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Kritik am Konsum wird genüsslich konsumiert….

Kunst kritisiert Missstände, z.B. skrupellosen Konsum. Oder würde sich immerhin sehr gut in dieser Rolle gefallen. Aber stimmt das eigentlich? Oder ist Kunst nicht selbst ein reines Konsum-Produkt, das man misstrauisch beäugen müsste – und nicht ehrfurchtsvoll bestaunen??? Eine Cross-Media-Aktion in Wil mit dem vielsagenden Titel „Shopping“ scheint nun noch bis 13. August dieser Frage nachzugehen. Und dieser „etwas andere“ Text tut das auch. Denn die Kunstgeschichte trägt das Thema „Konsum“ ja schon Jahrhunderte mit sich herum.

Shopping steht für die Möglichkeit, etwas zu konsumieren. Wo keine Ware vorhanden ist oder finanzielle Mittel fehlen, kann man nicht konsumieren, kann man nicht shoppen. Doch konsumiert hat der Mensch schon immer gerne und machte dieses auch in Kunstwerken sichtbar. Ein gutes, recht frühes Beispiel sind die niederländischen Barockstillleben um 1600: Werke mit üppig gedeckten Tafeln, exotischen Früchten und vielem mehr.

Stilleben

Pieter Claesz. (1597/8-1660)

Die Auftraggeber dieser Werke waren reich. Sie liebten es, das auch doppelt zu zeigen. Einmal im Abhalten von Festgelagen – oder auch durch deren Inszenierung in einem Kunstwerk. So wurde gelebter Luxus für die Nachwelt fixiert. Konsum, Luxus, Wohlstand, Kunst  waren damals Dinge, die jeder gerne haben wollte. Sie waren selten, damit erstrebenswert und wer konnte, stellte sie stolz zur Schau.

Stolz geht – Scham kommt

Im Laufe der Zeit jedoch veränderte sich diese Haltung. Der Gedanke an Luxus erhielt einen schalen Beigeschmack. Mit einem Mal waren noch andere Begriffe im Raum: Überfluss, Prasserei, Gier, Ausbeutung… Diese Entwicklung beeinflusste auch die Kunst. Sie gab ihr eine neue Richtung, einen veränderten Ansatz.

Eines meiner Lieblingsbeispiele dazu kommt aus dem Jahr 1917 und ist vom französischen Künstler Marcel Duchamp. Sein berühmtes Readymade „Fontain“ ist nämlich nix weiter, als ein handelsübliches Urinal. Dieses signiert er und erklärt es zum Kunstobjekt.

Urinal

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Duchamp#/media/File:Fontaine-Duchamp.jpg

Mancher mag einwenden: „Das war praktisch zur Hochblüte von Dada“.  Aber das ist eigentlich egal. Was mir wichtig ist: Duchamp stösst die an Edles und Bedeutsames gewohnte Kunst-Elite vor den Kopf. Er deklariert ein völlig banales und eher mit „Ekel“ konnotiertes Objekt als Kunst – einfach  gekauft in einem Sanitärgeschäft: Objekt „geshoppt“ und zur Kunst erhoben. Darf man das?

Shoppen ohne Hirn

Die Idee, Kunst und Konsum kritisch miteinander zusammen zu bringen, war jedenfalls nicht mehr tot zu kriegen. Einen Höhepunkt erreicht 1961 der Künstler Claes Oldenburg. Damals eröffnet er in seinem Atelier in New Yorks Lower East Side einen Laden, The Store: Verkaufsort und Produktionsstätte zugleich. Zu kaufen gab es alles,  was man im Alltag brauchte und was auch die Läden der Nachbarschaft anboten. Von Nahrungsmitteln bis zum Schuh. Mit einem Unterschied: Oldenburgs „Produkte“, egal ob Torte oder Kravatte, waren zu nichts zu gebrauchen. Jedes einzelne Stück bestand aus dem gleichen Material: mit Gips überzogenem Musselin und war farbig bemalt.

Meat_Oldenburg

Claes Oldenburg – „Meats“

Oldenburgs warf damit Kunst-Konsum und Wirklichkeits-Konsum auf einen Haufen und hielt den Store-Besuchern einen Spiegel ihres Kaufverhaltens vor. Shoppen ohne Sinn und Verstand? Shoppen als Selbstzweck?

