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Franz Müller Rieser, Weinfelden (TG)

Wer Franz Müller Rieser ist: Franz Müller Rieser  (*1959) ist zunächst gelernter Buchhändler und später auch klinischer Psychologe. Seit 2011 ist er nicht mehr berufstätig und widmet sich vermehrt seiner Leidenschaft: dem Fotografieren. Als Fotokünstler ist er Autodidakt und Amateur, verwendet gerne verschiedene Aufnahmetechniken, wie z.B. das Intentional Camera Movement.  Dies dient ihm dazu, das Angetroffene seinen Bedürfnissen und Stimmungen gemäss abzubilden. Der Künstler lebt in Weinfelden. Mehr Infos zu ihm finden sich in diesem Blog sowie auf seiner Website.

„time and passengers“ (2014)

Über „time and passengers“

Das Bild ist mit Absicht fototechnisch limitiert, hat es doch keine 5 Megapixel Bildauflösung. Dadurch wirkt die Abbildung etwas grobkörnig bzw. „verrauscht“. Sie scheint regelrecht brüchig, was auf den Bildinhalt bezogen intendiert ist: Die beiden jungen Männer auf dem Bild machen den Anschein, isoliert zu sein. Jeder ist für sich in seine subjektive Wirklichkeit eingetaucht. Der vorbeifahrende Zug ist als Bildmetapher für die verstreichende Zeit gedacht. Der Betrachter des Bildes kann sich in das subjektive Zeiterleben der beiden versetzen und sich fragen: „Erleben sie die Wartezeit als quälend langsam verstreichend oder werden sie, wenn der richtige Zug eintrifft, plötzlich aus einer Traumwelt gerissen?“ Das Zeiterleben wäre jeweils ein völlig anderes. „Subjektiven Zeiträume“ nennt Franz Müller Rieser das Phänomen. Als solches faszinieren sie ihn und sind eine wesentliche Facette seines fotografischen Werks.
Apropos: Vom 9. September bis in den Dezember sind Müller Riesers Arbeiten in Weinfelden zu sehen. Mehr Infos dazu : HIER
Vernissage, 09. September 2017, 17 Uhr

Zwei in eins – Krautrock und Seelenbilder

Gleich zwei lohnenden Ausstellungen im Museum im Lagerhaus in St. Gallen! Bereits seit 20. August werden bislang unbekannte Bijoux des Künstlers Werner Baptista aus der museumseigenen Sammlung präsentiert. Und ab dem 28. August gibt’s unter dem Titel „Kunst, Krautrock und Tarot“ fantastische Bildwelten von Ausnahmekünstlers Walter Wegmüller zu bestaunen. Nicht verpassen!

Von Werner Baptista weiss man bis heute unglaublich wenig. Er wurde 1946 in der Schweiz geboren, ging mehrere Jahre zu See und strandete schliesslich in Paris, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2012 lebte. In Paris betätigte sich Baptista mehr oder weniger unentdeckt als Künstler, brachte offensichtlich auch die Erlebnisse seiner Seefahrer-Zeit  in Zeichnungen, Collagen und Acryl-Malereien zum Ausdruck. Man muss es als Glücksfall betrachten, dass Baptistas Nachlass von Paris aus den Weg nach St. Gallen gefunden hat. Denn als Autodidakt hat er es trotz anfänglicher Erfolge nie so recht in die Öffentlichkeit geschafft.

Über viele Jahre hinweg sind dennoch grossformatige, wunderbar-expressive Pastellkreide-Zeichnungen entstanden. Aber auch überbordende Notizbücher, wo auf jeder einzelnen Seite Collagen mit unterschiedlichsten Materialien zu finden sind. Oder grellbunte Acryl-Bilder mit dämonischen Fratzen und wilden Formen.

