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Vom Bild im Kopf zum Bühnenstück

„Was am Schluss auf der Bühne ist, darf anders sein, als das, was ich beim Schreiben im Kopf dazu gesehen habe.“, findet Autorin Rebecca C. Schnyder. Mitte September wird ihr preisgekröntes Stück „Alles trennt“ in der St. Galler Kellerbühne uraufgeführt. Rund zwei Monate vor der Premiere sprach das rothaarige Energiebündel über Traumbesetzungen und Finanzierungs-Knacknüsse.

Rebecca, im Herbst kommt dein neues Bühnenstück Alles trennt zur Aufführung. Wie lange ist dieses Projekt bereits in der „Pipeline“? Oh, schon eine ganze Weile. So richtig nahm die Idee, die Inszenierung des Stücks voranzutreiben, aber 2015 an Fahrt auf.

Gab es einen bestimmten Auslöser? 2015 wurde Alles trennt zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Das ist ein renommiertes Festival für neue Dramatik,  welches seit 1984 durchgeführt wird. Jährlich werden dort im Rahmen eines Wettbewerbs weit über hundert Werke beurteilt und sechs erhalten eine Einladung zum Festival. Ausserdem werden die eingeladenen Stücke mit einer szenischen Lesung und Autoren- Gespräch der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Alles trennt eingeladen wurde, war meine Motivation gross, nun auch richtig damit auf die Bühne zu gehen.

Mit wem setzt du denn dein Projekt um? Seitens Inszenierung/Dramaturgie/Regie sind wir wieder mal als Formation der „Freirampe“ unterwegs. Wir haben bereits 2014 zusammengearbeitet, was sehr gut lief. Und was die Besetzung angeht, haben wir unser „Dream-Team“ gewinnen können. Es besteht aus Doris Strütt vom Kellertheater Winterthur, Judith Koch und Romeo Meyer.

Traum-Trio: Romeo Meyer, Doris Strütt & Judith Koch

Ein Trio als Besetzung klingt nach einer inhaltlichen Dreiecks-Kiste. Eine Dreiecks-Kiste ist es schon irgendwie. Aber anders, als vielleicht erwartet. Prinzipiell geht es um eine hochproblematische, symbiotische und stark auf Macht und Druck angelegte Mutter-Tochter-Beziehung. Und es geht darum, wie ein junger Mann in diese Konstellation hinein katapultiert wird und was dann daraus entsteht….

Wie fühlt es sich an, wenn eine Idee, die man so lange alleine ausgefeilt hat, praktisch von anderen „übernommen“ wird und einen zusätzlichen Drive bekommt? Die Umsetzung auf der Bühne ist ja eigentlich die Erfüllung der Arbeit, da ein Drama nicht als Lese-Stück angelegt ist. Das bedeutet: Selbst, wenn es fertig geschrieben ist, ist es noch nicht fertig. Ich verfolge den Ansatz, dass das, was der Regisseur daraus weiter macht, zwar sein kann, aber nicht sein MUSS, was ich beim Schreiben im Kopf gesehen habe. Und Stefan Camenzind, der das Stück nun inszeniert, vertraue ich voll und ganz.

Zum Schluss noch eine Sache: Das Stück ist da, die Crew ist da… sind denn auch die nötigen finanziellen Mittel für die Umsetzung da? Uff, das ist vermutlich die einzige Knacknuss bei der ganzen Sache. Bei Theater-Produktionen ist die Finanzierung ein echtes Problem. Die ist immer schwierig zu stemmen. Aktuell haben wir daher auch eine Crowdfunding-Kampagne am Laufen, weil wir damit schon einmal tollen Erfolg hatten. Mal abwarten, ob es auch diesmal klappt. Falls nicht, suchen wir eine andere Lösung. Bisher haben wir immer noch eine gefunden.

Danke Rebecca C. Schnyder für die spannende Unterhaltung. Und viel Erfolg beim Crowdfunding. Wer die Produktion von Alles trennt unterstützen will, kann dies übrigens noch bis Mitte September tun. Und zwar hier: 100-days

 

Zum Inhalt von Alles trennt
von Rebecca C. Schnyder

„Zwei für ein Ganzes“: Seit Renata von ihrem Mann verlassen wurde, zählen für sie nur noch der Alkohol und die Beziehung zu ihrem Kind. Um ihre Tochter Lina immer mehr an sich zu binden, zwingt Renata ihr deshalb ein rigides Ordnungssystem auf. Und so beschränkt sich Linas Leben auf die halbtätige Arbeit in der Fabrik, den wöchentlichen Einkauf und auf das Sortieren der zahlreichen Pfandflaschen. Allein ihre Fantasie – angeregt durch Werbeslogans aller Art, welche ihre Weltansicht und Kommunikation formen – verschafft kleine Ausflüchte aus der Struktur. Als eines Tages der Jurastudent Leo auftaucht, um eine Räumungsklage vorbeizubringen, droht die strikte Ordnung zwischen Mutter und Tochter jedoch zu bröckeln.

