsthafte eigene Überlegungen zu seinem Marktwert anzustellen.

Preisgestaltung für Kunst – Die Rechenformel

Hier nun der Vollständigkeit halber noch eine abschliessende Sache: Fast jeder Kunstschaffende weiss, nach welchen Formeln und Multiplikationsfaktoren die Verkaufspreise für Kunst berechnet werden. Hier dennoch ein Beispiel: Angenommen, ein Gemälde eines bestimmten Malers hat die Masse 100 cm x 200 cm und der Künstler verlangt dafür 12’000 CHF. Dann kann ein einfacher Faktor berechnet werden. Nämlich: Höhe des Bildes in Zentimetern PLUS Breite des Bildes in Zentimetern mit 40 multipliziert GLEICH 12’000 CHF. Wendet man nun die gleiche Rechnung auf ein Bild mit den Massen 100 cm x 80 cm an heisst das: 100 cm Höhe PLUS 80 cm Breite mit 40 multipliziert ergibt 7’200 CHF.

(Aber ACHTUNG: Die „40“ ist nur Beispiel für einen persönlichen Multiplikator. Ein anderer Kunstschaffender kann den Multiplikator „15“ oder „50“ für sich ansetzen. Wie hoch der Multiplikator angesetzt wird, hängt tatsächlich von Popularität, Nachfrage… eben den Kriterien des oben beschriebenen „Kompasses“ ab.)

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Durch die Rechnung mit dem Multiplikator ist es immerhin möglich, für jeden Künstler und für jede noch so unterschiedliche Technik einen Faktor zu ermitteln. Und dieser kann dann für die Arbeiten dieses einen Künstler verwendet werde. Damit werden zumindest mal die Werke einer Einzelperson untereinander vergleichbar.
Wer sich noch an anderer Stelle im Netz hinsichtlich der Preisgestaltung für Kunst umgucken will, findet hier gute Infos: Preisrechner sowie unter Kunst Mentoring

Und wer neugierig auf das erwähnte System, den „Kunstkompass“ geworden ist, kann hier noch vertiefte Informationen nachlesen: Kunstdunst

Kunst verkaufen? Ein Vertrag vermeidet Stress!

Gratulation! Sie haben ein Werk erschaffen und einen Käufer dafür an Land gezogen. Das ist eine super Bestätigung der eigenen künstlerischen Leistung – und der Geldbeutel freut sich auch. Oder aber: Sie haben Kunst gekauft, die Sie begeistert! Auch dann: Glückwunsch! So oder so: Manchmal gestaltet sich ein Verkauf nicht ganz so simpel, wie es scheint. Hier ein paar Tipps und ein Mustervertrag.

Oft wechselt Kunst den Besitzer, indem der Macher dem Käufer ein Werk überreicht, Geld erhält und eine Quittung dafür ausstellt. Soweit, so gut. Doch was passiert, wenn der Käufer die Arbeit irgendwann weiterverkaufen möchte oder der Künstler sie für eine Ausstellung gerne nochmals nutzen würde? Ein Kaufvertrag, der diese Inhalte berücksichtigt und eine klare Vorgehensweise definiert, vermeidet für beide Seiten viel Stress und Ärger.

Was ein Vertrag definieren sollte

  1. Vertragsparteien: Wer verkauft an wen?
  2. Vertragsgegenstand: Was wird verkauft: Bild, Fotografie, Kleinplastik…?
  3. Vergütung: Wie hoch ist der Kaufpreis? Wird er am Stück oder in Raten bezahlt?
  4. Rechte & Pflichten der Vertragsparteien: Wie sind Ausstellungen, allfälliger Weiterverkauf oder Vernichtung des Werkes geregelt?

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Sind diese vier Punkte geregelt, ist man schon auf einem guten Weg.  Vertragsvorlagen aus Deutschland, z.T. leider kostenpflichtig, finden sich hier:

Infos zur Vertragsgestaltung fuer Deutschland

Leider, leider habe ich nichts vergleichbares für die Schweiz gefunden.