Heute, rund 50 Jahre später, sind wir – nicht nur in Sachen Kunst – an dem Punkt angelangt, dass wir das Wort „Konsum“ fast mit Abscheu verwenden. Unsere neuen Lieblingsworte sind solche wie Fair-Trade, Nachhaltigkeit und „biologisch“. Der Kulturphilosoph Boris Groys hat dazu einen schönen Satz formuliert: „Nichts wird in der Konsumgesellschaft so gerne konsumiert wie die Kritik am Konsum.“

Die Kunst tut auf alle Fälle ihr bestes, mitzuziehen: Verbrauchte Güter, Abfälle, Schrott usw. werden für Kunstobjekte verwendet. So versucht Kunst, sich KRITISCH mit Konsum in unserer Welt auseinanderzusetzen. Aber steht Kunst, egal in welcher Form, nicht selber für den Willen zum Konsum, den Wunsch nach Luxus? Das scheint zumindest so, wirft man einmal einen Blick auf die grossen internationalen Kunstmessen.

Griff an die eigene Nase

Zum Schluss fasse ich mir auch an die eigene Nase. Ich gestehe, dass ich trotz meines Unbehagens gegenüber ungezügeltem Konsum, Kunst und Konsum gerne in einem „Aufwasch“ geniesse. Etwa dann, wenn ich ein ermatteter Museumsbesucher bin. Nach den intellektuellen Herausforderungen, die mir die Kunst abverlangt, suche auch ich gerne Linderung beim Shopping im Museumsshop. Hier gibt es – nach dem Kontakt mit der musealen Geisterwelt des Unantastbaren, Unverkäuflichen und für mich ohnehin Unbezahlbaren  – durch den realen Kaufvorgang endlich wieder eine Rückkehr ins wahre Leben. Hier kann ich alles anfassen, shoppen und mit nach Hause nehmen.

Mein Fazit

Gerade, weil Kunst und Konsum so ein spannendes und schwieriges Verhältnis zueinander haben, finde ich das „Shopping“-Projekt in Wil reizvoll. Denn wie die Kunstgeschichte zeigt: Es gab immer Kunstschaffende, die etwas  Anregendes und Intelligentes aus diesem Verhältnis ziehen konnten.

In diesem Sinne: Auf nach Wil und sich eine eigene Meinung bilden! Die „Produkte“ betrachten, die von neun Kunstschaffenden im Rahmen von „Shopping“ realisiert wurden: James Stephen Wright, Martina Mächler, Lucy Biloschitski, Catherine Xu und die beiden Künstlerkollektive Nina Emge/Samuel Koch sowie Fridolin Schoch/Edmée Laurin/ Domingo Chaves .

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(c) Arthur Junior- Impression von „Shopping“

Mal sehen, wie sie im Rahmen ihrer „Shopping“-Tour Kunst und Konsum gemanaget haben….

Hier gibt’s den Ausstellungsführer, genaue Daten zum Projekt und eine Besprechung dazu im Tagblatt

Ausschreibung: „Grosse Regionale“ in Rapperswil

schnell jetzt: Bewerbungsfrist endet am 1. August!

Vom 27. November bis 5. Februar 2017 findet die „GROSSE REGIONALE“ statt – eine Ausstellungs-Plattform, bei der professionelle Ostschweizer Kunstschaffende ihre Werke der Öffentlichkeit vorstellen können. Im Begleittext zur Ausschreibung heisst es: „Alle Medien – ob Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Video, digitale Arbeiten, Netz- und Computerkunst oder Performances – sind willkommen.“ Hier geht es weiter zu den Infos: Wer kann mitmachen, wo findet das alles statt und was muss eingereicht werden.

Veranstaltungsorte der Grossen Regionalen sind das KUNST(ZEUG)HAUS UND DIE *ALTEFABRIK in Rapperswil.
Teilnehmen können Künstler aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell
Ausserrhoden, Glarus, Schwyz und Zürich.

Altefabrik        Kunstzeughaus

 

 

Eine Jury, bestehend aus: Al Meier, Künstler und Kurator – Regula Pöhl, Dozentin an der PH St. Gallen -Nadia Veronese, Kuratorin des Kunstmuseums St. Gallen und Yves Christen, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fonds Municipal d’Art Contemporain in Genf, beurteilt die eingereichten Arbeiten.

Die Jury wird geleitet von Alexandra Blättler, Kuratorin der Ausstellung in der *ALTEFABRIK und von Peter Stohler.