In kurzen, zarten Episoden entwickelt die Autorin ein zerstörerisches Spiel um Schuld und Sühne und eine berührende Geschichte, in der die Sehnsucht nach individueller Entfaltung Überhand gewinnt, bis der Bruch im „Ganzen“ nicht mehr zu kitten ist.

 

Spieldaten Alles trennt

(Bilder: Rebecca C. Schnyder)

„Geiler Block“ – Kunstspektakel in Trogen

Bigger, better, ELEPHANT – so könnte man die zweite Auflage des „Geilen Blocks“ wohl beschreiben. Nachdem Kunstfigur Leila Bock (alias Künstlerin Anita Zimmermann) bereits 2015 einen Haufen Kunstschaffender zusammengetrommelt hat, um in einem Abrisshaus im St. Galler Rotmonten-Quartier Kunst mal richtig krachen zu lassen, macht sie nun Trogen unsicher. Ab HEUTE, 9. Juni um 18.30h ist es wieder soweit. Hier weitere Details…
Leila Bock hat 30 KünstlerInnen von Berlin über Zürich bis nach Appenzell eingeladen, im leerstehenden ehemaligen Versandhaus Cornelia an 3 Wochenenden im Juni auszustellen. Freitag und Sonntag werden jeweils „Schnörkel-Texte“ vorgetragen.

Schnörkel-Texte

Für diese Texte hat Leila Bock hat ‚Freunde von Künstlern’ angefragt, einen Schnörkel-Text zu schreiben und dem Publikum vorzutragen. Über, wie es auf der Website heisst „ein Thema, das schon lange für eine Rede parat war, etwas Schönes, Wichtiges oder Unwichtiges, frei Erfundenes, wenn nicht sogar Unwahres, etwas Überflüssiges, so wie die Schnörkel der Fraktura-Schriften, unsinnig und unlogisch Schönes.“ Am Samstag hat es Musik an der Bar und am Sonntag gibt es Frühstück.

„botanico“ (Stefan Rohner)

Mit von der Partie sind übrigens unter anderem Andrea Vogel, Stefan Rohner, Christian Hörler und viele mehr…
Hier findet sich der Info-Flyer von Geiler_Block_2017 zum Downloads.

„Must hear“: Klangkosmos mit Christian Zehnder im LATTICH

Flohmärkte, Performances und manches mehr: Zur Zeit tut sich viel in Sachen Kultur auf dem Güterbahnhofareal in St. Gallen. Das Zwischennutzungs-Projekt „Lattich“ treibt auch 2017 wilde und wunderbare Blüten. Eine davon ist Christian Zehnder und seine SONGS FROM NEW SPACE MOUNTAIN. Ein musikalisches Experiment, das seines gleichen sucht und am 27. Mai um 20 h zu erleben ist! Ran an die Tickets!

Das Kuratorenteam Ann Katrin Cooper und Tobias Spori, das Zehnder für den Auftritt ins Lattich geholt hat, erklärt dazu:

„Er ist Vo­ka­list, Stim­men­künst­ler, Jod­ler und Ober­ton­sän­ger! Alles trifft auf ihn zu und doch will sich der ei­gen­wil­li­ge Schwei­zer Mu­si­ker, der schon mit dem un­ver­gleich­li­chen Duo Stimm­horn die al­pi­ne Musik neu auf­misch­te und Kult­sta­tus ge­niesst, in sei­ner Viel­falt nicht ein­ord­nen las­sen. Chris­ti­an Zehn­ders mu­si­ka­li­sche Welt schöpft aus den ar­chai­schen Ver­laut­ba­run­gen der mensch­li­chen Stim­me und ist ganz im Topos der al­pi­nen Welt ver­an­kert.

“Eine Reise durch einen un­ver­gleich­li­chen Klang­kos­mos – ein aus­ser­ir­di­scher Hei­mat­abend!”

Aus dem Um­feld des (Musik-) Thea­ters und der zeit­ge­nös­si­schen Musik ent­wi­ckel­te der Stim­men­künst­ler fern­ab von Tra­di­tio­nen eine ganz ei­ge­ne Musik, die auch als ima­gi­nä­re Uto­pie der Hei­mat ver­stan­den wer­den kann.