Für all jene, die eher im kleinen Umfang verkaufen, steht hier ein Mustervertrag zur Verfügung (ohne Gewähr auf Vollständigkeit – ich bin keine Juristin – und einfach zur Info…)

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Grundsätzlich ist meine Empfehlung: Wer regelmässig und ohne eine unterstützende Galerie im Hintergrund seine Werke verkauft, sollte sich in Sachen Vertragsgestaltung an den Fachstellen beraten lassen. Z.B. beim  Berufsverband Visarte oder allenfalls auch beim Bundesamt für Kultur.

Teresa Peverelli, St.Gallen (SG)

Wer Teresa Peverelli ist: Geboren 1951. Lebt und arbeitet in St.Gallen. 1968 bis 1986 Tätigkeit in verschiedenen gestalterischen Bereichen. 1986 bis 1991 Studium Kunst und Vermittlung an der Höhere Schule für Gestaltung in Zürich, heute (HdKZ). Verschiedene Gruppen- und Einzelausstellungen, kulturelle Projekte und Mitarbeit in der Kunsthalle St.Gallen und im Projektraum exex (heute Nextex), visarte.ost St.Gallen.

Liebt das Arbeiten im zwei und dreidimensionalen Bereich. Geniesst nach 22 Jahren erfüllter Unterrichtstätgkeit eine neugewonnene Freiheit. Weitere Informationen!

 

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P l a n k t o n — πλαγκτόν „das Umherirrende“ – Rauminstallation auf 280 m2 . Installiert an der Zürcherstrasse 45, 9013 St.Gallen vom 9. bis 25. 9.2016

 

Das berichtet Teresa Peverelli über P l a n k t o n  

P l a n k t o n  war eine raumbezogene, installative Arbeit, die an Ort und Stelle realisiert wurde.

Im Sommer 2013 war eine gemeinsame Ausstellung mit Mirjam Kradolfer geplant. Während der Vorarbeit daran entstanden erste farbige Gebilde als Nebenprodukte von Materialexperimenten. Doch schon bald bevölkerten immer mehr kleine plastische Gebilde mein Atelier.

Die ersten Gebilde schienen eher Pflanzen ähnlich. Grün und farbig. Zuweilen konnte man meinen, dass sich da jetzt Ein- und Mehrzeller formierten. Ich befestigte diese unter der Decke, die sich rasch mit dieser Art „Plankton-Kolonie“ füllte. Das Wachsen meiner Kolonie wurde durch den Umzug in ein neues Atelier unterbrochen. Nun mussten sich meine Bakterien, meine Kieselalgen, meine Krebschen, meine Insektchen und Manteltierlarven in dunkle Schachteln quetschen lassen. Mein Plankton wartete auf eine neue Strömung im Weltmeer. Diese sollte es an eine sonnige Korallenbank tragen, um dort richtig zu erblühen und sich zu vermehren.

Der 280 m2 Lagerraum der Architekten Gähler Flühler in St.Gallen war nun im Sommer 2016 der ideale Ort. Hier konnte sich meine Kolonie niederlassen und erblühen. Es entstand eine grosse, kleinteilige Installation aus meinen bestehenden plastischen Gebilden. Diese kombinierte ich mit neuen Gebrauchsmaterialien wie Plastikfolien, Leim, Acrylfarben, Draht und Gips.

Gleichzeitig verlief eine Art paralleler Prozess: Nämlich R e c y c l i n g

In einem parallel laufenden Prozess entwickeln sich im Atelier stetig neue Objekte: aus alten, gehorteten Dingen und Werken. Ich schaue zurück und bringe Vergangenes in neue Zusammenhänge. Und ich stopfe und versenke Dinge in neue Hüllen. Für zukünftige Nachbarschaften in imaginierten, noch zu findenden Räumen.