Mit in die Bewerbung für die GROSSE REGIONALE gehören rein: Vollständig ausgefülltes Bewerbungsformular (Link dazu siehe unten) – Biografie (max. 1 A 4-Seite) – Liste der bisherigen/geplanten Ausstellungen (max. 1 A 4-Seite) – bebilderte Dokumentation der Werke, jeweils mit Titel, Entstehungsjahr, Angaben zur Technik, Grössenangaben: Höhe x Breite x Tiefe in cm (max. 8 A4- Seiten). Last but not least auch noch ein frankierter und adressierter Umschlag für die Rücksendung.

Hier geht es zu den Details der Teilnahmebedingungen und zum Bewerbungsformular

Also: Gelegenheit beim Schopf packen und Dossier einreichen. VIEL GLÜCK!

Urheberrecht: Worum gehts da eigentlich…?

Info-Anlass für „Mehr-Wissen-Woller“

Viele Musiker, Autoren, bildende Künstler und andere Kreative nutzen regelmässig bereits existierende Werke für die Arbeit an eigenen künstlerischen Projekten. Vor allem das Internet bietet heute grenzenlose Möglichkeiten: Kompositionen, Bilder, Texte – alles ist, wie es scheint, frei verfügbar und zur „Weiterverwendung“ bereit. Doch in welchem Rahmen ist das wirklich erlaubt? Wo sind Grenzen? Und wie kann man überhaupt eigene Werke schützen? Beim Info-Anlass „Das Urheberrecht in der künstlerischen Praxis“ gibt’s am 23. September Auskunft durch Profis. Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Hier zu den Details…

Das Internet für Kunst- und Kultur-Inspirationen zu durchforsten, ist schön und gut. Zugleich werden dadurch aber auch Fragen nach dem geistigen Eigentum laut. Und der juristische Bereich des Urheberrechts gewinnt stark an Bedeutung. Denn rechtliche Auflagen in Sachen Kunst und der reale Umgang damit gehen immer weiter auseinander. Einer der Hauptgründe dafür ist wohl, dass viele aktive aber auch angehende Kunstschaffende nur ein geringes Bewusstsein der Problematik haben.

Flyer_UHR

Hier setzt der Anlass „Das Urheberrecht in der künstlerischen Praxis“ an. Er findet am 23. September in St.Gallen statt und hat das eine Ziel: möglichst vielen Kunstschaffenden und Kunst-Studenten fundierten Einblick in die Aspekte des Urheberrechts zu bieten. Besonders ist an dieser Veranstaltung sicher der breite Mix an Fachleuten, die Rede und Antwort stehen. An gesonderten Thementischen werden differenzierte Inhalte genauer beleuchtet: Zum Beispiel „Digitale Kunst – mischen possible!“, „Suisa – Das Urheberrecht in der Musikbranche“ oder auch „Urheberrecht im Wandel – das Folgerecht und die Ängste des Kunstmarkts“, um nur einige zu nennen.

Referenten_UHR

Vom Juristen mit Kunstspezialisierung bis hin zu Performance-Künstlern sind also die unterschiedlichsten Fachpersonen vertreten. Die gemeinsame Diskussion, professionelles Hintergrundwissen sowie konkrete Beispiele anhand bereits realisierter Kunstprojekte bieten an diesem Anlass breitgefächerten Einblick in die künstlerische Realität.

Mein Fazit: Teilnahme lohnenswert! Gerade für alle, die schon immer mal auf Nummer SICHER gehen wollten und einfach ein MEHR an Wissen schätzen…

Urheberrecht in der künstlerischen Praxis
Freitag, 23. September 2016, 13.30 bis 16.50 Uhr

Anmeldung
Per E-Mail an st.gallen@kulturbuero.ch. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, Anmeldungen sind verbindlich und werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Der Unkostenbeitrag von CHF 20.- kann vor der Veranstaltung bar bezahlt werden.

Veranstaltungsort
Aula GBSSG, Demutstrasse 115, 9012 St.Gallen

Organisation
Kulturbüro St.Gallen I visarte.ost, Berufsverband visuelle Kunst I Schule für Gestaltung am Gewerblichen Berufsschul- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

Mode und Kunst auf Tuchfühlung

‚Fa­shio­nis­tas‘ oder ‚Haute Couture‘ sind Begriffe, die ich irgendwie kribblig finde, die aber  nicht so richtig in meine Welt gehören. Trotzdem habe ich mich am vergangenen Wochenende mal damit befasst. Und zwar beim ersten Blick in die jüngste Sonderausstellung im Forum Würth in Rorschach. Unter dem Titel«WERKE AUS DER SWISS TEXTILE COLLECTION UND SAMMLUNG WÜRTH IM DIALOG» können Mode-Junkies, Textil-Freaks aber auch Skulptur-Liebhaber spannende Eindrücke einfangen aus 50 Jahren Couture-Geschichte.