Christian Zehnder (Foto: Nils Fisch)

Als So­list, Kom­po­nist und Re­gis­seur trans­for­miert er Es­sen­ti­el­les aus dem al­pi­nen Schaf­fens­raum in ver­schie­de­ne Dis­zi­pli­nen und be­haup­tet darin kom­pro­miss­los eine ei­gen­stän­di­ge künst­le­ri­sche Vi­si­on: den new space moun­tain.“

Chris­ti­an Zehn­der (CH): Stim­me, Ober­ton­ge­sant, Glo­bal-Jo­de­ling
Ma­ni­pu­lier­te Klang­werk­zeu­ge: Wipp­kor­de­on, Mund­pfei­fen, Trüm­pi, Tau­cher­bril­le, Schel­le, Mi­ni­moog, Elec­tro­nic Tan­pu­ra u.a.

Ort: HALLE – Raum für die Künste im Lattich-Quartier, Güterbahnhofstrasse 8, 9000 St.Gallen
Tickets: 30 Fr / 15 Fr ermässigt | www.lattich.ch oder an der Abendkasse ab 19 Uhr

Wortlaut 2017: Neue Textformen «entdeckbar» machen

Ab kommenden Donnerstag ist es wieder so weit: Das Literaturfestival «Wortlaut» geht erneut über die Bühne. Seit seiner ersten Auflage vor neun Jahren, hat es sich zu einem der kulturellen Highlight des St. Galler Jahres oder überhaupt der Region gemausert. Rebecca C. Schnyder, die sich selbst als Programm-Koordinatorin bei «Wortlaut» bezeichnet, erklärte mir bei Kaffee und Limo was «Wortlaut»  so besonders macht – und auch, was man unter einem «Zeichenduell» zu verstehen hat.

«Wortlaut» ist momentan wieder in aller Munde? Aber wieso eigentlich? Unser Programm ist – auch im Vergleich zu anderen Literaturfestivals–  toll positioniert: Wir bieten eine ausgesprochene Vielfalt. Kaum ein anderes Literaturfestival bringt vergleichbares. Bei uns gibt es altvertraute Textformen, aber auch solche, die erst in den letzten Jahren so richtig zum Durchbruch kamen wie etwa Graphic  Novels oder Spoken Word.

Literatur lebendig transportieren

Klingt ein bisschen danach, als sei «Wortlaut» ein Festival, das nicht für Otto-Normal-Verbraucher, sondern für Literatur-Experten ist. Das stimmt nicht. Bei uns ist nichts «literarisch-elitär» oder abgehoben. Es ist eher umgekehrt so, dass bei  «Wortlaut»  Literatur lebendig und erlebbar transportiert wird. Dabei versuchen wir schon «Sichtbar-Macher» neuer Textformen zu sein und eine Bühne für neue Arten des literarischen Arbeitens zu öffnen. Aber das richtet sich auch klar an Leute, die keineswegs Literaturkenner sind.

Rebecca C. Schnyder beim Gespräch im Kaffeehaus St. Gallen

Wie kommt bei euch das Programm zustande? Habt ihr Bewerber, die ihr berücksichtigt oder geht ihr gezielt auf Schreibende zu? Wir gehen auf die Schreibenden zu. «Wortlaut» ist in vier Reihen aufgebaut und für jede ist ein Literaturspezialist zuständig, der sich das Reihen-Programm überlegt. Alle Ideen werden im Team abgestimmt und fixiert. Im Anschluss versuchen wir dann, die entsprechenden Autorinnen und Autoren an Land zu ziehen. Dabei ist unsere Auswahl klar deutschsprachig ausgerichtet. Und natürlich achten wir darauf, Ostschweizer Schreibende einzubeziehen.

Versteht ihr «Wortlaut»  primär als kulturelles Spass-Event? Oder habt ihr auch etwas wie einen Bildungsanspruch für die Bevölkerung im Kopf? Oh je, was für eine Frage!! Ich würde mal so sagen:  Wir laden Leuten ein, Literatur niederschwellig zu entdecken. Eine Tour Literaire zu unternehmen. Deswegen gibt es bei uns auch ganz verschiedene Ticket-Formate.  Mit dem Samstags-Tages-Pass bekommt man beispielsweise für 40 Franken Zutritt zu 18 total verschiedenen Veranstaltungen. Nennt man sowas ein «Bildungsangebot»? Vielleicht (lacht).

Und zum Schluss: Gibt’s was am diesjährigen «Wortlaut», das so noch nie da war? Beispielsweise das «Zeichenduell». Da treten zwei gegeneinander an und zeichnen. Wer sich nun wundert, was das mit Literatur zu tun hat, dem kann man sagen: Die Übertragung einer Geschichte in Gezeichnetes ist literarisches Arbeiten. Und daher findet sowas bei uns seinen Platz.