…und die Entwicklung geht weiter und weiter und…“

„Schnee Schaufeln“: Christian Hörler in der Kunsthalle Ziegelhütte

Er ist einer der wirklich spannenden jüngeren Künstler hier in der Ostschweiz – und schon lange kein Unbekannter mehr: Die Rede ist von Christian Hörler. Nun realisiert der in Wald lebende Kunstschaffende eine sich über drei Stockwerke ziehende Ausstellung. Zu sehen sind die zwei- und dreidimensionalen Arbeiten unter dem Titel „Schnee Schaufeln“ ab 27. November in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell. 

Tatsächlich sollte man die verschiedenen Werke jedoch nicht als „Einzelteile“ verstehen. Vielmehr, so informieren die Veranstalter „(..realisiert Hörler) einen vielteiligen raumbezogenen, plastischen, malerischen und zeichnerischen Werk-Weg“.

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Zu sehen in der Ziegelhütte…

Gegenwärtige Kunsttechniken, althergebrachtes Handwerk, persönliche Eindrücke und existentielle Überlegungen vereint Hörler innerhalb der Ausstellung in einem vielschichtigen Spannungsfeld. Detaillierte Informationen zum Schaffen Christian Hörlers mit zahlreichen Bildern und Texten liefert seine Website

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Hörler beim Einrichten einer Ausstellung im Frühling 2015

Hingehen, würde ich meinen! Zum Beispiel an die Vernissage am 26. November um 17 h. Oder während der regulären Öffnungszeiten. Die Ausstellung läuft übrigens bis zum 19. März 2017.

Hier die  Daten:

November – März
Di – Sa: 14 – 17 Uhr
So: 11 – 17 Uhr

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell
Tel +41 71 788 18 60
Fax +41 71 788 18 61
info@kunsthalleziegelhuette.ch

 

Bilder:
http://www.christianhoerler.ch/ (C) Fabien Diem  am 23.11.2016
http://www.nextex.ch/rueckschau/articles/kit.html am 23.11.2016

Hans Thomann, St.Gallen (SG)

Wer Hans Thomann ist: Hans Thomann wurde 1957 in Uzwil geboren. 1981 absolvierte er in Salzburg die Meisterklasse bei dem renommierten italienischen Künstler Mario Merz, einem der wichtigsten Vertreter der arte povera. Sechs Jahre später erhielt Thomann den Förderpreis der Stadt St. Gallen. Weitere Auszeichnungen und Stipendien folgten. So zum Beispiel 1990 der Kunstpreis der Stadt Konstanz oder 2004 ein Werkstipendium für Amsterdam. Heute lebt und arbeitet er als Bildhauer, Maler und Zeichner in St. Gallen. Im Zentrum seiner Werke, die regelmässig in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen sind, steht der Mensch und dessen Erscheinung. Ihn analysiert und hinterfragt Thomann auf unterschiedlichste Weise.

Mehr Informationen und Details zu Hans Thomann finden sich auf seiner Website

Technik: Fliegenklatsche, Supermantorso, Farbe Grösse: 46cm x 9cm x 6cm Entstehungsjahr: 2016

„Treffer“ (Fliegenklatsche, Supermantorso, Farbe) Grösse: 46cm x 9cm x 6cm, Entstehungsjahr: 2016 – Multiple Auflage 12 Stück

 

Hans Thomann über „Treffer“

‚Treffer‘ ist eine kleine, unaufdringliche Arbeit, in der aber doch viele Gedanken stecken und die durchaus mit Humor aufgefasst werden darf. Hier einige Überlegungen dazu:

„Superman“ kommt bei mir in meinen Arbeiten immer wieder vor. Denn ich beschäftige mich ganz grundsätzlich mit diesem Motiv – mit „Supermännern“. Mit den Fähigkeiten des Übermenschlichen, des Heilens, des Glückbringens und so weiter. Weiter gedacht ist beispielsweise auch Jesus etwas wie ein Superman. Und dann stellt sich die Frage: Wie gehe ich mit diesem Symbol um? Denn offensichtlich ändert es sich ständig….und steckt nicht selbst in jedem von uns ein „Superman“? Eine Superfrau?