Werner Baptista: „Die ewige Nonne“, 26.08.1991© Museum im Lagerhaus

Werner Baptista, Ohne Titel (Skizzenbuch), 1999-2000 © Museum im Lagerhaus

Dämonische Fratzen – sowie noch vieles, vieles mehr – findet man auch im Werk des 80-jährigen Walter Wegmüller. Anlässlich seines runden Geburtstags zeigt das Museum im Lagerhaus eine gross angelegte Schau seines Lebenswerkes – und gibt dabei auch Einblicke in Wegmüllers unglaubliche Biografie.

Bilder aus dem Innersten

Als Kind von Fahrenden wurde er seinen Eltern bereits als Säugling geraubt und erlebte in den Kinderjahren unglaubliche Torturen als Verdingbub. Erst mit 21 Jahren fand er seine leibliche Mutter und damit auch seine tatsächliche Identität. Ohne den Genuss einer Schulausbildung, jedoch mit dem innigen Wunsch, seine traumatischen Kindheits-Erlebnisse zu notieren, begann er, sich nicht in Buchstaben, dafür in symbolhaften Bildern sein Inneres von der Seele zu schreiben.

Kein Wunder also, dass man in Wegmüllers Werken auf albtraumhafte Motive stösst, wie etwa den „Frontfüssler“ aus dem Jahr 1968/69 – eines seiner Hauptwerke. Aber man trifft auch auf Bilder voller Lebensbejahung, wie etwa die zahlreichen Seiltänzer-Arbeiten, in denen sich Wegmüller mutig den menschlichen Balance-Akten stellt.

Walter Wegmüller, „Frontfüssler“ 1968-69 © Walter Wegmüller

Walter Wegmüller, „Der Seiltänzer und Maler“,1994, Privatbesitz © Walter Wegmüller

Zugegeben: Diese Kunst ist weder leicht verdaulich noch entspricht sie dem, was dem Mainstream entspricht. Das ist aber auch nicht die Idee, denn das Museum im Lagerhaus ist für seine Ausrichtung auf Art Brut, Outsider Kunst und Naive Kunst bekannt. Und mit Walter Wegmüller und Werner Baptista wird es dieser Nische auf’s Beste gerecht.

Mein persönliches Statement

Was mich an beiden Künstlern so berührt, ist, dass man ihnen ihr inneres Ringen anmerkt. Wenn man vor den Arbeiten steht, spürt man, dass da vieles die Seele bedrängt und sich auf künstlerischem Wege nach aussen eine Bahn bricht. Von Baptista ist so wenig bekannt, dass man fast nur mutmassen kann, was ihm im Leben wohl alles passierte. Von Wegmüller hingegen weiss man genug, um als Betrachter jedem Bild die biografische Grundlage zuordnen zu können – das trifft.

Beide Ausstellungen laufen bis 12. November. Hier geht es zu den Öffnungszeiten

Event to go: 55 x Licht & Schatten

Es war einmal eine Gruppe von Badegäste auf den „Drei Weieren“ – die hatte künstlerische Ideen. Bald war daraus das Künstlerkollektiv [MM:55] geboren. Und dieses hat nun eine Idee in die Tat umgesetzt: Nämlich anderen Liebhabern und Besuchern der „Drei Weieren“ zum Schluss der Sommerferien einen besonderen Anlass anzubieten. Unter dem Titel  55 x Licht & Schatten findet dieser am 5. August statt. Wo, wie und wann genau erfahrt ihr hier. Und auch, was man darunter verstehen darf…

Am Mannenweiher in St. Gallen geht’s am Samstag, 5. August 2017 zwischen 6 und 13 h zur Sache…. Dann nämlich warten auf den Holzstegen 55 ausgelegte weisse Badetücher auf die Badegäste und erinnern so an „frühmorgendliche Reservierungsvorgänge“, wie die Initianten es formulieren.