Vielen Dank an Rebecca C. Schnyder für die anregenden Inputs!

 

Lust auf mehr «Wortlaut»? Dann geht’s hier zur ausführlichen Informationen: Daten, Tickets und Programm.

Und wer mehr über Rebecca C. Schnyder selbst erfahren möchte, kann sich auf ihrer Website schlau machen.

 

 

Weltmusikalisches Feuerwerk

Drei Geiger, ein Cellist und ein Kontrabassist aus Polen bilden das „Volosi Quintett“. Es tritt am kommenden Sonntag, 12. März bei kleinaberfein in St.Gallen auf. Man darf auf ein weltmusikalisches Feuerwerk gespannt sein, verspricht Veranstalter Richard Butz.

Butz erklärt, dass im „Volosi Quintett“ zwei klassisch ausgebildete Musiker auf drei Dorfmusiker aus den polnischen Karpaten (Beskiden) aufeinander treffen. „Diese fünf Musiker tauchen tief in ihre musikalischen Traditionen ein, sprengen Grenzen und Kategorien, improvisieren und tanzen auf ihren Streichinstrumenten – bis hin zur Trance“, erläutert der Musikkenner weiter.

Ähnlich begeistert wie Richard Butz hat sich vor einigen Jahren auch der WDR schon zu den fünf Musikern aus Polen geäussert. Damals klang das so: „Das polnische Quintett Vołosi: ungeheuer energetisch, zupackend, mitreissend, ein Feuer, das aus dem Funkenflug zwischen klassischer Virtuosität und hochgebirglerischem Tanzboden-Drive entsteht“.

Die Besetzung

Krzysztof Lasón – Geige
Zbigniew Michałek – Geige
Stanisław Lasón – Cello
Jan Kaczmarzyk – Bratsche, Dudelsack
Robert Waszut – Kontrabass

Das Konzert findet im Musiksaal des Centrums dkms (Diözesane Kirchenmusikschule), Auf dem Damm 17 / Gallusplatz, St.Gallen, statt und beginnt um 17 Uhr. Türöffnung ist um 16.30 Uhr. Reservation wird empfohlen unter: kontakt@kleinaberfein.sg. Mehr Infos unter: www.kleinaberfein.sg

Apropos: Das international auftretende Quintett kommt erstmals nach St.Gallen. Also…..!!!!

 

Kontakt:

kleinaberfein (Kaf) St.Gallen
c/o Richard Butz
Postfach 22
9004 St.Gallen

fon und mail: 071 – 222 40 06 ; buewik@bluewin.ch

Welten aus Nebel und Rauch – Tine Edel zeigt „Inside the Grain“

„Da will ich mal rein klettern, mich umschauen. Nachforschen.“ Das waren so meine ersten Gedanken beim Blick auf die schwarz-weissen Fotografien, die Tine Edel unter dem Titel „Inside the Grain“ aktuell im Architekturforum Ostschweiz zeigt. Ihre Arbeiten auf Papier und Glas kommen im kleinen Format und frei von Effekthascherei daher. Vielmehr zeigen sie auf wenige Elemente reduzierte Bildwelten. Die allerdings scheinen wie aus Nebel und Rauch gemacht. Etwas gespenstisch. Und gerade drum umso reizvoller.

„Gespensterstuhl“, „Es kommt hervor“ und „Der Geist“ lauten tatsächlich auch drei der Werktitel, dieser über dreissig Stücke umfassenden Schau. Das wars dann von den Titeln her auch bereits in Sachen „Gespenstisch“. Allerdings vermitteln diese drei einen guten Eindruck, womit der Betrachter rechnen darf: Nämlich mit Bildmotiven, die zwar unserem Alltag entnommen sind, aber trotzdem nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Nicht so ganz jedenfalls. Was man sieht, entzieht sich den physikalischen Gesetzmässigkeiten irgendwie. Schwerkraft, Lichteinfall, Grössenverhältnisse? In Tine Edels Bildern lösen sich gängige Regeln auf…

Blick in neue Welten

Auf einer Arbeit schwebt beispielsweise ein Tisch durch die Luft. Er fliegt durch etwas hindurch, in etwas hinein. Aber was das ist? Man weiss es nicht. Auf einem weiteren Blatt befindet sich ein leuchtend heller Lichtspalt: Ist es ein Durchgang? Eine Zimmerecke, die aufbricht und sich öffnet zum Eintritt in eine neue Dimension?