Ausgangspunkt für diese Ausstellung ist der Kleider-Nachlass der Schweizer Industriellen-Gattin Eva Hatschek. Sie hat zwischen 1940 und 1990 eine unglaubliche Vielzahl an Kleidern anfertigen lassen – allesamt aus Schweizer Stoffen – und keines der Kleidungsstücke je entsorgt. Aus diesem mords Fundus haben die Macher in Rorschach nun einige Stücke zusammengestellt.

Ich habe weder von Textil-Design, Schneiderhandwerk oder den Laufstegen dieses Planeten irgendeine Ahnung. Doch auch ohne Fachwissen dazu kann ich sagen: Es macht dort einfach Spass, sich zwischen den ausgestellten Kleidern zu bewegen. Vor allem, weil man recht viel entdecken kann, was Mode mit bildender Kunst – Malerei und Skulptur- verbindet. DSC_1258

freischwebend

Ein paar Sachen, die mir besonders gefallen haben: Vorgeführt werden sehr viele Stücke, übrigens ausnahmslos Kleider (mal festlich, mal leger, mal mit Blumenmustern, mal aus Stickereien) freischwebend – oder immerhin auf sehr filigranen Metallkleiderständern. Oft sind es Dreier-Kombis, die da in Aluminium-Rahmen herunterbaumeln und einen sehr spielerischen, luftigen Eindruck vermitteln. Toll, dass hier auf eine Präsentation auf traditionalle Schneiderpuppen verzichtet wird. Denn die wirken ja oft richtig spooky.

Tatsächlich haben die Kleider damit zum einen die Leichtigkeit von Mobilés bekommen. Und zugleich gab es die Möglichkeit, um sie herum zu gehen und sie – wie bei allen gute Präsentationen von Dreidimensionalem – in Rundum-Betrachtung aufnehmen zu können.

skulptural

Etwas anderes, das ich klasse fand, war, dass mich diese „Kleider-Schau“ beinahe an Skulpturen-Ausstellungen erinnert hat. In solchen gefällt mir immer gut, mir nicht nur Formen, sondern vor allem auch die Oberflächen-Behandlung und -Wirkung genau anzuschauen. Was passiert mit einfallendem Licht? Spiegelt es sich oder wird es einfach verschluckt? Schimmert da was, scheint etwas rau oder zart? Verlockt eine Oberfläche dazu, sie anfassen zu wollen oder will man doch lieber die Finger davon lassen?

zwiegesprächig

Last but not least – und das betonen die Kuratoren auch – wollte man einen Dialog zwischen den Kleidungsstücken und der bildenden Kunst aus den entsprechenden Jahren anstossen. Der Versuch ist recht gut gelungen, wie ich meine. Wenn ich mir (als Kunsthistorikerin) vielleicht sogar noch mehr von dieser bildenden Kunst gewünscht hätte. In der Ausstellung wird auf alle Fälle sichtbar, dass sowohl Modemacher wie auch Kunstschaffende sich gegenseitig im Blick hatten: Da stehen dann zum Beispiel ein Kleid mit Blumenstickerei von Jean Louis Scherrer einem formal sehr ähnlichen Andy-Warhol-Werk mit „Flowers“ gegenüber.

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Mein Fazit: Ein Ausflug nach Rorschach lohnt sich. Besonders dann, wenn man an einer Führung durch diese Textil- Ausstellung teilnimmt und vielleicht auch noch den Skulpturengarten „mitnimmt“.

Auf alle Fälle fand ich es spannend zu erleben, dass Kunst und Mode doch viel mehr Berührungspunkte haben, als ich das zuvor gedacht hätte. Macht euch doch einfach selbst ein Bild.

Öffnungszeiten

1. April – 30. September: 10 – 18 Uhr (täglich)
1. Oktober – 31. März: 11 – 17 Uhr (montags geschlossen)
Geschlossen an Heiligabend, Weihnachtstag und Silvester.

Der Eintritt ist gratis

Das Forum Würth Rorschach ist direkt gegenüber dem Hauptbahnhof Rorschach am Bodensee-Radweg gelegen. Öffentliche Parkmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe am Strandbad und am Kurplatz vorhanden.