Ausserdem ging es mir bei „Treffer“ um das Spiel mit den Grössenverhältnissen. Die recht kleine Fliegenklatsche, die eigentlich dazu dient, Fliegen den Garaus zu machen, will jetzt dem übermächtigen – aber hier physisch winzigen – Superman ans Leder. Des Weiteren entscheidet sie über so etwas Grosses wie Leben und Tod. Aber was geschieht? Superman schafft den Durchbruch! Die Fliegenklatsche wird ihres Sinnes beraubt. Kann das bedeuten, dass Fliegenklatschen tatsächlich ziemlich sinnlos sind? Jeder, der meint, er erlege eine Fliege und habe dann endlich seine Ruhe,  ist Opfer einer Illusion. Denn die nächste Fliege schwirrt schon heran. Und die übernächste. Und die überübernächste…es geht also darum, nicht der Fliege ein Ende zu bereiten, sondern seine Haltung (ihr gegenüber) zu ändern. Die grössere Botschaft dahinter könnte sein: Übe mehr Gelassenheit in Situationen, die du kaum beeinflussen kannst.“

 

Ralf Fitze, Flawil (SG)

Wer Ralf Fitze ist: Fitzes künstlerisches Schaffen entwickelte sich auf Umwegen, beginnend mit einer Ausbildung zum Mühlenbauer im Jahr 1990. Intensive Jahre als Monteur und Chefmonteur für Müllereianlagen folgten. Es folgten Jahre mit erfahrungsreichen Montageeinsätzen weltweit, die jedoch stets die Frage offen liessen: Was ist mit der Kunst? Der Drang nach kreativer Freiheit wuchs. Fitze erfüllte sich diesen Wunsch schliesslich mit einer eigenen Werkstatt. Hier entstanden die ersten Werke aus Stahl. Die Montagetätigkeit und das künstlerische Schaffen standen damals gleichrangig nebeneinander.

2001 stiess Fitze bei einem Montageauftrag in einer Grossbäckerei auf ein verboge­nes Backblech, das entsorgt werden sollte. So kam es zum ersten Kontakt mit seinem heutigen Lieblingsmedi­um, dem Aluminium. Fitze nahm das Blech mit in seine Werkstatt und machte Versuche, wie sich das Material künstlerisch bearbeiten liess. Dabei erkannte er rasch die unbegrenzten Formungsmöglich­keiten dieses Metalls. Heute, über 15 Jahre später, erschafft Fitze noch immer die meisten seiner Skulpturen und Objekte aus gebrauchten Aluminiumbackblechen.

Mehr über den Künstler erfährt man auf seiner Website.

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„Dignatio Vegrandis“: Skulptur aus Aluminium-Backblechen

 

Zum Werk Dignatio Vegrandis

Dignatio Vegrandis eine monumentale Skulptur, die Ralf Fitze für das neue Kornhaus der Zürcher Swissmill als Auftragsarbeit erschaffen hat. Das Werk stellt – immens vergrössert und auf Grundstrukturen reduziert – die innere Struktur eines Weizenkorns dar.

Das Weizenkorn als Bezugspunkt

Solche winzige Struktur erfasst das menschliche Auge normalerweise nur unter dem Rasterelektronenmikroskop. Die­ses ist in der Lage, Makrophotographien kleinster Strukturen anzufertigen. Die Makrophotographie eines gebrochenen Weizenkorns diente Fitze als inspirativer Bezugspunkt für seine Skulptur. Ein in der Realität lediglich 45 Mikrometer grosser Ausschnitt einer im Weizenkorn verborgenen, amor­phen Struktur wurde von Ralf Fitze um das 100’000-fache vergrössert. So entwickelte er eine 4,5 m lange, ca. 2,7 m hohe und rund 3,4 m breite organisch anmutende Arbeit. Als selbsttragende Konstruktion zeigt sie die vereinfachte Gitterstruktur des Weizenproteingefüges, wobei die imaginären Stärkekörner in den Öffnungen sitzen würden. In letzter Konsequenz versinn­bildlicht Fitze damit nichts grösseres oder geringeres als Mehl.