„Tisch“ 2016 – Belichtung eines 8×10″ Papiernegativ. 24x30cm analoges Fotopapier von Adox

 

Solche und viele andere Ideen stellen sich ein, sobald man in die Bilder Tine Edels hinab taucht. Das ein oder andere übt geradezu  Sogwirkung aus und man fühlt sich verführt, über die Bildschwelle zu schlüpfen und sich selbst in diesen ungewöhnlichen hell-dunklen Räumen umzuschauen.

 

„Gespensterstuhl“ 2016 – Belichtung eines 8×10″ Papiernegativ. 24x30cm analoges Fotopapier von Adox

Analog experimentiert

Tine Edel erzielt diese Wirkung auf denkbar unspektakuläre Art: Sie experimentiert schlichtweg mit den vielfältigen analogen fotografischen Verfahren. Da werden die Möglichkeiten der Mehrfachbelichtung ausgelotet. Werden Entwicklerflüssigkeit und Fixierer mal gemischt, mal erhitzt. Werden Motive verschieden gross abgelichtet und nebeneinander komponiert. Die Arbeiten, die daraus entstehen und die sie teilweise nur mit Passepartout und ungerahmt an die Wände bringt, sind einfach beeindruckend.

Doch davon überzeugt man sich am besten selbst!

Noch bis 26. März ist die Ausstellung „Inside the Grain“ von Di-So jeweils in der Zeit von 14 – 17 Uhr geöffnet. Wo: Lagerhaus Architektur Forum Ostschweiz Davidstrasse 40 9000 St.Gallen

NICHT VERPASSEN!

Tine Edels Aktion im Architekturforum „Im inneren der Camera Obscura“
Am 18.3. von 12-16 h verwandelt sie dann den gesamten Ausstellungsraum in eine „Camera Obscura“. Dafür holt sie das Projektionsbild von aussen durch ein Loch im Fenster nach innen.

 

(Bilder: Daniela Rüegg, Abtwil – mit freundlicher Genehmigung von Tine Edel)

 

Kultur im «Lat­tich» – Gratis Location für Kurz-Projekte

«Lat­tich» geht in Runde zwei!!! Bereits im Spät­som­mer 2016 wurde unter diesem  Titel das Gü­ter­bahn­hofare­al mit SBB-Halle im Herzen St.Gallens für eine kulturelle Zwischennutzung geöffnet. Aus­stel­lun­gen, Film­aben­de und vieles mehr gaben sich dort ein Stelldichein. Und die Resonanz der kulturinteressierten Öffentlichkeit war immens. Deshalb geht’s weiter mit «Lat­tich». Von Mai bis Oktober 2017 wird die auf dem Areal liegende Lagerhalle sogar für spezifische kulturelle Projekte teilweise gratis vergeben! Interessierte können sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier bewerben. Und zwar an halle@lattich.ch

„Wir bieten Platz für renommiertes Kunstschaffen, innovative Formen und überraschende Experimente“, erklärt Ann Katrin Cooper, welche gemeinsam mit Tobias Spori für das Geschehen in der Halle zuständig ist. Beide zielen auf ein Programm ab, das den darstellenden Künsten wie Sprech- und Musiktheater, Tanz und Performance ebenso gerecht wird, wie den bildenden Künsten und der Literatur. Mit der Sparte „Jungblut“ ist ein Programm von und für junge Menschen vorgesehen.

Im «Lat­tich» sind Künstler aller Sparten gesucht

Jeden Monat soll zudem der Raum an fünf Tagen Kunst- und Kulturschaffenden für ein spezifisches Projekt gratis zur Verfügung stehen. Kreativ-Täter mit Bezug zum Kanton St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden oder zum Thurgau hat, sind herzlich eingeladen, sich bis zum 15. April mit einem Kurzdossier zu bewerben.

Parallel zur Bespielung der SBB-Lagerhalle durch Kunst- und Kulturschaffende wird aber auch die Aussenfläche erneut belebt – unter anderem mit einem Spielort für Kinder, einem kleinem Gastronomie-Angebot und einem Gardening-Projekt.

Was Lattich ist und worum es geht… dazu finden sich hier weitere Eindrücke:

Klick drauf! Film Lattich

 

Oder im aktuellen Tagblatt-Bericht sowie im SAITEN-Magazin

 

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

Gabriela Falkner, Co-Präsidentin Verein «Lattich», 078  910 74 71, info@lattich.ch
Marcus Gossolt, Co-Präsident Verein «Lattich», 071 534 38 55, info@lattich.ch
Ann Katrin Cooper, Kuratorin der Halle, 078 866 29 33, halle@lattich.ch

 

ROTES VELO: Tanzen ist wie Fahrradfahren!