Anfahrt Forum Würth Rorschach

Auf dem Flyer zur Ausstellung finden sich zusätzliche Infos.

Internationaler Museumstag: 2 Ausstellungstipps

Am 22. Mai ist internationaler Museumstag. Da passt es bestens, dass an entsprechendem Wochenende 21./22.5. gleich zwei spannende Ausstellungen ihre Eröffnung feiern. Die eine trägt den Titel „Just a perfect day“ und findet in Winterthur-Wülflingen statt. In ihr zeigen 40 Ostschweizer Kunstschaffende aktuelle Arbeiten. Die zweite ist in Wil. Hier präsentiert Galerist, Designer und Künstler Christoph Gigerl unter dem Motto „Synergie Kollektion 2016“ eigene Arbeiten und Werke von Vera Savelieva und Claudio Götti. Ich bin auf beide Vernissagen gespannt!

Auf die beiden Ausstellungen freue ich mich sehr. Wenn auch mit unterschiedlicher Voraussetzung. Bei „Just a perfect day“ – das weiss ich schon jetzt – werde ich eine Reihe „alter Bekannter“ über den Weg laufen. Künstler und Künstlerinnen, deren Werdegang ich seit längerem verfolge. Und von deren Werken ich überzeugt bin. Ich  freue mich zum Beispiel sehr, in Winterthur auf Barbara Stirnimann zu treffen. Von ihr kenne ich filigrane PVC-Gebilder, die wie schwebende gläserne Gitter wirken. Umso mehr lasse ich mich überraschen, was sie in „Just aperfect day“ zeigen wird.

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Impressionen „Just a perfect day“

Auch freue ich mich auf die junge Newcomerin Annina Thomann. Eben wurde sie für ihre plastischen Arbeiten mit einem Werkbeitrag der Stadt St.Gallen ausgezeichnet. Ich bin sicher, dass man von ihr in der Zukunft noch manch Cooles zu sehen bekommt. Und das sind nur zwei der insgesamt 40 Ausstellenden. Hier gehts zum detaillierten Programm im Flyer

Kulturort Galerie Weiertal, Maja und Rick von Meiss, Rumstalstrasse 55, 8408 Winterthur-Wülflingen Tel. +41 52 222 70 32, galerieweiertal@bluewin.ch, www.galerieweiertal.ch, www.skulpturen-biennale.ch

Öffnungszeiten: Mi-Sa 14-18h So 11-17h, Bistro mit Sommersitzplätzen

Eintritt Park: Fr. 10.-, freier Eintritt in Galerie / Saisonkarte: Fr. 25.- Führung: Fr. 15.- / Sommerfest: Fr. 30.- Private Führungen und Apéros auf Anfrage

 

Ganz anderes treibt mich an, wenn ich in die Galerie von Christoph Gigerl gehe. Hier kenne ich keine Original-Arbeiten der Ausstellenden. Aber vor kurzem hatte ich das Glück,mich länger mit Christoph unterhalten zu dürfen. Und seine Sichtweise auf Kunst, sein Blick auf die Welt und auf künstlerisches Arbeiten hat mir gut gefallen. Nun möchte ich mich mal darauf einlassen und schauen, wie das in deiner Ausstellung rüberkommt. Ich freue mich drauf.

 

Gerlisto

Vera Savelieva „Paradies“ – Gallery Gerlisto, Wil

 

Die Ausstellung läuft vom 21. Mai bis 4. Juli. Eröffnungswochenende ist am 21. und 22. Mai von 13 – 19 h.

Und dort findet man sie: Gallery Gerlisto, Wilenstrasse 54, CH-9500 Wil , Tel.: +41 79 303 78 78

 

 

Honorarleitlinien für Bildende Künstler

Wann immer man als Kunstschaffender zur Mitwirkung an einem Projekt eingeladen wird, ist das eine tolle Sache. Denn auf keine andere Weise erlebt man eine so unmittelbare Wertschätzung der eigenen künstlerischen Arbeit. Im Rausch der ersten Begeisterung sollte man dennoch einige wichtige Fragen nicht aus den Augen verlieren: „Entspricht das Projekt mir und meinem Schaffen überhaupt?“ – „Wie steht es um den Ruf der einladenden Institution?“ –„ Und wie sieht es mit Honoraren und Vergütungen aus?“ Mit all dem hat sich soeben der Berufsverband der Bildenden Künstler visarte.schweiz befasst. In seinen neu erschienen Honorarleitlinien für Bildende Künstler gibt er hilfreiche Empfehlungen. Mehr dazu hier!