 

Körper-Umriss in Air-Brush-Technik

Nun allerdings können eintreffende Besucher des Weihers sich auf den für sie vorbereiteten weissen Tüchern nieder lassen. Die Sonne, die Wärme, das Licht geniessen. Und man kann sich die eigene Silhouette, den eigenen Körper-Schatten aufs Tuch malen lassen: als Umriss mit Stift nachgezeichnet und dann mit Air-Brush ausgefüllt, schattiert. Das so entstandene persönliche Kunstwerk kann man als Unikat käuflich erwerben und mit nach Hause nehmen.
Witzige Aktion an einem der schönsten Orte St. Gallens! Deswegen: Vorbeischnippen und ausprobieren!

Mehr Infos dazu auch auf Facebook

(Bilder: Kollektiv MM 55 und http://www.milch-huesli.ch/milchhuesli/)

Vom Bild im Kopf zum Bühnenstück

„Was am Schluss auf der Bühne ist, darf anders sein, als das, was ich beim Schreiben im Kopf dazu gesehen habe.“, findet Autorin Rebecca C. Schnyder. Mitte September wird ihr preisgekröntes Stück „Alles trennt“ in der St. Galler Kellerbühne uraufgeführt. Rund zwei Monate vor der Premiere sprach das rothaarige Energiebündel über Traumbesetzungen und Finanzierungs-Knacknüsse.

Rebecca, im Herbst kommt dein neues Bühnenstück Alles trennt zur Aufführung. Wie lange ist dieses Projekt bereits in der „Pipeline“? Oh, schon eine ganze Weile. So richtig nahm die Idee, die Inszenierung des Stücks voranzutreiben, aber 2015 an Fahrt auf.

Gab es einen bestimmten Auslöser? 2015 wurde Alles trennt zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Das ist ein renommiertes Festival für neue Dramatik,  welches seit 1984 durchgeführt wird. Jährlich werden dort im Rahmen eines Wettbewerbs weit über hundert Werke beurteilt und sechs erhalten eine Einladung zum Festival. Ausserdem werden die eingeladenen Stücke mit einer szenischen Lesung und Autoren- Gespräch der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Alles trennt eingeladen wurde, war meine Motivation gross, nun auch richtig damit auf die Bühne zu gehen.

Mit wem setzt du denn dein Projekt um? Seitens Inszenierung/Dramaturgie/Regie sind wir wieder mal als Formation der „Freirampe“ unterwegs. Wir haben bereits 2014 zusammengearbeitet, was sehr gut lief. Und was die Besetzung angeht, haben wir unser „Dream-Team“ gewinnen können. Es besteht aus Doris Strütt vom Kellertheater Winterthur, Judith Koch und Romeo Meyer.

Traum-Trio: Romeo Meyer, Doris Strütt & Judith Koch

Ein Trio als Besetzung klingt nach einer inhaltlichen Dreiecks-Kiste. Eine Dreiecks-Kiste ist es schon irgendwie. Aber anders, als vielleicht erwartet. Prinzipiell geht es um eine hochproblematische, symbiotische und stark auf Macht und Druck angelegte Mutter-Tochter-Beziehung. Und es geht darum, wie ein junger Mann in diese Konstellation hinein katapultiert wird und was dann daraus entsteht….

Wie fühlt es sich an, wenn eine Idee, die man so lange alleine ausgefeilt hat, praktisch von anderen „übernommen“ wird und einen zusätzlichen Drive bekommt? Die Umsetzung auf der Bühne ist ja eigentlich die Erfüllung der Arbeit, da ein Drama nicht als Lese-Stück angelegt ist. Das bedeutet: Selbst, wenn es fertig geschrieben ist, ist es noch nicht fertig. Ich verfolge den Ansatz, dass das, was der Regisseur daraus weiter macht, zwar sein kann, aber nicht sein MUSS, was ich beim Schreiben im Kopf gesehen habe. Und Stefan Camenzind, der das Stück nun inszeniert, vertraue ich voll und ganz.