Die freie zeitgenössische Tanzszene fördern! Eigenwillige Ideen umsetzen! Mit solchen und anderen Gedanken im Kopf gründeten Hella Immler und Exequiel Barreras im Jahr 2011 ihr „Rotes Velo“. Sie setzten damit eine der ersten freischaffenden Tanzkompanien in St.Gallen in die Welt. Mit der Produktion „Alles Gueti“ feiern sie Ende Januar in der St.Galler Grabenhalle nun ihr fünfjähriges Bestehen. Bei Tee und Karottensaft  haben sie verraten, was Tanzen mit Velo-Fahren zu tun hat und wohin die Reise noch gehen soll…

Als erstes bin ich natürlich neugierig wegen des Namens: „Rotes Velo“. Was – bitteschön – hat Tanzen mit Velo-Fahren zu tun?

Exequiel Barreras: Wir wollten bei der Namenswahl für unsere neue Company keine Verbindung zum menschlichen Körper. Nichts mit „Body“, „Dance“ und so weiter. Aber wir wollten etwas, das Bewegung signalisiert. Da passte „Velo“ sehr gut. Ich selbst komme ursprünglich aus Argentinien, wo Radfahren eher unüblich ist. Das „Velo“ habe ich erst in Europa für mich entdeckt – und es schnell lieben gelernt, weil man sich so frei damit bewegen und so schnell vorankommen kann.

Hella Immler: Ausserdem hat uns ein Zitat von Albert Einstein gut gefallen: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben“. Das ist für uns ein wichtiger Gedanke bei dem, wie wir arbeiten.

Gemeinsam mit einem Dritten im Bunde, Emilio Díaz Abregú, leitet ihr eure Company. Wir verteilt ihr die Aufgaben? Habt ihr eine Stammbesetzung?

Hella Immler: Unser „Rotes Velo“ wird von vielen gefahren. Bislang haben im Wechsel 50 verschiedene Künstler aus 14 unterschiedlichen Ländern mitgewirkt. Daneben haben wir eine grosse Zahl privater Helfer, ohne die es nicht ginge. Und was die Leitung des „Velos“ durch uns drei angeht: Da ist es so, dass mal der eine lenkt, der andere tritt und der dritte sitzt hinten drauf. Und dann wird getauscht und der Lenker übernimmt zum Beispiel das Treten. Wir haben eine abwechslungsreiche Dynamik in unserem Tun.

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Impression I zu „Alles Gueti“

Exequiel Barreras: Tatsächlich ist es sogar so, dass wir eigentlich ein „Dach“ anbieten, das  dann verschiedenen Künstlern Raum gibt, Sachen auszuprobieren. Da muss nicht mal zwangsläufig jemand von uns die Leitung haben.

Heisst das, ihr seid mit freiem inhaltlichem Konzept unterwegs? Oder gibt es sowas wie einen roten Faden, der euch begeistert und von euch verfolgt wird?

Exequiel Barreras: Seit rund zwei  Jahren wird immer wichtiger, uns Richtung Mensch zu öffnen. Es gilt nicht länger: Hier die Company, da das Publikum – hier der junge Tänzer, da der alte Zuschauer. Wir fragen immer öfter: Was bedeutet Show, was ist Bühne!?

Hella Immler: Das führt dazu, dass wir nicht mehr nur mit Profis arbeiten, sondern auch Amateure einbinden. Für „Alles Gueti“ haben wir Laien dazu geholt. Und noch mehr: Wir haben auch vier Generationen auf der Bühne. Unser jüngster Mitwirkender ist 4, der älteste 80.

Oh, das klingt nach einem Wagnis!

Exequiel Barreras: Das ist es auch. Aber wir wollen es so. Wir trauen uns, das was auch mal nicht perfekt rauskommt. Warum muss auf der Bühne denn immer nur Perfektion stattfinden?! Wir lernen doch vor allem von Personen, die sich noch in einem Prozess befinden. Und das bedeutet dann eben auch, dass darin noch „Fehler“ vorkommen. Wir finden das spannend. Und wir können uns das auch erlauben. Sowas geht natürlich bei einer Produktion in einem Stadttheater nicht.

Wie habt ihr denn den Inhalt zur  „Alles Gueti“ entwickelt? Und worum geht‘s?

Hella Immler: Am Anfang der Produktion haben wir allen, die mitmachen, einen Fragebogen zum Thema Geburtstag gegeben. Aus den Inhalten daraus haben wir dann „Geschichtensplitter“ kreiert. Es geht um Geburtstage, Jahre, Wünsche, Geburt… Die Bühne symbolisiert den „Geburtstagstisch“, wo gefeiert wird. Und das Publikum ist eingeladen, mitzufeiern.

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Impression II zu „Alles Gueti“

Fünf Jahre „Rotes Velo“: Welchen persönlichen Geburtstagswunsch habt ihr für euer „Baby“?