Ein wichtiger Grund, weshalb visarte diese dreisprachigen Honorarleitlinien (in dt., frz., it.) herausgegeben hat, basiert auf folgender Erkenntnis: Bildende Künstlerinnen und Künstler bekommen für ihre Mitwirkung an Ausstellungen nur in den seltensten Fällen eine angemessene Vergütung.

In anderen Kultursparten werden vergleichbare Nutzungen und Leistungen hingegen selbstverständlich vergütet.

(Honorarleitlinien, S.3)

 

Denn oft sind alle Beteiligten – vom Kurator bis zum Kunstschaffenden – auch unsicher, wonach man Leistungen bemessen kann. Die Leitlinien liefern hierzu gute Orientierungshilfe und erläutern, welche Bewertungskriterien zu berücksichtigen sind.

Was zählt

– professionelle Ausstellungs- oder Publikationstätigkeit
– abgeschlossenes Kunststudium
– Mitglied in einem Berufsverband der bildenden Kunst

Im nächsten Schritt muss dann die Art der Vergütung betrachtet werden. Handelt es sich um eine Ausstellungsvergütung, hilft man beim Transport oder wird eine Laudatio gehalten? Und welche Tarife können für welche Tätigkeit angesetzt werden?

Tabellen geben Tipps – hier zum Beispiel für Ausstellungsvergütungen:

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Honorarleitlinien, S.6

 

Wer mehr wissen will findet hier sämtliche Informationen: Im PDF der Leitlinien fuer Honorare – in deutscher, französischer und italienischer Sprache!

Quelle:

Herausgeber visarte berufsverband visuelle kunst • schweiz
Geschäftsstelle,
Kasernenstrasse 23, CH 8004 Zürich
Projektleitung Benjamin Dodell, Mitglied Zentralvorstand
Redaktion Josef Felix Müller, Präsident visarte.schweiz
Regine Helbling, Geschäftsführerin
visarte.schweiz
Erscheinungsdatum 2016

 

 

„Im Dunkelwasser fischen“ – Bühnenkunst radikal anders und berührend

Manchmal stolpere ich über Veranstaltungsinfos, bei denen es sofort „ZING!!!“ macht und ich denke: „Das will ich sehen“! Soeben wieder passiert beim Hinweis auf die Produktion „Im Dunkelwasser fischen“. Schon die offizielle Pressemitteilung verrät, dass es sich hier um kein alltägliches Bühnenstück dreht. Denn hier fehlen festes Script oder Rollenverteilungen. Und Projektleiterin Micha Stuhlmann hat auch keine professionellen Schauspieler engagiert. Bei ihr stehen von der Studentin bis hin zu geistig oder körperlich versehrten Menschen alle auf der Bühne. Stichwort: Inklusion – also die gleichwertige Behandlung jedes Einzelnen, ohne eine wie auch immer geartete „Normalität“ vorauszusetzen.

Diesem Ansatz folgend, darf sich der Zuschauer auf autobiographische Fragmente der zehn Darstellenden einlassen. Mal Träume, Gedanken, Ideen, Gedichte, bewegte Szenen und Improvisation. Umrahmt und unterstützt werden die auf der Bühne Agierenden von Raphael Zürcher (Film), Marc Jenny (Ton) und Ellen Finus (Kostüme).

Micha Stuhlmann, selbst Performerin, lotet mit „Im Dunkelwasser fischen“ (hier der Trailer) wiederholt den Grad entlang der Kategorien „anders“ und „normal“ aus. Bereits 2012 brachte sie Vergleichbares mit WO IST KLARA auf die Bühne, im Jahr 2014 NUR MIT MIR ALLEIN ZUM GLÜCK.

 

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„Im Dunkelwasser fischen“ – Auf der Bühne

Neugierig geworden, wollte ich auch noch von einem der Mitwirkenden wissen, wo für ihn der persönliche Reiz dabei liegt. Deswegen habe ich bei Musiker Marc Jenny angeklopft. Er ist bei diesem Projekt für Ton und Technik zuständig.

Marc, du bist eigentlich Band- und Orchestermusiker, legst aber auch viel Wert auf freie Improvisation. Dein Instrument ist der Bass. Wie ist es bei diesem Bühnenstück?