Zum Schluss noch eine Sache: Das Stück ist da, die Crew ist da… sind denn auch die nötigen finanziellen Mittel für die Umsetzung da? Uff, das ist vermutlich die einzige Knacknuss bei der ganzen Sache. Bei Theater-Produktionen ist die Finanzierung ein echtes Problem. Die ist immer schwierig zu stemmen. Aktuell haben wir daher auch eine Crowdfunding-Kampagne am Laufen, weil wir damit schon einmal tollen Erfolg hatten. Mal abwarten, ob es auch diesmal klappt. Falls nicht, suchen wir eine andere Lösung. Bisher haben wir immer noch eine gefunden.

Danke Rebecca C. Schnyder für die spannende Unterhaltung. Und viel Erfolg beim Crowdfunding. Wer die Produktion von Alles trennt unterstützen will, kann dies übrigens noch bis Mitte September tun. Und zwar hier: 100-days

 

Zum Inhalt von Alles trennt
von Rebecca C. Schnyder

„Zwei für ein Ganzes“: Seit Renata von ihrem Mann verlassen wurde, zählen für sie nur noch der Alkohol und die Beziehung zu ihrem Kind. Um ihre Tochter Lina immer mehr an sich zu binden, zwingt Renata ihr deshalb ein rigides Ordnungssystem auf. Und so beschränkt sich Linas Leben auf die halbtätige Arbeit in der Fabrik, den wöchentlichen Einkauf und auf das Sortieren der zahlreichen Pfandflaschen. Allein ihre Fantasie – angeregt durch Werbeslogans aller Art, welche ihre Weltansicht und Kommunikation formen – verschafft kleine Ausflüchte aus der Struktur. Als eines Tages der Jurastudent Leo auftaucht, um eine Räumungsklage vorbeizubringen, droht die strikte Ordnung zwischen Mutter und Tochter jedoch zu bröckeln.

In kurzen, zarten Episoden entwickelt die Autorin ein zerstörerisches Spiel um Schuld und Sühne und eine berührende Geschichte, in der die Sehnsucht nach individueller Entfaltung Überhand gewinnt, bis der Bruch im „Ganzen“ nicht mehr zu kitten ist.

 

Spieldaten Alles trennt

(Bilder: Rebecca C. Schnyder)

„Geiler Block“ – Kunstspektakel in Trogen

Bigger, better, ELEPHANT – so könnte man die zweite Auflage des „Geilen Blocks“ wohl beschreiben. Nachdem Kunstfigur Leila Bock (alias Künstlerin Anita Zimmermann) bereits 2015 einen Haufen Kunstschaffender zusammengetrommelt hat, um in einem Abrisshaus im St. Galler Rotmonten-Quartier Kunst mal richtig krachen zu lassen, macht sie nun Trogen unsicher. Ab HEUTE, 9. Juni um 18.30h ist es wieder soweit. Hier weitere Details…
Leila Bock hat 30 KünstlerInnen von Berlin über Zürich bis nach Appenzell eingeladen, im leerstehenden ehemaligen Versandhaus Cornelia an 3 Wochenenden im Juni auszustellen. Freitag und Sonntag werden jeweils „Schnörkel-Texte“ vorgetragen.

Schnörkel-Texte

Für diese Texte hat Leila Bock hat ‚Freunde von Künstlern’ angefragt, einen Schnörkel-Text zu schreiben und dem Publikum vorzutragen. Über, wie es auf der Website heisst „ein Thema, das schon lange für eine Rede parat war, etwas Schönes, Wichtiges oder Unwichtiges, frei Erfundenes, wenn nicht sogar Unwahres, etwas Überflüssiges, so wie die Schnörkel der Fraktura-Schriften, unsinnig und unlogisch Schönes.“ Am Samstag hat es Musik an der Bar und am Sonntag gibt es Frühstück.

„botanico“ (Stefan Rohner)

Mit von der Partie sind übrigens unter anderem Andrea Vogel, Stefan Rohner, Christian Hörler und viele mehr…
Hier findet sich der Info-Flyer von Geiler_Block_2017 zum Downloads.