Hella Immler: Für den Moment hat unser „Velo“ gut an Fahrt gewonnen und es wird weiter seinen Weg nehmen. Wohin, das weiss man nicht genau. Ich würde mir wünschen, dass es nicht regional bleibt, sondern auch weiter überregional geht.  Ich freue mich bereits auf neue Begegnungen, andere Produktionen und darauf, auch mit anderen Companies Kooperationen anzustossen.

Exequiel Barreras: Ich bin superglücklich, wo wir im Moment angekommen sind. Mein Traum wäre, dass ich irgendwann mein gesamtes Engagement ins „Rote Velo“ stecken kann. Ich habe immer weniger Ambitionen in Richtung Kunst-Business. Dafür interessiert mich zunehmend die soziale Komponente der Kunst: Ich möchte was für Menschen machen und nah an ihnen dran sein.

DANKE euch, für das tolle Gespräch!

 

Mehr Infos über „Rotes Velo“ finden sich unter www.rotesvelo.ch und in diesem Überblick

(Bilder: (c) „Rotes Velo“, 2017)

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Freie zeitgenössische Tanzszene: 2011 haben Hella Immler und Exequiel Barreras  die ROTES VELO Tanzkompanie gegründet. Für ihre 4-Generationen-Produktion „Alles Gueti“ bekamen sie den Werkbeitrag der Stadt St. Gallen. Und mit eben dieser feierten sie nun am 29. und 31. Januar 2017 das mittlerweile fünfjährige Bestehen ihrer Kompanie. Am ersten Abend war ich dabei. Ein Kommentar…

Gelächter, laute Musik, wirbelnde, hüpfende, tanzende Körper… Es ist ein fulminantes Fest, das da auf der Bühne der Grabenhalle stattfindet, während die Besucher den Saal betreten und auf den Beginn der Schau warten. Irgendwann hat auch der letzte Gast Platz genommen. Es geht los.

Es ist schwer, in Wort zu fassen, was nun in den nächsten ein, zwei Stunden passiert. Denn Exequiel Barreras, der künstlerische Leiter von ROTES VELO, serviert den Zuschauern in dieser Tanz-Theater-Performance ein Mosaik an Eindrücken oder besser: Geschichten-Splittern. Die kommen ganz unterschiedlich daher. In Bewegungen, Mimik, Sprache, Musik. Mal ganz schrill, mal ganz still.

Nehmen wir nur ein Beispiel: Die Geschichte des Mannes, der nicht mehr jung ist. Er tänzelt auf die Bühne und berichtet von Verlusten, die das Leben ihm beschert hat: Haare hat er eingebüsst, auch fast alle Libido. Dafür hat er Lachen hinzugewonnen. Als Zuschauer schmunzelt man und findet das alles recht lustig. Bis dieser letzte Satz kommt, fast nebenbei: „Und die Stimme meines Vaters, wie war die nochmal?“ Da schnürt es einem die Kehle zu. Denn solch Verlust, der wiegt doch anders. Eine Stimme, die vielleicht zeitlebens nur tadelte – oder immer Trost und Rat spendete, wird nicht mehr erinnert. Ist unwiederbringlich verloren. Was geschieht da mit mir?

Viele solcher Geschichten werden in „Alles Gueti“ erzählt. Einige werden getanzt, andere gesungen. Mal bordet die Bühne fast über vor Leibern. Dann wieder ist sie fast menschenleer. Es gibt Geschichten, die den grossen Fragen zu Liebe, Nähe, Hoffnung oder Einsamkeit nachspüren. Und es gibt Geschichten, die von kostbaren kleinen Momenten berichten und dazu anhalten, diese einzufangen. Einige Geschichten erschliessen sich dem Zuschauer leicht. Andere bleiben eher ein Rätsel und fordern den Zuschauer heraus, mehr als zahlender Konsument einer Bühnen-Show zu sein. Verstehen-Wollen, Hintersinnen ist gefragt. Doch selbst dann entschlüsselt sich vielleicht nicht jede Sequenz, bleiben Dinge unklar. Das darf auch so sein. Denn bei „Alles Gueti“ geht es stark darum, Gefühle auszulösen und die eigenen Empfindungen gelten zu lassen. Diese Rechnung geht auf.

Das liegt gewiss daran, dass man sich der Laien-Mitwirkenden bewusst ist, hier und da deren Unsicherheiten spürt. Aber gerade das macht die einzelnen Sequenzen so authentisch und berührend. Denn immer wieder fragt man sich: Ist diese Geschichte echt – oder doch nur reinste Fiktion?