„Bei diesem Stück mache ich etwas anderes. Und zwar habe ich Klangwelten entwickelt, bei denen ich mit Wasser, Tropfen und Gläsern experimentiere. Ich habe vieles im Vorfeld ausprobiert, bis die Töne und Klänge so kamen, wie ich mir das vorgestellt habe. Zum Beispiel habe ich Mikros wasserfest eingepackt, um dann Aufnahmen auch unter Wasser machen zu können. Trotz dieser Vorab- Versuche geht’s auch hier ums Improvisieren. Denn wegen der besonderen „Instrumente“ benötige ich zeitliche Vorläufe – beispielsweise, um Wasser umzufüllen. Da „Im Dunkelwasser fischen“ aber keinem festen Script, sondern eher einem beweglichen szenischen roten Faden folgt, ist keine Aufführung identisch mit der anderen. Es gibt also jedes Mal neue Herausforderungen. Für mich ist es extrem spannend, an so etwas mitzuwirken. Die Bildwelt zum Stück gestaltet übrigens Raphael Zürcher. Er bringt Live-Projektionen aus seinem Aquarium und mischt Farbe, Rahm und Wasser zu faszinierenden Bildexperimenten zusammen.  Ich freue mich sehr auf die kommenden Aufführungen.“

Weiterführende Informationen finden sich hier: In der  Pressemitteilung_Dunkelwasser  und diesem Artikel der Thurgauer_Zeitung

Oder schaut mal bei Facebook

Und für alle Interessierten…

Veranstaltungsdaten & Orte von „Im Dunkelwasser fischen“

Sonntag 1. Mai 17 Uhr – Tanzraum Herisau

Samstag 21. Mai 11.30 Uhr – Paraplegikerzentrum Nottwil

Samstag 11. Juni 19.30 Uhr – Lokremise St. Gallen

Sonntag 12. Juni 19.30 Uhr – Theater Konstanz

Samstag 18. Juni 19.30 Uhr – Phönix Theater Steckborn

(Bilder: Micha Stuhlmann, Kreuzlingen)

Sozialabgaben im Kulturbereich – Worauf achten?

„Sozialversicherungen“ ist ein Riesenthema. Für „Normalos“ auf alle Fälle – und fast noch mehr für Kulturschaffende. Denn für sie gelten etliche Sonderregelungen. Gerade eben hat der Verein Suisseculture Sociale einen ausführlichen Leitfaden dazu herausgegeben. Hier ergänzend ein kleiner Überblick im Tabellenformat…Denn was gilt im Einzelfall und wie sieht’s für die Auftraggeber dieser Kulturschaffenden aus? Wann etwa müssen kulturelle Institutionen, die Maler oder Musiker für Projekte engagieren, Sozialabgaben an die AHV zahlen? Wann nicht? Und wie ist die Lage bei  Angestellten solcher Institutionen, die zum Beispiel Bürokram in minimalen Prozenten erledigen??? 

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Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt in den Puck stellen soll. Denn sicher werden einige Leser denken, ich wolle da mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel spielen. Fehlanzeige. Es ist nur so, dass ich von etlichen Kulturmachern weiss, dass sie keine Ahnung haben. Und dann war ich vor einiger Zeit in einem Seminar zu genau diesem Thema – und habe erzählt bekommen, wie saublöde es für die Betroffenen ist, wenn was quer läuft. Daher schreibe ich jetzt einfach los. Jeder kann ja entscheiden, was er damit anfängt.

Und noch was: NEIN, die SVA St.Gallen bezahlt mich nicht dafür, dass ich’s schreibe.

Nicht-Wissen hilft leider nix

Also: Bei vielen Kultureinrichtungen handelt es sich um kleine Organisationen. Sehr oft sind es Vereine, die mit einer Handvoll ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder arbeiten. Die wenigsten von diesen engagierten Leuten sind allerdings sattelfest, wenn es um die Regelung von Sozialabgaben geht. Das ist nicht ganz unbedenklich. Denn Vorstände haften – anders als beispielsweise eine dem Vorstand unterstellte Geschäftsstelle – finanziell für das, was in dem von ihnen geführten Verein vor sich geht.

Wenn also (auch nur versehentlich) Pflicht-Abgaben bei Zahlungen an Kunstschaffende nicht geleistet werden, ist das nicht optimal. Denn sobald im Nachhinein festgestellt wird, dass Beiträge fehlen, muss nicht selten nachgezahlt werden und zwar aus dem Vereinsvermögen. Aber wenn da zu wenig in der Kasse ist, geht es an die Privatgelder der Vorstände.