„Must hear“: Klangkosmos mit Christian Zehnder im LATTICH

Flohmärkte, Performances und manches mehr: Zur Zeit tut sich viel in Sachen Kultur auf dem Güterbahnhofareal in St. Gallen. Das Zwischennutzungs-Projekt „Lattich“ treibt auch 2017 wilde und wunderbare Blüten. Eine davon ist Christian Zehnder und seine SONGS FROM NEW SPACE MOUNTAIN. Ein musikalisches Experiment, das seines gleichen sucht und am 27. Mai um 20 h zu erleben ist! Ran an die Tickets!

Das Kuratorenteam Ann Katrin Cooper und Tobias Spori, das Zehnder für den Auftritt ins Lattich geholt hat, erklärt dazu:

„Er ist Vo­ka­list, Stim­men­künst­ler, Jod­ler und Ober­ton­sän­ger! Alles trifft auf ihn zu und doch will sich der ei­gen­wil­li­ge Schwei­zer Mu­si­ker, der schon mit dem un­ver­gleich­li­chen Duo Stimm­horn die al­pi­ne Musik neu auf­misch­te und Kult­sta­tus ge­niesst, in sei­ner Viel­falt nicht ein­ord­nen las­sen. Chris­ti­an Zehn­ders mu­si­ka­li­sche Welt schöpft aus den ar­chai­schen Ver­laut­ba­run­gen der mensch­li­chen Stim­me und ist ganz im Topos der al­pi­nen Welt ver­an­kert.

“Eine Reise durch einen un­ver­gleich­li­chen Klang­kos­mos – ein aus­ser­ir­di­scher Hei­mat­abend!”

Aus dem Um­feld des (Musik-) Thea­ters und der zeit­ge­nös­si­schen Musik ent­wi­ckel­te der Stim­men­künst­ler fern­ab von Tra­di­tio­nen eine ganz ei­ge­ne Musik, die auch als ima­gi­nä­re Uto­pie der Hei­mat ver­stan­den wer­den kann.

Christian Zehnder (Foto: Nils Fisch)

Als So­list, Kom­po­nist und Re­gis­seur trans­for­miert er Es­sen­ti­el­les aus dem al­pi­nen Schaf­fens­raum in ver­schie­de­ne Dis­zi­pli­nen und be­haup­tet darin kom­pro­miss­los eine ei­gen­stän­di­ge künst­le­ri­sche Vi­si­on: den new space moun­tain.“

Chris­ti­an Zehn­der (CH): Stim­me, Ober­ton­ge­sant, Glo­bal-Jo­de­ling
Ma­ni­pu­lier­te Klang­werk­zeu­ge: Wipp­kor­de­on, Mund­pfei­fen, Trüm­pi, Tau­cher­bril­le, Schel­le, Mi­ni­moog, Elec­tro­nic Tan­pu­ra u.a.

Ort: HALLE – Raum für die Künste im Lattich-Quartier, Güterbahnhofstrasse 8, 9000 St.Gallen
Tickets: 30 Fr / 15 Fr ermässigt | www.lattich.ch oder an der Abendkasse ab 19 Uhr

Wortlaut 2017: Neue Textformen «entdeckbar» machen

Ab kommenden Donnerstag ist es wieder so weit: Das Literaturfestival «Wortlaut» geht erneut über die Bühne. Seit seiner ersten Auflage vor neun Jahren, hat es sich zu einem der kulturellen Highlight des St. Galler Jahres oder überhaupt der Region gemausert. Rebecca C. Schnyder, die sich selbst als Programm-Koordinatorin bei «Wortlaut» bezeichnet, erklärte mir bei Kaffee und Limo was «Wortlaut»  so besonders macht – und auch, was man unter einem «Zeichenduell» zu verstehen hat.

«Wortlaut» ist momentan wieder in aller Munde? Aber wieso eigentlich? Unser Programm ist – auch im Vergleich zu anderen Literaturfestivals–  toll positioniert: Wir bieten eine ausgesprochene Vielfalt. Kaum ein anderes Literaturfestival bringt vergleichbares. Bei uns gibt es altvertraute Textformen, aber auch solche, die erst in den letzten Jahren so richtig zum Durchbruch kamen wie etwa Graphic  Novels oder Spoken Word.