Hier finden sich detaillierte Informationen zu „Dignatio Vegrandis“ zum Downloaden: Zur Bedeutung des lateinischen Werktitels, Material & Technik sowie zum interpretatorischen Gedanken dahinter: dignatiovergrandis

Margrit Edelmann Oertli, St. Gallen (SG)

Wer Margrit Edelmann Oertli ist: Geboren 1946 in St.Gallen und auch dort aufgewachsen. Im Alter von 19 Jahren Umzug nach Paris zum Arbeiten und für die künstlerische Ausbildung. Rückkehr in die Schweiz und 1960 Heirat mit Josef Edelmann.  Kurse an der Kunstgewerbeschule. Gelernte Textildruckentwerferin. Nach 12-jährigem „Zwischenstopp“ in Gommiswald Rückkehr nach St.Gallen in den 80-er Jahren. Ab 1987 Malerin und Plastikerin im Hauptberuf.  1989 Begegnung und spätere Heirat mit dem Maler und Bildhauer Max Oertli.

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Das sagt Margrit Edelmann Oertli zu:

Malerei und Plastik: „ Mich reizt beides. Doch die Plastik fällt mir leichter. Da liegt wohl meine grössere Begabung. Das Körperhafte liegt mir in den Fingern. Ich liebe als Materialien Bronze und Zement. Doch Bronze ist so teuer. Zement ist günstiger und ebenso wetterbeständig. Ausserdem fasziniert mich am Zement, wie dieses bewegliche Material aushärtet und zu Stein wird. Im Plastischen bin ich übrigens immer figürlich. Da reizt mich der Mensch als Motiv. Meine Malerei hingegen ist immer abstrakt.“

Motive und Körperlandschaften: „Ich erschaffe ruhige, in sich ruhende Gestalten. Die Botschaft an den Betrachter ist: Hier bin ich, hier steh ich. Mein Anliegen ist, dass die Figuren beruhigen. Ein Motiv, auf das ich mich gerne einlasse, sind „Köpfe“. Viele sagen, diese hätten was Orientalisches. Aber das ist nicht geplant. Das entsteht einfach so. Da geht es mir ums rein Formale. Die Form, die ästhetische Verteilung von Proportionen ist ohnehin wichtig in meinem Tun. Als ich anfing, haben mich Frauenrechtlerinnen wegen der Ausformung meiner weiblichen Skulpturen  kritisiert: `Grosser Arsch, kleiner Kopf‘ , haben sie gesagt. Aber ich mache das nur, weil ich grosse Köpfe nicht ertrage…

Was mich im Moment besonders umtreibt, ist auch die Darstellung alter Menschen. Sie sind für mich gelebte Körperlandschaften. Ich finde es schön, das Gelebte zu sehen. Alter und Zerfall ist da nichts Negatives. Eigentlich ist „Alter“ lediglich eine Zeitbeschreibung.  Ich bin auf der Suche nach der Zeitlosigkeit.“

Standpunkt: „Ich mache keine Auftragsarbeiten. Wer etwas von mir kaufen will,  muss nehmen, was aus mir rauskommt. Im Moment bin ich an einem Punkt, wo ich denke: „Was ich sagen wollte, habe ich gesagt.“ Ich habe Angst vor Wiederholungen… daher mache ich nun Pause und lasse das Weitere offene.“

Mehr zur Künstlerin findet sich in diesem Artikel

Kontakt: margrit-oertli@bluewin.ch