Ich habe mich bei Herrn Roland Bischof, dem leitenden Revisor bei der SVA St.Gallen erkundigt. Er hat Auskunft gegeben, wie Vereine, die mit Künstlern und geringfügig beschäftigten Angestellten zu tun haben, am besten vorgehen sollten.

Die ersten Schritte

  • Von allen Personen zunächst Namen, Geburtsdatum und AHV-Versicherten-Nummer organisieren
  • Bankverbindungen notieren
  • „Bestätigung über die Erfassung als Selbständig-Erwerbender“ inkl. Abrechnungs-Nummer einfordern.

Dann hat man alle Angaben zusammen, die es für die Lohnzahlung, aber auch für das Zahlen der Sozialabgaben, braucht.

Stand vom April 2016 ist dieser: Bei der Jahresabrechnung wird jeweils der verdiente Bruttobetrag für das Gesamtjahr deklariert. Und zwar für alle Personen, die ÜBER 2’300,- CHF Lohn erhalten. Bei Personen, die nur Spesen und/oder Material entschädigt erhalten, entfällt der Lohnausweis und die Deklaration bei der AHV/ Unfallversicherung. Überdies gehören allfällige Kinderzulagen NICHT zum AHV-pflichtigen Lohn.

Ein Beispiel. Ein Verein beschäftigt zwei Angestellte mit wenigen Prozenten. Zudem eine auf Stundenbasis werkelnde Putzkraft. Der Vorstand erhält jeweils nur eine kleine Aufwandentschädigung. Und hin und wieder sind „Kulturarbeiter“ engagiert.

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Und weil die Tabelle oben ziemlich schlecht zu lesen ist, hier noch das PDF der Tabelle zum Runterladen.

Sozialabgaben zahlen ist fair

Um also überflüssigen Stress zu vermeiden, lohnt es sich, die Beiträge entsprechend der Auflistung in der Tabelle regulär zu zahlen. Das ist zwar manchmal ein bisschen aufwändig. Aber man vermeidet damit ganz eindeutig schlechte Laune. Ausserdem ist es eigentlich auch fairer für alle, die Einsatz bringen: Von der „Administrations-Fee“ bis hin zum Kultur-Täter… zumindest auf den zweiten Blick. Denn das Geld, das man im ersten Moment nicht bekommt, geht ja nicht verloren. Man erhält es eben einfach später, beim Eintritt ins Bezugsalter.

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Ein sehr herzliches Dankeschön an Herrn Bischof für seine Auskünfte.

Noch was: Wer ganz genau wissen will, was exakt für ihn oder sie persönlich gilt, der sollte ungeniert ein Beratungsgespräch bei der Ausgleichskasse oder Sozialversicherungsanstalt des Wohnkantons abmachen. Sehr gerne hilft immer auch die AHV-Zweigstelle der Gemeinde weiter.

 

Mitmachen. Beim „Sommer-Special St.Galler Rheintal“

Mit-Macher meldet euch! Und zwar fürs „Sommer-Special St.Galler Rheintal“. Während einem viertel Jahr, nämlich von Mitte Mai bis Mitte August, soll das St.Galler Rheintal einmal besondere Aufmerksamkeit erhalten und dort ansässige Kulturschaffende und entsprechende Institutionen im Puck präsentiert werden. Mit Interviews, Veranstaltungstipps und vielem mehr. Also liebe Leute, meldet euch und lasst euch und eure Projekte online vorstellen! Bewerbungsfrist ist bis 30. April an schreib-mir@der-puck.ch!

 

In Interviews und Ausstellungsbesprechungen, mit Konzert-Hinweisen, „Werk der 14 Tage“-Vorstellungen und vielem mehr, will Puck während der Sommermonate einmal dem St.Galler Rheintal besonderen Raum geben. Dafür sind aktive Mit-Macher gesucht.Bild_rheintal_neu

Theater, Galerien, Kunsträume und und und… meldet euch und erzählt, was im Sommer so alles bei euch läuft!
Zudem sind Kunstschaffende gefragt, die zum Beispiel ein neues Gemälde, ein Buch oder eine Performance vorstellen wollen.

Einfach Informationen zum Projekt, den Initiatoren und Künstlern sowie Kontaktdaten bis 30. April mailen an: schreib-mir@der-puck.ch.