Literatur lebendig transportieren

Klingt ein bisschen danach, als sei «Wortlaut» ein Festival, das nicht für Otto-Normal-Verbraucher, sondern für Literatur-Experten ist. Das stimmt nicht. Bei uns ist nichts «literarisch-elitär» oder abgehoben. Es ist eher umgekehrt so, dass bei  «Wortlaut»  Literatur lebendig und erlebbar transportiert wird. Dabei versuchen wir schon «Sichtbar-Macher» neuer Textformen zu sein und eine Bühne für neue Arten des literarischen Arbeitens zu öffnen. Aber das richtet sich auch klar an Leute, die keineswegs Literaturkenner sind.

Rebecca C. Schnyder beim Gespräch im Kaffeehaus St. Gallen

Wie kommt bei euch das Programm zustande? Habt ihr Bewerber, die ihr berücksichtigt oder geht ihr gezielt auf Schreibende zu? Wir gehen auf die Schreibenden zu. «Wortlaut» ist in vier Reihen aufgebaut und für jede ist ein Literaturspezialist zuständig, der sich das Reihen-Programm überlegt. Alle Ideen werden im Team abgestimmt und fixiert. Im Anschluss versuchen wir dann, die entsprechenden Autorinnen und Autoren an Land zu ziehen. Dabei ist unsere Auswahl klar deutschsprachig ausgerichtet. Und natürlich achten wir darauf, Ostschweizer Schreibende einzubeziehen.

Versteht ihr «Wortlaut»  primär als kulturelles Spass-Event? Oder habt ihr auch etwas wie einen Bildungsanspruch für die Bevölkerung im Kopf? Oh je, was für eine Frage!! Ich würde mal so sagen:  Wir laden Leuten ein, Literatur niederschwellig zu entdecken. Eine Tour Literaire zu unternehmen. Deswegen gibt es bei uns auch ganz verschiedene Ticket-Formate.  Mit dem Samstags-Tages-Pass bekommt man beispielsweise für 40 Franken Zutritt zu 18 total verschiedenen Veranstaltungen. Nennt man sowas ein «Bildungsangebot»? Vielleicht (lacht).

Und zum Schluss: Gibt’s was am diesjährigen «Wortlaut», das so noch nie da war? Beispielsweise das «Zeichenduell». Da treten zwei gegeneinander an und zeichnen. Wer sich nun wundert, was das mit Literatur zu tun hat, dem kann man sagen: Die Übertragung einer Geschichte in Gezeichnetes ist literarisches Arbeiten. Und daher findet sowas bei uns seinen Platz.

Vielen Dank an Rebecca C. Schnyder für die anregenden Inputs!

 

Lust auf mehr «Wortlaut»? Dann geht’s hier zur ausführlichen Informationen: Daten, Tickets und Programm.

Und wer mehr über Rebecca C. Schnyder selbst erfahren möchte, kann sich auf ihrer Website schlau machen.

 

 

Weltmusikalisches Feuerwerk

Drei Geiger, ein Cellist und ein Kontrabassist aus Polen bilden das „Volosi Quintett“. Es tritt am kommenden Sonntag, 12. März bei kleinaberfein in St.Gallen auf. Man darf auf ein weltmusikalisches Feuerwerk gespannt sein, verspricht Veranstalter Richard Butz.

Butz erklärt, dass im „Volosi Quintett“ zwei klassisch ausgebildete Musiker auf drei Dorfmusiker aus den polnischen Karpaten (Beskiden) aufeinander treffen. „Diese fünf Musiker tauchen tief in ihre musikalischen Traditionen ein, sprengen Grenzen und Kategorien, improvisieren und tanzen auf ihren Streichinstrumenten – bis hin zur Trance“, erläutert der Musikkenner weiter.