Unterm Strich hat Barreras mit seinem Ensemble aus insgesamt 18 Profis und Laien „Alles Gueti“ für die Zuschauer zu etwas wie einer Geburtstagstorte gemacht: Eine wunderbare Gabe, die in unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen den wirklich grossen Themen des menschlichen Zusammenlebens nachforscht. Und die sich in viele Einzelstücke teilen lässt, mit dem Angebot an jeden Zuschauer, das besondere Stückchen auszuwählen, das ihm persönlich am meisten zusagt.

Kunst im Kleinformat: Künstler Postkarten

Seit 2011 gibt es Richtung Weihnachtszeit bei Gais (AR) einen besonderen Kunst-Anlass: Dann öffnet das Bahnstellen-Häuschen Strahlholz seine Türen für eine Miniatur-Ausstellung. Gezeigt und zum kleinen Preis verkauft werden Kunstwerke im Postkartenformat. Diesmal wirken über 40 Künstler_innen mit. Am 19. und 20. November ist es soweit. Hingehen lohnt! Hier die Details…
In diesem Jahr wirds im Strahlholz international: Künstler_innen aus der Region, aber auch solche aus der gesamten Schweiz, aus Polen, England, Frankreich und Finnland geben sich ein Stelldichein. Und sie verkaufen ihre Originale, Künstler Postkarten, in der wohl kleinsten „Ausstellungshalle“ der Welt.
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Priska Oeler

Die Organisatoren Harlis Hadjidj Schweizer, Birgit Widmer und Hans Schweizer freuen sich besonders, dass neben bekannten Kunstschaffenden auch weniger prominente mitwirken. Ausserdem sind 2016 einige Kunststudenten vertreten. Man darf also auf die Entdeckung von Nachwuchstalenten gespannt sein. Wer in der Vergangenheit mit von der Partie war sowie Pressestimmen finden sich übrigens auf der offiziellen Website: Künstler Postkarten
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Salome Schmuki

 

Ich für meinen Teil freue mich riesig, dass es nun wieder bald soweit ist. Letztes Jahr konnte ich ein paar wunderbare Stücke ergattern. Mal schauen, ob ich auch dieses Jahr was mit nach Hause trage….

Wann & Wo

Wochenende 19. /20. November 2016 jeweils 13 bis 18 Uhr
Haltestelle Strahlholz ( AB Strecke Bühler – Gais )
Telefonische Infos : 071 793 10 62

„darüber hinausgewagt“ von 26 mutigen Autoren!

Buchvernissage am 6. November.

Ein Langzeit-Projekt der Kunstschaffenden Claudia Roemmel geht in die nächste Runde! Und zwar gibts jetzt ein Buch zum Film – und nicht umgekehrt! Roemmel hat zwischen 2009 und 2014 Kurzfilme gedreht. Vor kurzem nun hat sie daraus Standbilder ausgewählt und 26 Schreibende eingeladen, zu 26 dieser Standbilder („Videostills“ wie sie es nennt) neue Geschichten zu fabulieren und diese in Worte zu giessen. Die daraus entstandene Anthologie „darüber hinausgewagt“ wird  am 6. November in St. Gallen der Öffentlichkeit präsentiert.

„Was zuvor geschah…“

Im Laufe von rund vier Jahren hat die Filmemacherin, Tänzerin und Choreografin Claudia Roemmel 143 Menschen gefilmt. Und zwar bei deren jeweiligen persönlichen Wagnissen. Das war zwischen 2009 und 2014. Die entstandenen Videos hat Roemmel nun „weiterverarbeitet“. Nämlich, indem sie diese Filme auf Einzelbilder reduziert hat, „Filmstills“,  und 26 Schreibende darum bat, Texte über diese Bilder zu fabulieren.

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Verschiedene Autorinnen und Autoren aus der Region Bodensee haben sich daraufhin in unterschiedlichen Formaten, Sprachspagaten und Ideen ausgelassen. Entstanden sind ebenso unterschiedliche wie überraschende Gedichte, Erzählungen und Wortspielereien. Sie alle wurden zu „Ddarüber hinausgewagt» zusammengefasst. Roemmel selbst formuliert das so: „…prosaische Texte, die – der Inspiration folgend – Momentaufnahmen sprachlich entwickeln, auffächern und erweitern. Lustvoll und unerwartet.“

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Am 6. November wird das Buch offiziell vorgestellt. Dazu gibt es eine Buchvernissage und die Autoren präsentieren im Rahmen einer Lesung ihre Ideen. Hingehn! Hinhören! Und wo: Raum für Literatur, Hauptpost, St. Gallen – ab 11 h.

Weitere Informationen über dieses Projekt finden sich auf der Website des Verlags – Leseprobe inklusive!