Ähnlich begeistert wie Richard Butz hat sich vor einigen Jahren auch der WDR schon zu den fünf Musikern aus Polen geäussert. Damals klang das so: „Das polnische Quintett Vołosi: ungeheuer energetisch, zupackend, mitreissend, ein Feuer, das aus dem Funkenflug zwischen klassischer Virtuosität und hochgebirglerischem Tanzboden-Drive entsteht“.

Die Besetzung

Krzysztof Lasón – Geige
Zbigniew Michałek – Geige
Stanisław Lasón – Cello
Jan Kaczmarzyk – Bratsche, Dudelsack
Robert Waszut – Kontrabass

Das Konzert findet im Musiksaal des Centrums dkms (Diözesane Kirchenmusikschule), Auf dem Damm 17 / Gallusplatz, St.Gallen, statt und beginnt um 17 Uhr. Türöffnung ist um 16.30 Uhr. Reservation wird empfohlen unter: kontakt@kleinaberfein.sg. Mehr Infos unter: www.kleinaberfein.sg

Apropos: Das international auftretende Quintett kommt erstmals nach St.Gallen. Also…..!!!!

 

Kontakt:

kleinaberfein (Kaf) St.Gallen
c/o Richard Butz
Postfach 22
9004 St.Gallen

fon und mail: 071 – 222 40 06 ; buewik@bluewin.ch

Welten aus Nebel und Rauch – Tine Edel zeigt „Inside the Grain“

„Da will ich mal rein klettern, mich umschauen. Nachforschen.“ Das waren so meine ersten Gedanken beim Blick auf die schwarz-weissen Fotografien, die Tine Edel unter dem Titel „Inside the Grain“ aktuell im Architekturforum Ostschweiz zeigt. Ihre Arbeiten auf Papier und Glas kommen im kleinen Format und frei von Effekthascherei daher. Vielmehr zeigen sie auf wenige Elemente reduzierte Bildwelten. Die allerdings scheinen wie aus Nebel und Rauch gemacht. Etwas gespenstisch. Und gerade drum umso reizvoller.

„Gespensterstuhl“, „Es kommt hervor“ und „Der Geist“ lauten tatsächlich auch drei der Werktitel, dieser über dreissig Stücke umfassenden Schau. Das wars dann von den Titeln her auch bereits in Sachen „Gespenstisch“. Allerdings vermitteln diese drei einen guten Eindruck, womit der Betrachter rechnen darf: Nämlich mit Bildmotiven, die zwar unserem Alltag entnommen sind, aber trotzdem nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Nicht so ganz jedenfalls. Was man sieht, entzieht sich den physikalischen Gesetzmässigkeiten irgendwie. Schwerkraft, Lichteinfall, Grössenverhältnisse? In Tine Edels Bildern lösen sich gängige Regeln auf…

Blick in neue Welten

Auf einer Arbeit schwebt beispielsweise ein Tisch durch die Luft. Er fliegt durch etwas hindurch, in etwas hinein. Aber was das ist? Man weiss es nicht. Auf einem weiteren Blatt befindet sich ein leuchtend heller Lichtspalt: Ist es ein Durchgang? Eine Zimmerecke, die aufbricht und sich öffnet zum Eintritt in eine neue Dimension?

„Tisch“ 2016 – Belichtung eines 8×10″ Papiernegativ. 24x30cm analoges Fotopapier von Adox

 

Solche und viele andere Ideen stellen sich ein, sobald man in die Bilder Tine Edels hinab taucht. Das ein oder andere übt geradezu  Sogwirkung aus und man fühlt sich verführt, über die Bildschwelle zu schlüpfen und sich selbst in diesen ungewöhnlichen hell-dunklen Räumen umzuschauen.

 

„Gespensterstuhl“ 2016 – Belichtung eines 8×10″ Papiernegativ. 24x30cm analoges Fotopapier von Adox

Analog experimentiert

Tine Edel erzielt diese Wirkung auf denkbar unspektakuläre Art: Sie experimentiert schlichtweg mit den vielfältigen analogen fotografischen Verfahren. Da werden die Möglichkeiten der Mehrfachbelichtung ausgelotet. Werden Entwicklerflüssigkeit und Fixierer mal gemischt, mal erhitzt. Werden Motive verschieden gross abgelichtet und nebeneinander komponiert. Die Arbeiten, die daraus entstehen und die sie teilweise nur mit Passepartout und ungerahmt an die Wände bringt, sind einfach beeindruckend.

Doch davon überzeugt man sich am besten selbst!

Noch bis 26. März ist die Ausstellung „Inside the Grain“ von Di-So jeweils in der Zeit von 14 – 17 Uhr geöffnet. Wo: Lagerhaus Architektur Forum Ostschweiz Davidstrasse 40 9000 St.Gallen

NICHT VERPASSEN!

Tine Edels Aktion im Architekturforum „Im inneren der Camera Obscura“
Am 18.3. von 12-16 h verwandelt sie dann den gesamten Ausstellungsraum in eine „Camera Obscura“. Dafür holt sie das Projektionsbild von aussen durch ein Loch im Fenster nach innen.

 

(Bilder: Daniela Rüegg, Abtwil – mit freundlicher Genehmigung von Tine Edel)

 

Kultur im «Lat­tich» – Gratis Location für Kurz-Projekte

«Lat­tich» geht in Runde zwei!!! Bereits im Spät­som­mer 2016 wurde unter diesem  Titel das Gü­ter­bahn­hofare­al mit SBB-Halle im Herzen St.Gallens für eine kulturelle Zwischennutzung geöffnet. Aus­stel­lun­gen, Film­aben­de und vieles mehr gaben sich dort ein Stelldichein. Und die Resonanz der kulturinteressierten Öffentlichkeit war immens. Deshalb geht’s weiter mit «Lat­tich». Von Mai bis Oktober 2017 wird die auf dem Areal liegende Lagerhalle sogar für spezifische kulturelle Projekte teilweise gratis vergeben! Interessierte können sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier bewerben. Und zwar an halle@lattich.ch

„Wir bieten Platz für renommiertes Kunstschaffen, innovative Formen und überraschende Experimente“, erklärt Ann Katrin Cooper, welche gemeinsam mit Tobias Spori für das Geschehen in der Halle zuständig ist. Beide zielen auf ein Programm ab, das den darstellenden Künsten wie Sprech- und Musiktheater, Tanz und Performance ebenso gerecht wird, wie den bildenden Künsten und der Literatur. Mit der Sparte „Jungblut“ ist ein Programm von und für junge Menschen vorgesehen.

Im «Lat­tich» sind Künstler aller Sparten gesucht

Jeden Monat soll zudem der Raum an fünf Tagen Kunst- und Kulturschaffenden für ein spezifisches Projekt gratis zur Verfügung stehen. Kreativ-Täter mit Bezug zum Kanton St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden oder zum Thurgau hat, sind herzlich eingeladen, sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier zu bewerben.

Parallel zur Bespielung der SBB-Lagerhalle durch Kunst- und Kulturschaffende wird aber auch die Aussenfläche erneut belebt – unter anderem mit einem Spielort für Kinder, einem kleinem Gastronomie-Angebot und einem Gardening-Projekt.

Was Lattich ist und worum es geht… dazu finden sich hier weitere Eindrücke:

Klick drauf! Film Lattich

 

Oder im aktuellen Tagblatt-Bericht sowie im SAITEN-Magazin

 

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

Gabriela Falkner, Co-Präsidentin Verein «Lattich», 078  910 74 71, info@lattich.ch
Marcus Gossolt, Co-Präsident Verein «Lattich», 071 534 38 55, info@lattich.ch
Ann Katrin Cooper, Kuratorin der Halle, 078 866 29 33, halle@lattich.ch